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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ledenhof und Schloss ohne Barriere
 
Multifunktional und klimafreundlich
Zwischenüberschrift:
Der neue Ledenhof: Berliner Architektenteam bbz gewinnt den Gestaltungswettbewerb
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Robuste Materialien und klimaresistente Bäume, aber keine Höhensprünge, Hochbeete und Treppen nach dieser Maxime soll der arg heruntergekommene Ledenhof umgestaltet werden. Beim freiraumplanerischen Wettbewerb der Stadt Osnabrück setzte sich das Berliner Büro bbz landschaftsarchitekten gegen 14 Mitbewerber durch. Neu gestaltet wird nicht nur der Platz über der Tiefgarage Ledenhof, sondern auch der Übergang zum Schloss. Dabei soll dem Neuen Graben die Barrierewirkung genommen werden, indem nur noch zwei Fahrbahnen pro Richtung erhalten bleiben. Ziel des Wettbewerbs war es vor allem, dem Ledenhof mehr Aufenthaltsqualität zu geben. Dazu soll auch eine Außengastronomie beitragen. In unserem Bericht lesen Sie, was alles anders wird.

Osnabrück Gleditschien statt Platanen, sanfte Übergänge statt Treppen, eine Tennenfläche anstelle von rotem Klinker: Der Ledenhof soll wieder zu einem Ort werden, an dem sich Menschen gerne treffen. Beim freiraumplanerischen Wettbewerb der Stadt entschied sich die Jury einstimmig für den Entwurf des Berliner Büros bbz landschaftsarchitekten, der auf robustes Material und weniger versiegelte Flächen setzt.

Einen multifunktionalen Platz hatte die Stadt in ihrer Ausschreibung für die Fläche über der Tiefgarage gefordert, mit hoher Aufenthaltsqualität und einem fließenden Übergang zum Schloss. Der Neue Graben, der bisher wie eine Barriere wirkt, sollte ausdrücklich Bestandteil der Planung sein. 15 Teams reichten ihre Entwürfe ein. Nach Ansicht der Jury erfüllt der von bbz die Ansprüche am besten.

Beim Vergleich mit den Nächstplatzierten drängt sich der Eindruck auf, dass die siegreichen Berliner Landschaftsarchitekten keinen Sinn für Symmetrie haben. Auf ihrem Entwurf sind die Bäume locker über den Platz verteilt. Erst bei genauem Hinschauen wird deutlich, dass sie nicht nach dem Zufallsprinzip angeordnet wurden, denn die Sichtachsen auf den Turm von St. Katharinen und das Schlossportal bleiben unverstellt. Hoch aufgeastete Gleditschien sollen die schon etwas angeschlagenen Platanen ersetzen. bbz-Chefplaner Timo Herrmann traut den Laubbäumen mit den filigranen Blättern und der lichten Krone zu, dass sie den steigenden Temperaturen besser standhalten als die meisten anderen Stadtbäume.

Den klimatischen Veränderungen will das bbz-Team auch mit der Materialwahl Rechnung tragen. Zentrales Element soll eine Tennenfläche sein, für die eine wassergebundene Decke aus feinem Steinmaterial geformt wird. Der Belag lasse Versickerung zu, so Herrmann, zugleich könne Feuchtigkeit aufsteigen und zu einem besseren Mikroklima beitragen. So ein Tennenplatz sei zwar pflegeaufwendig, biete sich aber wegen seiner positiven Eigenschaften an.

Auf dem westlichen Teil des Ledenhofs, in der Nähe der IHK, sieht der Entwurf von Gleditschien überragte Rasenflächen vor, die von gepflasterten Wegen begrenzt werden. Gegenüber am Ledenhofgebäude sollen Staudengärten entstehen. Auch diese Ledenhofgärten sollen durch Bäume aufgelockert werden.

Auf Höhensprünge, Hochbeete und Treppen verzichten die Berliner Planer konsequent zugunsten der Barrierefreiheit. Sitzelemente aus Holz sind als flexible Möblierung vorgesehen, die bei größeren Veranstaltungen demontiert werden kann. Geht es nach Timo Herrmann, dann gehört auch eine Außengastronomie zum neuen Ledenhof. Dafür, so gibt er zu bedenken, würde sich das Altenheim anbieten, aus dem ja nach den derzeitigen Plänen ein Zentrum für Betreutes Wohnen werden soll.

Eine wichtige Vorgabe im Wettbewerb war es, die Barrierewirkung des Neuen Grabens zwischen Ledenhof und Schloss aufzuheben. Die Landschaftsarchitekten von bbz wollen den Straßenquerschnitt auf zwei Spuren pro Fahrtrichtung (eine für Busse und Fahrräder, eine für Autos) reduzieren und einen extrabreiten Fußgängerüberweg schaffen. Zusätzliche Bäume sollen den Alleecharakter der Straße betonen, wobei der Bereich vor dem Schloss ausgespart bleibt.

Für die Neugestaltung des Ledenhofs kann die Stadt auf einen Zweidrittelzuschuss durch das Förderprogramm Zukunft Stadtgrün″ setzen. Zu den Vorgaben gehörte ein Kostenrahmen von 1, 95 Millionen Euro für den Ledenhof und 1, 27 Millionen Euro für den Neuen Graben. Auch der Zeitplan ist auf das Förderprogramm ausgerichtet. Stadtbaurat Frank Otte rechnet damit, dass die Umgestaltung in etwa zwei Jahren Züge annehmen wird.

Die Stadt hat den Ledenhof 1976 nach einem Entwurf des Architekten Helge Bofinger gestaltet, mit rotem Klinker, großkronigen Platanen und Wasserspielen. Nach mehr als 40 Jahren ist davon nicht viel übrig geblieben. Da Bofinger auf sein Urheberrecht pocht, müsste die Stadt entweder Schadensersatz zahlen, den ursprünglichen Zustand wiederherstellen oder den Platz neu gestalten. Da die Wiederherstellung teurer Wasserspiele nicht als Option angesehen wurde und Aussicht auf eine großzügige Förderung bestand, entschied sich die Stadt für den Neustart.

Bildtext:
Lockeres Grün, multifunktionale Nutzung: So stellt sich das Siegerteam aus Berlin den Ledenhof der Zukunft vor.
Simulation:
bbz Landschaftsarchitekten

Kommentar
Nicht spektakulär, aber robust

Vor 40 Jahren war man in Osnabrück mächtig stolz auf den Ledenhof. Der Platz über der Tiefgarage, vom renommierten Architekten Helge Bofinger wie ein Amphitheater gestaltet, erschien mit seinen spektakulären Höhenunterschieden und den vielfältigen Wasserspielen großstädtisch und modern. Aber zu einem beliebten Treffpunkt wurde er nie. Das lag vor allem am Autoverkehr, der den Neuen Graben zu einer Barriere machte. Der Zugang zum Schloss blieb lange Zeit versperrt.

Mit dieser Hypothek aus der Zeit der autogerechten Stadt soll der neue Ledenhof nicht mehr belastet werden. Das ist eine große Chance für den Wettbewerbsentwurf des Siegerteams bbz aus Berlin. Seine Gestaltungsidee ist längst nicht so spektakulär wie die von Bofinger, aber die Zeiten haben sich geändert, Klimaresilienz und Langlebigkeit sind heute wichtiger als dramatische Inszenierungen. Dass die Berliner auf robustes Material und hitzebeständige Bäume setzen, ist schon mal ein guter Anfang.

Wenn es gut läuft, wird aus dem Ledenhof ein belebter Platz, ein Ort, an dem sich Menschen gerne aufhalten. Ob der Entwurf für die nächsten 40 Jahre gut ist? Oder sogar noch länger? Das hängt auch davon ab, ob die Stadt ihn pfleglicher behandelt als das Modell Bofinger.

rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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