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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Steht der nächste Bürgerentscheid ins Haus?
Zwischenüberschrift:
Ober- statt Realschulen: Stadtelternrat kritisiert Sek.-I-Reform
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Mit viel Mühe haben sich Lokalpolitik und Schulverwaltung auf eine Reform der Mittelstufe (Sek.-I-Reform) geeinigt. Darin enthalten: die Umwandlung aller Realschulen in Oberschulen. Vor allem dieses Ansinnen stößt beim Stadtelternrat auf vehemente Kritik.

Wir diskutieren derzeit im Vorstand, ob wir einen Bürgerentscheid zur Sek.-I-Reform durchführen sollten″, so Marc Veeningen, Vorsitzender des Stadtelternrates, nach einer gut einstündigen Diskussion zum Thema in der Anne-Frank-Schule. Seine Stellvertreterin, Nicole Schnorrenberg, bestätigte die Überlegungen des Gremiums, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass der Vorstand eine solche Aufgabe nicht alleine stemmen könne. Wenn wir einen Bürgerentscheid wollen, müssen alle Mitglieder des Stadtelternrates mitmachen.″ Das Thema wird aller Voraussicht nach auf der kommenden Sitzung des Stadtelternrates im Oktober beraten werden.

Primärer Grund für das Ansinnen, einen Bürgerentscheid zu initiieren, ist die in einem Rahmenbeschluss am 25. Juni im Rat verabschiedete gleichzeitige Umwandlung aller Realschulen in Oberschulen. Der Stadtelternrat unterstützt zwar die ebenfalls im Ratsbeschluss enthaltene Gründung einer Oberschule in der Innenstadt durch die Zusammenlegung von Hauptschule Innenstadt, Möser-Realschule und Förderschule an der Rolandsmauer sowie die Gründung einer neuen Schule im Süden Osnabrücks, zum Beispiel in der ehemaligen Käthe-Kollwitz-Schule am Schölerberg. Dann hören die Gemeinsamkeiten aber auf.Große Skepsis

Der Stadtelternrat sieht sich in der Frage der Umwandlung in Oberschulen im Gleichschritt mit den Realschulen. Auch diese hatten sich bereits skeptisch gegenüber den Plänen von Politik und Verwaltung geäußert. Diese Skepsis wurde auch von den Elternvertretern der Osnabrücker Schulen im Stadtelternrat zumindest in großen Teilen mitgetragen. Befürchtet wird vor allem ein Absinken des Leistungsniveaus durch die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen.

Das, so war den vielen Wortbeiträgen, die sich ablehnend gegenüber der Umwandlung positionierten, zu entnehmen, dürfte wohl das treibende Moment des Elternprotestes sein. Sie habe im Landkreis die Umwandlung von einer Realschule zur Oberschule miterlebt und dabei einen deutlichen Rückgang des Unterrichtsniveaus erlebt, so eine Mutter. Viele Eltern hätten ihre Kinder von der Schule genommen bzw. dort nicht eingeschult und nach Alternativen auch in der Stadt gesucht. Allerdings und auch das wurde deutlich sehen selbst die Oberschulskeptiker den Verbleib der Felix-Nussbaum-Schule als einziger Hauptschule nach der Auflösung der Hauptschule Innenstadt kritisch. In diesem Fall würde diese Schule alle abgeschulten Schüler aus den Realschulen aufnehmen müssen. Eine Vertreterin der Hauptschule Innenstadt wies darauf hin, dass ihre Schule beim Wechsel zur weiterführenden Schule in den fünften Klassen zunächst nur schwach angewählt würde. Unsere fünften Klassen sind zweizügig. Ab der siebten Klasse wird unsere Schule dann dreizügig″, beschrieb sie die massiven Zugänge durch Abschulung.

Die Vorteile eines integrierenden Systems Oberschule wurden aus dem Plenum anhand der Oberschulen in kirchlicher Trägerschaft (Thomas-Morus- und Domschule) beschrieben. Anfängliche Skepsis in der Elternschaft, die sich auch in rückläufigen Anmeldezahlen dokumentiert habe, sei mittlerweile einer hohen Akzeptanz gewichen, hieß es hier. Schule sei eben, was daraus gemacht werde. In der Tat bietet eine Oberschule unterschiedliche Entfaltungsmöglichkeiten von der Aufteilung in einen Haupt- und einen Realschulzweig bis hin zu einem integrativen Modell. Es ist Sache jeder einzelnen Oberschule, wie sie ihr Schulleben ausgestaltet.

Die Stadt breche die Sek.-I-Reform über das Knie, lautete ein weiterer Kritikpunkt. Zunächst einmal sollten die vielen anderen Baustellen im Schulbereich wie die flächendeckende Einführung der Ganztagsschule oder die diversen Neubau- und Renovierungsarbeiten abgeschlossen werden, bevor man sich der bau- und kostenintensiven Umwandlung aller Realschulen widme.Fuß vom Gas nehmen

Andrea Butke, Fachbereichsleiterin Schule, warb noch einmal für die Reform. Es bestehe Konsens, dass es eine einzige verbleibende Hauptschule nicht geben könne. Folglich müsse mindestens eine Realschule in eine Oberschule umgewandelt werden. Wir haben mit den Leitern der Realschulen zusammengesessen, und es war allen wichtig, dass eine Umwandlung zeitgleich passiert.″ Butke betonte, dass es sich bei der Entscheidung des Rates um einen Rahmenbeschluss handele, der in den kommenden Monaten und Jahren noch mit weitergehenden Entscheidungen ergänzt werden müsse.

Ob das dem Wunsch des Stadtelternrates entspricht, doch bitte den Fuß vom Gas zu nehmen und nicht alle Umwandlungen zeitgleich anzufassen, sondern sich vielmehr zunächst auf die Innenstadt und den Bau einer Schule in der Südstadt zu konzentrieren, dürfte fraglich sein.

Kommentar
Nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen

Nach dem Bürgerentscheid zum bezahlbaren Wohnraum nun noch einer zur Entwicklung der Schullandschaft? Das wäre wohl mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Der Stadtelternrat ist ein wichtiges und sehr ernst zu nehmendes Organ in dieser Stadt. Und wenn sich in diesem Gremium Unmut breitmacht, sind Politik und Verwaltung gut beraten, auf diese Stimmen zu hören. Immerhin repräsentieren sie einen großen Teil der Bürger, nämlich all jener, die Kinder in einer der Osnabrücker Schulen haben.

Die Skepsis gegenüber der Umwandlung aller Realschulen zu Oberschulen ist nachvollziehbar. Wobei man auch hier sicherlich sachliche Gründe und reine Besitzstandswahrung vorsichtig voneinander trennen muss. Ein Problem aber bleibt: Wer für die Schüler deprimierende Abschulungen in Zeiten eines völlig freien Elternwillens vermeiden will, muss handeln. Die Einrichtung von Oberschulen schafft hier eine Alternative.

Zünden allerdings kann die Idee nur, wenn die Schulen auch ihrem Auftrag gemäß ausgestattet werden. Das ist nicht mehr Sache der Stadt, sondern des Landes. Der Adressat für die Forderung nach einer besseren Schullandschaft sitzt in Hannover. Wie wäre es mit einem Bürgerentscheid, der das Kultusministerium in die Pflicht nimmt? d.kroeger@ noz.de
Autor:
Dietmar Kröger


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