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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zoo-Geschäftsführer bot Rücktritt an
Zwischenüberschrift:
Keine Reaktion auf Gesprächsangebot
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Wie sehr es hinter den Kulissen im Zoo gekracht hat, wird im Nachgang zu der Mitgliederversammlung der Zoogesellschaft in der vergangenen Woche immer deutlicher. Offensichtlich ist der Riss zwischen altem Präsidium und Geschäftsführung so tief gewesen, dass Geschäftsführer Andreas Busemann dem Gremium Anfang August angeboten hat, seinen Posten zur Verfügung zu stellen.

In einem auf den 1. August datierten Schreiben, das der Redaktion vorliegt, an den damaligen Zoopräsidenten Reinhard Sliwka heißt es, dass die vertrauliche Zusammenarbeit″ mit Präsident und Präsidium seit fast zwei Jahren stark gelitten″ habe. Auslöser ist demnach wohl auch eine neue private Lebensplanung des Geschäftsführers, die zu unverschämten Äußerungen und Verhaltensweisen″ des Präsidiums geführt hätten. In diesem Kontext sei auch die fachliche Zusammenarbeit erheblich schwieriger geworden.Keine sachliche Lösung

Explizit nennt Busemann die vergiftete″ Diskussion um die privaten Wünsche einer Mitarbeiterin wie auch um die geplante Neuorganisation der wissenschaftlichen Führungsmannschaft nach dem Abschied des Zoodirektors Michael Böer in den Ruhestand im März kommenden Jahres, in die Präsident und Präsidium permanent eingebunden″ waren. Das Thema sei zu einem Spielball formaljuristischer Diskussionen″ geworden, die einer sachlichen Lösung entgegengestanden hätten.

Ein Geschäftsführer, der seine Führungsmannschaft nicht eigenständig organisieren und führen kann, ist zum Scheitern verurteilt″, heißt es in dem Schreiben. Ich biete deshalb an, die Geschäftsführung im Zoo niederzulegen.″ Mit dem Aufsichtsrat der Zoo gGmbH könne die unbefriegende Situation noch vor deiner von dir angestrebten Wiederwahl als Präsident aufgelöst″ werden, heißt es in dem Schreiben weiter. Es folgt ein Gesprächsangebot und die Ankündigung Busemanns, keinerlei Schritte zu unternehmen, die dem Ansehen des Zoos oder der Person Reinhard Sliwkas in der Öffentlichkeit schaden könnten. Auf sein Gesprächsangebot habe er weder vom Präsidium noch vom Aufsichtsrat eine Reaktion bekommen, so Busemann auf Nachfrage.

Das sei auch nicht notwendig gewesen, hält Sliwka dagegen. Wir haben am 6. August im Aufsichtsrat in der Sache im Sinne von Herrn Busemann entschieden.″ Deshalb sei das Thema Rücktritt von der Geschäftsführung″ nie diskutiert worden. Dass dieses Thema nun hochkoche, empfinde er als Nachkarten″. Ich bin abgewählt. Das habe ich akzeptiert″, so Sliwka. Busemann relativiert Sliwkas Aussage: Entschieden worden sei nur die Personalie der Mitarbeiterin. Die Neustrukturierung sei auf eine Aufsichtsratssitzung im Oktober vertagt worden.

Fritz Brickwedde, seit Mittwoch vergangener Woche neuer Zoopräsident, hatte als Vorsitzender des Zoobeirates Kenntnis von dem Ansinnen des Geschäftsführers. Ich habe mich als Vermittler im Interesse des Zoos verstanden. Ich wollte beide in ihren Positionen halten.″ Noch Ende Juli habe ein mehrstündiges Gespräch mit Busemann und Sliwka stattgefunden, das am Anfang angespannt gewesen sei, an dessen Ende aber in allen Punkten tragfähige und für Präsident und Geschäftsführer akzeptable Kompromisse gefunden″ worden seien. Noch zu diesem Zeitpunkt habe er nicht im Traum daran gedacht, jemals Zoopräsident zu werden″. Am Abend der Mitgliederversammlung habe er nach der Wahlniederlage von Reinhard Sliwka Claudia Haarmann, Mitglied des Präsidiums, gefragt, ob er sie als Präsidentin vorschlagen dürfe. Sie hat das zu meinem Bedauern abgelehnt.″Thema im Rat

Am kommenden Dienstag steht die Beteiligung der Stadt an der Zoo Osnabrück gGmbH auf der Tagesordnung. Es geht um die Aufstockung des städtischen Anteils von fünf auf 25 Prozent. Der Rat hatte bereits im Juni einen Grundsatzbeschluss in der Sache gefasst und sich mit großer Mehrheit für die Übernahme weiterer Anteile und einer damit verbundenen Förderung des Zoos in Höhe von zwei Millionen Euro, verteilt auf die Jahre 2020 bis 2023, ausgesprochen. Allerdings machten die Grünen in der letzten Finanzausschusssitzung am Dienstag vergangener Woche, also noch vor der Mitgliederversammlung, noch ein Fragezeichen hinter ihre endgültige Zustimmung, da ihnen noch die entsprechenden Wirtschaftsdaten aus dem Zoo fehlten.

Die dann aufgekommenen Differenzen hätten zu Unruhe und Irritationen auch bei uns″ geführt, sagen der Fraktionsvorsitzende Volker Bajus und Michael Hagedorn. Der Vorgang wirft leider auch Schatten auf die anstehende Entscheidung, ob sich die Stadt stärker beim Zoo engagieren soll. Der Rücktritt der anderen Präsidiumsmitglieder zeigt, die Führungsstrukturen im Zoo sind nicht geklärt. Angesichts der Führungskrise sollte die Entscheidung im Rat zurückgestellt werden.″ Die Amtszeit Sliwkas sei nicht nur erfolgreich für den Zoo gewesen, sondern habe zudem für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Politik gestanden. Kritisch äußern sich die Grünen zum neuen Amt Brickweddes. Der neue Präsident muss sich fragen lassen, ob er noch die nötige Distanz hat, um als Fraktionsvorsitzender der CDU im Rat die Interessen der Stadt zu vertreten.″

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, kraft Amtes Mitglied des Aufsichtsrates der Zoo gGmbH, möchte den Blick nun in die Zukunft gelenkt wissen. Wir sollten auf jeden Fall aufpassen, dass der gute Ruf des Zoos wegen dieser Vereinsquerelen nicht geschädigt wird.″ Man habe spüren können, dass es Missstimmungen gegeben habe. Jetzt aber müsse schnell wieder Ruhe einkehren.

Bildtext:
Wie tief die Ereignisse die Verantwortlichen im Osnabrücker Zoo gespalten haben, bezeugt ein Rücktrittsgesuch von Geschäftsführer Andreas Busemann.
Foto:
David Ebener

Kommentar
Zum Wohle des Zoos

Konflikte unter den Mitgliedern der Zoogesellschaft sind nicht neu. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den Unterirdischen Zoo. Auch 2004 rumorte es gewaltig auf dem Schölerberg. Der Unterschied: Damals zogen Andreas Busemann und Reinhard Sliwka noch an einem Strang.

Viele Mitglieder sahen im Bau des Unterirdischen Zoos ein viel zu großes finanzielles Risiko. Das war falsch. Die Verbindung zwischen Zoo und Museum war der Grundstein für den Erfolg der folgenden Jahre. Der Unterirdische Zoo besteht heute noch, die Verbindung zwischen Busemann und Sliwka aber ist abgerissen.

Wie damals hat auch in diesem Jahr die Mitgliederversammlung entschieden zum Wohle des Zoos. Die Mehrheit wollte die Erfolge der vergangenen Jahre nicht aufs Spiel setzen. Sie hat sich für einen Neuanfang entschieden, mit dem Geschäftsführer und gegen den Präsidenten. Reinhard Sliwka hat das Ergebnis akzeptiert. Das ehrt ihn.

Ebenso ehrt es den Geschäftsführer, dass er die Zuspitzung des Konflikts bereits im Vorfeld durch sein Rücktrittsangebot vermeiden wollte. Dass es letztendlich nicht zu diesem Rücktritt gekommen ist, ist allerdings die bessere Alternative. Mit Busemann hätte der Zoo den Motor verloren, der ihn in den vergangenen Jahren ohne nennenswerte Zuschüsse in die Erste Liga gebracht hat. Davon profitieren vor allem die Tiere, aber auch die Mitarbeiter, die sich über einen sicheren Arbeitsplatz freuen. Mit einem neuen Präsidium besteht nun die Chance, diese Zooentwicklung erfolgreich weiter voranzutreiben.

Fritz Brickwedde ist in allerhöchster Not eingesprungen, wohl wissend, dass dieses Ehrenamt auch durch seine Mitgliedschaft im Rat als CDU-Fraktionsvorsitzender kein leichtes wird. Brickwedde wird diesen Konflikt zu lösen wissen. Daraus ein Politikum zu konstruieren würde dem Zoo weiteren Schaden zufügen. Der Zoo ist als touristischer Magnet für die gesamte Region zu wichtig, als dass er durch Vereinsquerelen in Mitleidenschaft gezogen werden dürfte. d.kroeger@ noz.de
Autor:
Dietmar Kröger


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