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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Das Gerangel um die neuen Mitglieder
 
Es bebt noch immer auf dem Schölerberg
Zwischenüberschrift:
Diskussion über Zoogesellschaft: Wo kamen die neuen Mitglieder her, und welche Rolle spielten sie?
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Es grummelt weiter auf dem Schölerberg. Vor allem die auf der Jahreshauptversamlung am vergangenen Mittwoch erschienenen neuen Vereinsmitglieder beschäftigen die Beteiligten und die Öffentlichkeit. Für die Neuen war nicht nachvollziehbar, warum sie zunächst nicht an den Abstimmungen, unter anderem der Wahl des Zoopräsidenten, teilnehmen sollten. Auch im Vorfeld der Versammlung hatte es offensichtlich schon Probleme im Zusammenhang mit den Neumitgliedern gegeben, unter denen wohl auch eine Zoomitarbeiterin zu leiden hatte. Sowohl der Inhaber der Firma, die Mitgliedschaften verschenkt hatte, als auch das ebenfalls neu eingetretene Mitglied Michael Wendt, der an diesem denkwürdigen Abend zum Schatzmeister gewählte wurde, haben sich jetzt geäußert.

Osnabrück Willkommenskultur sieht anders aus″, dürften sich die neuen Mitglieder der Zoogesellschaft am Mittwoch vergangener Woche gedacht haben, als sie urplötzlich zum Gegenstand der Missstimmungen zwischen Zoo-Geschäftsführung und Präsidium wurden. Die Fragen nach den Abläufen in der Zoogesellschaft beschäftigen die Osnabrücker weiter.

Immerhin hatten sich in den Wochen vor der Versammlung 52 neue Mitglieder angemeldet. Darunter auch Ehepaare, die damit zwei Stimmen in der Jahreshauptversammlung auf sich vereinigten. Ex-Zoo-Präsident Sliwka hat ausgerechnet, dass sich daraus 67 Stimmen ergeben hätten, die an den Wahlen unter anderem zum Zoo-Präsidenten teilnehmen durften. Sliwka legt Wert auf die Feststellung, dass die Wahl bei Wegfall dieser Stimmen anders hätte ausgehen, das heißt die Versammlung sich auch für sein Verbleiben im Amt hätte aussprechen können. Allerdings, so räumt Sliwka ein, könne er natürlich nicht nachvollziehen, wer von Alt- oder Neumitgliedern wie abgestimmt habe, da es sich ja um eine geheime Wahl gehandelt habe.

Das Präsidium hatte noch am Abend der Versammlung zunächst versucht, die neuen Mitglieder von der Wahl fernzuhalten, indem ihnen bei der Einlasskontrolle keine Stimmkarten gegeben wurden. Mit Erstaunen wurde quittiert, dass das Präsidium der Zoogesellschaft vor der Einlasskontrolle die eigentlich dafür vorgesehenen Mitarbeiter des Zoos abzog und die frei gewordenen Stühle mit Vereinsmitgliedern besetzte. In der anschließenden Diskussion, die unter Hinzuziehung eines Rechtsanwaltes geführt wurde, erteilte das Präsidium den Neumitgliedern letztendlich doch das Stimmrecht. Sliwka hatte in der Versammlung auch beklagt, dass er nicht in der die Wahl vorbereitenden Sitzung des Präsidiums über die Neuzugänge informiert worden sei. Das sei in den 22 Jahren seiner Tätigkeit im Zoo noch nie der Fall gewesen, entgegnete Zoo-Geschäftsführer Andreas Busemann an gleicher Stelle.

Unter Druck gesetzt?

Dass er eine Mitarbeiterin des Zoos in diesem Kontext unter Druck gesetzt und mit juristischen Schritten gedroht habe, weist Sliwka von sich. Er habe im Zusammenhang mit dem Aufnahmevorgang und der Einladung zur Jahreshauptversammlung lediglich auf mögliche rechtliche Probleme hingewiesen. Dem steht die Aussage der Betriebsratsvorsitzenden Sabine Springmeier gegenüber, die bestätigt, dass der Mitarbeiterin Verfehlungen vorgeworfen wurden und auch mit der Staatsanwaltschaft″ gedroht worden sei. Die Mitarbeiterin sei den Tränen nah″ gewesen. Zoo-Geschäftsführer Andreas Busemann bestätigt auf Nachfrage, dass die Mitarbeiterin stark verunsichert gewesen sei und gebeten habe, von einem Einsatz am Abend der Mitgliederversammlung befreit zu werden. Diesem Wunsch sei er nachgekommen.

Wo aber kamen denn nun die neuen Mitglieder und ihre Stimmen her? Zu einem großen Teil von der Firma Fotovip, die im Eingangsbereich den Zoobesuchern anbietet, Erinnerungsfotos zu machen. Die Firma Fotovip ist unter anderem auch im Allwetterzoo Münster und im Tier- und Freizeitpark Thüle vertreten. Ein weiteres Standbein des Unternehmens sind die Kindergarten- und Schulfotografie. Geschäftsführer Önder Al hat die Mitgliedschaften in der Zoogesellschaft anlässlich seines zehnjährigen Firmenjubiläums an Mitarbeiter, Geschäftspartner und Freunde verschenkt, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion mitteilt. Warum Mitgliedschaften? Hätten es nicht auch Jahreskarten getan? Er habe dem Zoo und vor allem dessen verstorbenen Ehrenpräsidenten Reinhard Coppenrath sehr viel zu verdanken, so Al. Ohne Reinhard Coppenrath wären wir heute nicht da, wo wir sind.″ Coppenrath sei für ihn schon sehr lange ein väterlicher Freund gewesen. Er und seine gesamte Familie seien schon zu Reinhard Coppenraths Zeiten als Präsident Mitglieder der Zoogesellschaft geworden. So habe sich auch die geschäftliche Partnerschaft mit dem Zoo entwickelt.

Chaotische Versammlung

Aus ebendieser Verbundenheit und Freundschaft heraus habe er sich für die Mitgliedschaften entschieden. Al macht aber zugleich auch keinen Hehl daraus, dass ihn die jüngsten Entwicklungen im Zoo beunruhigt haben. Für ihn gehe es nicht um den Geschäftsführer oder um den Zoopräsidenten. Hier geht es um den Zoo.″ Er habe sowohl zu Andreas Busemann als auch zu Reinhard Sliwka ein gutes Verhältnis. Aber, und das gelte für sein Unternehmen wie auch die anderen Pächter und Geschäftspartner des Zoos, es gehe auch um wirtschaftliche Aspekte. Der Zoo Osnabrück spielt nicht mehr in der Regionalliga″, so seine Sicht der Dinge, die Zahlen sprechen für sich.″ Mit etwa einer Million Besuchern sei der Zoo Osnabrück ein starker Geschäftspartner. Er wolle seinen Beitrag dazu leisten, dass diese positive Entwicklung in der Zukunft fortgesetzt werden könne.

Ein weiteres neues Mitglied aus der Zahl der 52 ist Michael Wendt, der am Abend der so chaotisch verlaufenen Mitgliederversammlung zum neuen Schatzmeister der Zoogesellschaft gewählt wurde. Wendt ist dem Zoo schon seit mehreren Jahren als Sponsor verbunden. Der Mitgliedsantrag habe schon länger auf seinem Schreibtisch gelegen so Wendt, dass er ihn nun gerade zu dieser Versammlung ausgefüllt habe, sei eher dem Zufall als einer wie auch immer gearteten Absicht geschuldet. Mit Kompetenzgerangel, Missgunst und Egoismus kann ich nichts anfangen″, sagt Wendt, der mit seiner Familie nach eigenem Bekunden seit seiner Jugend im Tierschutz engagiert ist. Als langjähriger Sponsor hat Wendt vor etwa einem Jahr den Sponsorenbeirat des Zoos mitgegründet. Wir haben uns überlegt, was wir tun können, um die Sponsoren noch mehr an den Verein und den Zoo zu binden″, so Wendt. In keinster Weise gehe es darum, Einfluss auf die Geschäftsführung zu nehmen. Wir müssen uns ab sofort wieder an der eigentlichen Sache orientieren″, fordert Wendt. Das seien die Tiere und vor allem auch die Mitarbeiter des Zoos. Zwar müsse aufgearbeitet werden, was zu den Vorkommnissen geführt habe, gleichzeitig müsse aber der Blick nach vorne gerichtet werden.

Bildtext:
So grün, wie sich der Zoo von oben präsentiert, waren sich die Zoogesellschaftsmitglieder nicht.
Foto:
David Ebener

Kommentar
Der Dreck bleibt am Zoo hängen

Es ist so bitter: Was in den letzten 20 Jahren auf dem Schölerberg geleistet wurde, ist eine Erfolgsgeschichte die viele Väter und Mütter hat, ehrenamtliche und hauptamtliche. Aber anstatt diesen Erfolg zu genießen, treten sich die Beteiligten gegenseitig vor das Schienbein.

Was sollen diese spießigen Streitereien um Neumitglieder? Selbst wenn ihre Stimmen wahlentscheidend gewesen sind, so scheint es doch eher blauäugig anzunehmen, dass die Situation auf dem Schölerberg nicht auch ohne eine Mitgliederversammlung eskaliert wäre. Zu tief scheint der Graben zwischen Präsidium und Geschäftsführung.

Zu lange wurden im Zoo alle Probleme unter den Teppich gekehrt. In guter Absicht von allen Seiten, denn davon ist wohl auszugehen alle wollen nur das Beste für ihren Zoo.

Aber gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht. Der Schaden für den Osnabrücker Zoo ist jetzt da. d.kroeger@ noz.de
Autor:
Dietmar Kröger


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