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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Auch das ist der Schinkel
Zwischenüberschrift:
Nachbarschaftsfest im Osnabrücker Multikultiviertel
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Zuletzt hat der Osnabrücker Stadtteil Schinkel für viele Negativschlagzeilen gesorgt: Von Armutszuwanderung und Sozialmissbrauch war die Rede, von Müll, Ratten und Angsträumen. Wie sehen das die Menschen vor Ort? Und wie lässt sich das Viertel aus der Schmuddelecke holen? Wir haben uns umgehört auf einem Nachbarschaftsfest.

Hallo, ihr Nachbarn, wer seid ihr denn?″, ruft eine Frau und streckt die Hand über die reich bedeckte Kuchentheke zum Gruß. Das war auch so ziemlich die Frage, die sich Reinhard Krummen vor einiger Zeit stellte. Jetzt, am Samstagnachmittag, steht er am Ende einer langen Tafel und blickt sich zufrieden um. Etwa 80 Menschen sind gekommen, jeder hat einen Tisch und etwas Essen mitgebracht. Über dem Privatweg, der zwischen den Rückseiten der alten Eisenbahnerhäuser an Ost- und Scharnhorststraße verläuft, sind Girlanden und Luftballonketten gespannt. Die Sonne scheint, alle unterhalten sich angeregt, Kinder laufen umher und spielen so hat er sich das vorgestellt.

Krummen und seine Frau Ingrid Lambers sind vor sechs Jahren in den Schinkel gezogen. Es kennen sich fast alle vom Sehen″, sagt Krummen. Aber mit wem man da eigentlich Tür an Tür wohnt, wusste kaum jemand. Die Nachbarschaft ist bunt gemischt: Alteingesessene und Zugezogene, Mieter und Besitzer von Eigentumswohnungen, etliche Nationalitäten. Was sie verbindet, ist dieser Gang zwischen ihren Häusern. Der perfekte Ort für ein Kennenlernfest, fanden Krummen und Lambers. Sie nahmen Kontakt zu ihrem direkten Gegenüber auf, dem Ehepaar Ylbi und Valon Bajraktaraj. Und verteilten Handzettel an alle Anwohner, in denen sie zu ihrem Fest einluden. Nichts muss, alles kann″, fasst es Krummen zusammen. Fast alle sind gekommen.

Stefan Puls etwa. Er hat seine eigene Meinung über den Schinkel: Wir sind ein elitärer Stadtteil″, sagt er. Nicht im bürgerlichen Sinne – „ Abitur ist ein Fremdwort″ aber im praktischen: Hier leben Menschen, die können was. Hier wird Nachbarschaftshilfe großgeschrieben.″ Uthild Becker lebt fast ihr ganzes Leben vor Ort. Die 80-Jährige zeigt auf das gesellige Beisammensein und erklärt: Auch das ist der Schinkel.″

Die meisten sind nicht begeistert davon, wie ihr Viertel in letzter Zeit im Gerede war. Die Berichte waren ziemlich reißerisch″, findet Krummen. Alles werde auf die Problemecke Buersche Straße/ Schinkelstraße/ Venloer Straße reduziert. Und selbst da: Ich habe nie Männergruppen gesehen, die dauernd Alkohol trinken.″ Auch Valon Bajraktaraj hat nie von Problemen gehört.

Die Nachbarschaft ist allerdings eine etwas andere. Leben im Schinkeleck vor allem Bulgaren weitgehend unter sich, sagt Reinhard Krummen über Ost- und Scharnhorststraße: Hier ist jeder in der Minderheit.″

Die ethnische Mischung verhindert Abschottung und Ausgrenzung. Ingrid Lambers ist überzeugt, dass mit den Zuwanderern aus Osteuropa trotzdem gut auszukommen sei: Es geht ganz viel, wenn man mal mit denen redet. Das funktioniert immer, egal, woher sie kommen.″ Sprachbarrieren sind letztlich auch überwindbar.

In ihren Straßen wollen sie jedenfalls nicht zulassen, dass sie sich wieder alle auseinanderleben. Im nächsten Jahr soll es eine zweite Auflage des Gangfests geben. Es wurde auch Zeit. Antje Becker, die seit 57 Jahren vor Ort lebt, weiß noch, wann es das letzte Mal etwas in der Art gegeben hat: Das war vor über 30 Jahren.″ 1985.

Bildtexte:
Die bunteste Mischung, die man sich denken kann″: Gangfest im Schinkel am Samstagnachmittag.
Jeder trägt seinen Teil bei.
Das Gangfest soll nicht das letzte seiner Art gewesen sein.
Fotos:
André Havergo
Autor:
Raphael Steffen


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