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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Mehr Bäume, Wasser, Gründächer
Zwischenüberschrift:
So wollen CDU und Grüne Osnabrück vor dem Hitzekollaps bewahren
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die CDU und die Grünen überbieten sich mit Vorschlägen für ein besseres Stadtklima. Mehr Bäume sollen gepflanzt, Dächer begrünt und Wasserflächen angelegt werden. Um die Innenstadt vor der Überhitzung zu bewahren, verweisen beide Parteien auch auf die Bedeutung der grünen Finger als Kaltluftschneisen.

Am 25. September kommt das Thema in den Rat. Die Klimakrise hat Osnabrück erreicht″, schreiben die Ratsmitglieder Volker Bajus und Sebastian Bracke in einer Pressemitteilung der Grünen. Schnelles und entschlossenes Handeln sei nötig, um Osnabrück klimafit″ zu machen und um die Lebensqualität zu erhalten. Osnabrück erlebe zum zweiten Mal infolge den Klimawandel hautnah″, heißt es bei der CDU. Der Anblick dürregeschädigter Stadtbäume sei ein Trauerspiel, meint Ratsfrau Verena Kämmerling.

Die Grünen machen darauf aufmerksam, dass die anhaltende Dürre nicht nur den Bäumen schade, sondern auch den Menschen. Vor allem für Alte, Kinder und Vorerkrankte seien die hohen Temperaturen eine harte Gesundheitsbelastung. Im stark versiegelten Stadtzentrum werde es in manchen Sommernächten um bis zu sieben Grad heißer als im Umland. Aber nicht nur auf die Hitze müsse sich Osnabrück einstellen, meinen Bajus und Bracke, sondern auf große Schäden durch Starkregen und Hagelstürme, ebenfalls eine Folge der Erderwärmung.

Dass Extremereignisse wie lang anhaltende Hitzeperioden in Zukunft häufiger auftreten werden, hält auch die CDU für wahrscheinlich. Neben der Gesundheitsbelastung der Menschen und der eingeschränkten Lebensqualität für viele Menschen müsse mit wirtschaftlichen Einbußen gerechnet werden. Der Gebrauch von Klimaanlagen lasse den Stromverbrauch steigen, Starkregen zerstöre öffentliches und privates Eigentum, machen die Christdemokraten geltend.

Beide Fraktionen haben für die Ratssitzung umfangreiche Maßnahmenpakete eingebracht, die sich inhaltlich an vielen Stellen überschneiden. Das sind die wichtigsten Punkte:

Bäume pflanzen: Der Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) soll nach dem Willen der CDU zusätzliche Mittel in Höhe von 100 000 Euro bekommen für weitere Anpflanzungen in der Stadt und um geschädigte Bäume in stadteigenen Waldflächen austauschen zu können. Bei Neuanpflanzungen in Wohngebieten sollen verschiedene Baumarten verwendet werden, um einerseits die Artenvielfalt zu erhöhen und andererseits die Klimaresilienz der Grünanlagen zu stärken″. Ratsfrau Verena Kämmerling spricht von einem Umbau des Stadtgrüns″. Dabei sollte auch die Verwendung nichtheimischer Baumarten geprüft werden, wie zum Beispiel des Französischen Ahorns oder der Hopfen-Buche. Um die Bewässerung des kostbaren Stadtgrüns zu sichern, soll die Stadt Regenwasserspeicherung fördern, fordern die Grünen. Mit Rücksicht auf die sinkenden Grundwasserpegel müssten mehr Reserven geschaffen werden. Auch eine Baumschutzsatzung sei sinnvoll, meint der Fraktionsvorsitzende Volker Bajus.

Gründächer: Beide Fraktionen wollen zusätzliche Mittel für das bereits laufende Dachbegrünungsprogramm bereitstellen und zum Teil auch über Gebührennachlässe Anreize schaffen, Flachdächer zu bepflanzen. Städtische Gebäude sollen mit Fassaden- und Dachgrün ausgestattet, Schulhöfe und Plätze von Beton befreit werden. Weitgehend schattenlose Betonwüsten wie am Rosenplatz seien nicht zukunftsfähig. So etwas dürfe am Neumarkt nicht wieder passieren, meint der Grüne Sebastian Bracke. Ähnlich sieht es die CDU: Bei der Neugestaltung städtischer Plätze wie des Ledenhofs sei vorrangig darauf zu achten, einen möglichst hohen Grün- und Baumanteil vorzusehen.

Wasserflächen: Die CDU will mit offenen Wasserflächen auf städtischen Flächen das Mikroklima verbessern. Auch Trinkwasserbrunnen werden als möglicher Beitrag genannt, um Stadtbewohnern an heißen Tagen den Aufenthalt im Freien zu erleichtern.

Freiflächen: Übereinstimmend fordern beide Fraktionen, die grünen Finger zu erhalten, weil sie als Kaltluftleitbahnen eine wichtige Funktion für das Klima der Innenstadt besäßen. Auch als natürliche Regenwasserspeicher und Überflutungsflächen komme ihnen große Bedeutung zu.

Schutz vor Starkregen: Auf extreme Niederschläge sind wir schlecht vorbereitet″, merken die Grünen an. Starkregen wie im August 2010 oder 2014 in Münster verursachten Millionenschäden. Ratsherr Bracke spricht sich deshalb für Versickerungsflächen und Regenrückhaltungsbecken aus, die nicht nur den Ablauf puffern, sondern auch die Grundwasserneubildung unterstützen. Die CDU will prüfen lassen, ob zusätzliche Retentionsflächen und Regenrückhaltebecken notwendig sind.

Ökologisches Bauen: Die Standards der ökologischen Bauleitplanung sollen nach dem Willen der CDU konsequent angewendet und regelmäßig evaluiert werden. Die Grünen regen ein Musterbaugebiet an, das zu 100 Prozent klimaneutral und vollständig klimaangepasst ist.

Bildtexte:
Stadtbäume sorgen für ein angenehmeres Mikroklima auch in hochgradig versiegelten Quartieren. Aber die Dürre hat auch ihnen stark zugesetzt.
Dachbegrünungen sollen helfen, das Klima in der Stadt zu verbessern.
Fotos:
Martens

Kommentar
CDU muss Farbe bekennen

Es ist schon bemerkenswert, mit welchem Elan sich die Osnabrücker CDU neuerdings für den Klimaschutz einsetzt. Stadtklima neu denken″ fordern die Christdemokraten, und das klingt wie die Ansage, den Grünen die Butter vom Brot nehmen zu wollen. Gut möglich, dass die CDU mit dieser Programmatik punkten kann. Was aber, wenn es um konkrete Politik geht, ums Entweder-oder? Dann erst wird sich zeigen, wie die Fraktion wirklich zum Klimaschutz steht. Dass sich nicht nur eine Partei für ökologische Fragen erwärmt, kann der Sache nur guttun. Bei der CDU stand Umweltpolitik lange Zeit nicht sehr hoch im Kurs, weil ein starker Wirtschaftsflügel die alles beherrschenden Wachstumsziele in Gefahr sah. Bis heute fällt es schwer, Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bringen. Nachhaltiges Wirtschaften bleibt die große Herausforderung, auch auf lokaler Ebene.

Gegenüber diesen Themen hat sich CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde als ehemaliger Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umweltschutz offener gezeigt als die meisten seiner Parteifreunde. Jüngere Mitglieder aus seiner Fraktion sehen im Klimaschutz ohnehin eine Zukunftsaufgabe. Spannend wird es jedoch, wenn demnächst die harten Themen auf den Tisch kommen. Zum Beispiel das Gewerbegebiet am Eselspatt. Dann muss die CDU Farbe bekennen, ob sie wirklich die grünen Finger erhalten will. rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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