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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zoff im Zoo: Wie geht es jetzt weiter?
Zwischenüberschrift:
Geschäftsführung und Präsidium streiten um Kompetenzen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Viele Mitglieder der Zoogesellschaft haben ihre Jahreshauptversammlung mit einem großen Fragezeichen verlassen. Was war an diesem Abend wirklich passiert? Wo liegen die Gründe für die Auseinandersetzung zwischen Präsident, Präsidium und Geschäftsführung des Zoos? Und wie wird es weitergehen?

Der desaströse Abend in Fakten: Die Mitglieder verweigerten Zoopräsident Reinhard Sliwka die Gefolgschaft und wählten in einem zweiten Wahlgang Fritz Brickwedde zu seinem Nachfolger. Die Zoogesellschaft verzeichnete an diesem Abend 52 neue Mitglieder, die in den vergangenen Wochen eingetreten waren. Mit Michael Wendt wurde eines der 52 neuen Mitglieder zum Schatzmeister der Zoogesellschaft gewählt. Das gesamte Präsidium trat nach der Abwahl Sliwkas zurück. In einer außerordentlichen Sitzung werden die Stühle demnächst aufgefüllt werden müssen.

Die Hintergründe: Der Dissens zwischen Präsidium und Geschäftsführung schwelt seit etwa zwei Jahren. Seinen Höhepunkt erreichte er in den vergangenen Wochen. Gegenstand waren nach übereinstimmenden Aussagen Sliwkas und des Zoogeschäftsführers Andreas Busemann unterschiedliche Auffassungen über die Kompetenzen des Geschäftsführers vor allem in Personalfragen. Zum einen will eine leitende Mitarbeiterin ihre Arbeitszeit reduzieren und für die Mitarbeit an einem sozialen Projekt für zehn Monate nach Bali reisen. Teile ihre Aufgaben wird sie von dort aus weiterführen, was der Geschäftsführer befürwortete unter der Maßgabe, das die Führungsaufgaben in Osnabrück bleiben. Während der zehnmonatigen Abwesenheit spart der Zoo die entsprechenden Personal kosten. Das Präsidium lehnte dies zunächst ab, letztendlich habe der Aufsichtsrat der gGmbH aber zugestimmt, so Sliwka. Zum anderen geht es um die Neuaufstellung vor allem der zoologischen Führung des Zoos nachdem der derzeitige Zoodirektor Michael Böer Ende März kommenden Jahres in den Ruhestand gegangen ist.

Zu den Personalien: Nach Ansicht des Geschäftsführers sind die Kompetenzen in Fragen der personellen Strukturen des Zoos in den entsprechenden Gesellschafts- und Arbeitsverträgen eindeutig geregelt. Vor allem in der Sache Arbeitszeitreduzierung″ gibt es nach Aussagen Busemanns keine offenen Zuständigkeitsfragen. Dies liege eindeutig beim Geschäftsführer. Selbiges gelte auch für die personelle Neuaufstellung des Zoos nach dem Abgang des Zoodirektors in den Ruhestand.

Das Modell der Geschäftsführung: Die zoologische Leitung übernimmt ein vierköpfiges Team aus den Zookuratoren und den Tierärzten. Angelegt sein sollte dieses Modell für eine zweijährige Probezeit. Vorstellbar ist laut Busemann, dass die Kuratoren dann in den Rang eines Direktors aufrücken. Der Titel des Zoodirektors soll in keinem Fall auf den Geschäftsführer übergehen. Dieser Vorschlag der Geschäftsführung hat eine Vorgeschichte: Zoodirektor Michael Böer ist innerhalb der Belegschaft vor allem aufgrund personeller Führungsschwächen nicht akzeptiert. Sowohl Geschäftsführung als auch der Betriebsrat bestätigen, dass das für die Zeit nach Böers Abschied angedachte Modell de facto schon seit etwa eineinhalb Jahren erfolgreich praktiziert wird. Wir sind von Herrn Böer fachlich und menschlich sehr enttäuscht″, sagt die Betriebsratsvorsitzende Sabine Springmeier. Die Zusammenarbeit mit dem jungen Führungsteam sei außerordentlich gut. Herr Böer habe sich eine Weiterbeschäftigung über den Eintritt in den Ruhestand hinaus als Berater des Zoos gewünscht. Diese Lösung hätten wir auf keinen Fall mitgetragen″, sagt Springmeier. Wir sind als Betriebsrat von der Geschäftsführung, mit der wir jederzeit sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten, in alle Überlegungen einbezogen worden.″ Dies gelte nach ihrem Wissensstand auch für das Zoopräsidium und den Aufsichtsrat. Springmeier wehrt sich im Gespräch mit unserer Redaktion vehement gegen den auf der Mitgliederversammlung laut gewordenen Vorwurf, die Belegschaft werde von der Geschäftsführung unter Druck gesetzt. Davon könne nicht im Geringsten die Rede sein.

Mit der Teamlösung solle der unheimlich engagierte Einsatz″, den die betreffenden Mitarbeiter während der De-facto-Vakanz der Direktorenstelle geleistet hätten, honoriert werden, so Busemann. Einen einzelnen aus dem Team herauszuschälen und in die Funktion des Zoodirektors zu stellen wäre den anderen Teammitgliedern nicht gerecht geworden. Die neue Struktur werde von einem externen Berater unterstützt, der die Arbeit auch in den zwei Jahren des Versuchs begleiten werde. Sollte sich das Modell nicht bewähren, können wir immer noch einen Zoodirektor einstellen.″

Und Zoodirektor Michael Böer? Zu den Vorwürfen möchte sich der Zoodirektor nicht äußern. Er werde dem Zoo allerdings jetzt nicht mehr zur Verfügung stehen. Was in Zukunft vorgesehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.″ Er halte die Funktion eines Zoodirektors für wichtig für die zoologische und wissenschaftliche Arbeit, die in einem Zoo geleistet werden müsse.

Und was sagt das ehemalige Präsidium zur Causa Böer? Reinhard Sliwka räumt ein, dass er das Modell nicht aus tiefster Überzeugung getragen habe, dass Präsidium und Aufsichtsrat den Weg aber hätten mitgehen wollen. Laut Busemann ist dieser Weg auch während einer Präsidiumssitzung im Juni gutgeheißen worden. Hier scheinen allerdings die Erinnerungen auch innerhalb des Präsidiums unterschiedlich zu sein. Der ehemalige Schatzmeister der Zoogesellschaft, Wolfgang Schenk, sagt heute, dass Präsidium sei insgesamt nicht überzeugt gewesen. Uns ist bewusst, dass dies ein absolutes Streithema ist.″ Eine klare Positionierung habe es nicht gegeben.

Der permanente Eingriff in das operative Geschäft durch Präsidium und Aufsichtsrat, in erster Linie vertreten durch Reinhard Sliwka, habe nicht nur seine Arbeit auf dem Schölerberg behindert, sondern auch seine Position als Geschäftsführer vor allem gegenüber den Mitarbeitern immer wieder in Frage gestellt, so Busemann. Er selbst habe jederzeit beide Gremien in seine Überlegungen und Planungen einbezogen.

Offenbar hat es mehrere Versuche gegeben, die immer weiter eskalierende Situation zu entschärfen. An dieser Stelle kommt der neue Zoo-Präsident Fritz Brickwedde ins Spiel, der die Rolle des Mediators im Konflikt zwischen Präsident und Geschäftsführer übernommen hat. Es habe in diesen Gesprächen, sowohl in der Neustrukturierung als auch in dem Fall der Arbeitzeitverkürzung, jeweils einen Konsens zwischen Busemann und Sliwka gegeben. Wir sind uns immer in allen Punkten einig geworden″, so Brickwedde. Offensichtlich habe Sliwka sich dann aber im Präsidium nicht durchsetzen können.

Was noch kommt: War es das dann denn jetzt? Wohl kaum. Zu viele Fragen sind noch offen. Zum Beispiel die nach dem Streit um die Stimmberechtigung neuer Mitglieder und warum in diesem Zusammenhang die sonst für die Einlasskontrollen eingesetzten Mitarbeiter aus der Zooverwaltung durch Mitglieder der Zoogesellschaft ersetzt wurden, unter anderem durch die Frau des zu diesem Zeitpunkt noch amtierenden Präsidenten, Maria Theresia Sliwka.

Bildtext:
Der Haussegen hängt im Zoo nach der verkorksten Mitgliederversammlung schief.
Foto:
David Ebener

Die Zoogesellschaft Osnabrück

1935 wurde der Zoo Osnabrück vom Verein Heimattiergarten Osnabrück gegründet. Aus diesem wurde später die Zoogesellschaft Osnabrück e.V.

Der Verein hat heute etwa 2000 Mitglieder. Im Jahr 2012 wurde die Zoogesellschaft in eine gemeinnützige GmbH überführt, an der der Verein mit derzeit 95 Prozent beteiligt ist und die Stadt Osnabrück mit fünf Prozent. Der Verein hat ein fünfköpfiges Präsidium mit einem Präsidenten als Vorsitzendem. Die Präsidiumsmitglieder stellen zugleich den Aufsichtsrat der gGmbH, der durch den Oberbürgermeister und den Finanzvorstand der Stadt, derzeit Wolfgang Griesert und Thomas Fillep, als Vertreter der Stadt ergänzt wird.
Autor:
Dietmar Kröger


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