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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
In Riga warteten die Mörder
Zwischenüberschrift:
Die Nationalsozialisten ermordeten die Osnabrücker Bernhard, Pepei, Helene und Cäcilie Münz
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Die Nationalsozialisten rissen die jüdische Familie Münz auseinander. Ein junger Mann emigrierte schon 1934 nach Palästina und kehrte nach dem Krieg zurück. Ein weiterer schaffte es 1939 gerade noch rechtzeitig, nach England zu emigrieren, ein dritter versteckte sich in einem kleinen Dorf in Belgien. Doch Bernhard Münz, seine Frau Pepei sowie ihre Kinder Helene und Cäcilie von der Turnerstraße 5 wurden verschleppt und ermordet. Jetzt erinnern Stolpersteine an die Opfer des Rassenwahns.
Gerrit Rasch, einer der Paten, hatte eine Liste mit den Namen der weitverzweigten Familie Münz mit zur Verlegung der Stolpersteine gebracht. Sie war um das Jahr 1900 herum vom früheren polnischen und späteren ukrainischen Galizien nach Osnabrück gezogen. Bernhard Münz war Unternehmer. Er betrieb in der Turnerstraße die Firma J. Münz & Söhne″, einen Großhandel für Rohprodukte.
Nachdem die Nationalsozialisten 1933 die Macht ergriffen hatten, begannen sie nach und nach, die Juden in die Enge zu treiben. Hasserfüllte Propaganda gegen sie war der erste Schritt auf dem Weg zum Massenmord. Einige der Eskalationsstufen dazwischen waren 1938 zwei Verordnungen: eine zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben″ und eine weitere über den Einsatz des jüdischen Vermögens″. In ganz Deutschland wurden Judenaus ihren Geschäften vertrieben und enteignet, sie mussten ihre Wohnungen verlassen und unter Zwang in sogenannte Judenhäuser ziehen.
So erging es auch Bernhard, Pepei, Helene und Cäcilie Münz. Von April 1939 bis Dezember 1941 lebten sie im Judenhaus″ an der Seminarstraße 31. Dann wurden sie mit 480 weiteren Juden erst in die Turnhalle der Pottgrabenschule gebracht. Am 13. Dezember trieben Nationalsozialisten sie in einen Sonderzug, in dem sich bereits 400 Juden aus Münster befanden. In Bielefeld kamen noch weitere 420 Menschen dazu. Sie alle sollten ins Konzentrationslager Riga verschleppt werden. Während der drei bis vier Tage dauernden Fahrt gab es für sie weder zu essen noch zu trinken.
Einer der Überlebenden, der Osnabrücker Ewald Aul, berichtete später über den Bielefelder Transport: In Skivotava jagte uns die SS mit schweren Stöcken und Eisenstangen aus den Waggons und den langen, beschwerlichen Weg nach Riga vor sichher.″ Es ist überliefert, dass die meisten Juden dieses Transports in einem Wald erschossen wurden. Wann Bernhard, Pepei, Helene und Cäcilie Münz ermordet wurden, ist nicht bekannt.
Einige Überlebende der Familie Münz kamen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder nach Osnabrück, um sich hier erneut nieder zulassen. Nun erinnern die Stolpersteine an vier ihrer ermordeten Vorfahren.

Bildtext:
Die jüdische Familie Münz war zuletzt an der Turnerstraße 5 im Stadtteil Westerberg zu Hause.
Fotos:
Jörn Martens

Stolpersteine
Messingtafeln in den Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Verfolgten und oftmals Ermordeten. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts. Paten der Stolpersteine an der Turnerstraße 5 sind Gerrit Rasch für Bernhard und Pepei Münz, Joachim Kruse und Marianne Bayerl-Kruse für Helene Münz, und Fritz Sauvlet für Cäcilie Münz. Das städtische Büro für Friedenskultur nimmt für künftige Recherchen gern Hinweise über das Schicksal von weiteren Opfern des nationalsozialistischen Regimes entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 323-22 87. Die nächsten Stolpersteine werden voraussichtlich am Mittwoch, 22.Juni, verlegt.
Autor:
Jann Weber


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