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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bombe gesprengt – Wer zahlt?
 
Bombe kontrolliert gesprengt: Wer zahlt?
Zwischenüberschrift:
Streit um Schäden an Nachbargebäuden / Landgericht lässt Grundstückseigentümer unbehelligt
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück In Atter rummste es mächtig, als auf dem Gelände der ehemaligen Landwehrkaserne eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert gesprengt wurde. Das war im Februar 2018, und die Anwohner reagierten mit Unverständnis und Empörung, als sie Risse in den Wänden, zerborstene Fensterscheiben und andere Schäden an ihren Häusern feststellten. Einer dieser Fälle kam jetzt vor die Zivilkammer des Landgerichts. Die Gebäudeversicherung, die den Schaden für einen Nachbarn beglichen hatte, wollte sich das Geld von der Stadtwerke-Tochter ESOS zurückholen. Auf deren Grundstück war die Bombe nämlich entdeckt und unschädlich gemacht worden. Das Landgericht hat jetzt entschieden, dass die Grundstücksgesellschaft nicht zahlen muss. Aber wer dann?

Osnabrück Wer muss zahlen, wenn bei der kontrollierten Sprengung einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg Gebäudeschäden entstehen? Ein Fall, der sich vor anderthalb Jahren in Osnabrück ereignet hat, kam jetzt vor das Landgericht. Die Zivilkammer entschied, dass der Eigentümer des Grundstücks nicht die Kosten tragen muss.

In Atter gab es einen mächtigen Rumms, als Sprengmeister Hans Mohr am späten Abend des 19. Februar 2018 den Fünf-Zentner-Blindgänger im Landwehrviertel hochgehen ließ. Erst am nächsten Morgen wurde sichtbar, was mit den nächstgelegenen Gebäuden in der Strothesiedlung geschehen war. Versicherung tritt ein

Wände hatten Risse bekommen, Fensterscheiben waren zerborsten, überall lagen Scherben herum. Der Druck der Explosion hatte sogar Jalousien auseinandergerissen. Anwohner reagierten mit Unverständnis und Empörung auf die Zerstörungen, ohne sich allerdings bewusst zu machen, dass es bei einer unkontrollierten Detonation der Bombe vielleicht auch Tote und Verletzte gegeben hätte.

Mindestens einer der Geschädigten hatte Glück, dass seine Gebäudeversicherung den Schaden übernahm und damit in Vorleistung trat. Es ging um etwas mehr als 5000 Euro, die sich die Versicherungsgesellschaft von der Stadtwerke-Tochter Esos zurückholen wollte. Ihr gehört das Grundstück, auf dem die Bombe jahrzehntelang unbemerkt gelegen hatte.

Weil die Esos die Übernahme der Kosten ablehnte, kam die Sache vor das Landgericht Osnabrück. Dabei machte die Stadtwerke-Tochter geltend, sie habe es nicht zu verantworten, dass die Bombe auf ihrem Grundstück gelegen habe. Außerdem habe sie die Sprengung nicht angeordnet, sei aber verpflichtet gewesen, die Entscheidung des Kampfmittelräumdienstes hinzunehmen.

Die 6. Zivilkammer hat nun in ihrem Urteil der beklagten Entwicklungsgesellschaft Esos recht gegeben, wie die Pressestelle des Landgerichts mitteilt. Ein Ausgleichsanspruch unter Nachbarn setze voraus, dass einem Eigentümer die von seinem Grundstück ausgehende Störung zugerechnet werden könne.

Das gelte in zwei Fällen: entweder weil der Grundstückseigentümer sie selbst herbeigeführt habe oder weil er verpflichtet gewesen wäre zu verhindern, dass von seiner Fläche eine solche Störung ausgehe.

Das Landgericht schloss sich der Auffassung an, dass der Kampfmittelräumdienst allein entschieden habe, die Bombe kontrolliert zu sprengen, nicht jedoch die Esos. Zudem hätte die Eigentümergesellschaft die Sprengung nicht verhindern können. Vielmehr sei die Stadtwerke-Tochter verpflichtet gewesen, die Sprengung zu dulden, weil bei einer unkontrollierten Explosion noch weitaus größere Schäden gedroht hätten.

Die Entscheidung der Zivilkammer ist noch nicht rechtskräftig. Die klagende Versicherungsgesellschaft kann gegen das Urteil des Landgerichts Osnabrück Berufung einlegen. Nächste Instanz ist dann das Oberlandesgericht Oldenburg.

Bildtexte:
Ein Krater blieb nach der Sprengung der 250-kg-Bombe im Landwehrviertel zurück.
Der Druck der Explosion hat seine Spuren hinterlassen: Bei der Sprengung in Atter gingen nicht nur Fensterscheiben zu Bruch.
Das hat gerummst: Der Explosionsdruck sorgte sogar für Risse in den benachbarten Wohngebäuden.
Fotos:
Jörn Martens

Kommentar
Leben mit dem Risiko

Jetzt haben wir schwarz auf weiß, dass ein Grundstückseigentümer nicht zahlen muss, wenn es bei einer kontrollierten Sprengung zu Schäden an einem Nachbargebäude kommt. Interessant, dass aus dem Urteil des Landgerichts nicht hervorgeht, wer denn nun verantwortlich zu machen ist.

Im Fall der Landwehrkaserne hat die Gebäudeversicherung eines Nachbarn die Schäden erst einmal bezahlt und versucht, sich das Geld von der Esos zurückzuholen. Dass die Stadtwerke-Tochter nicht zahlen muss, wird die Versicherung bei 5000 Euro verschmerzen können. Was aber, wenn es einen Nachbarn trifft, der nicht hinreichend versichert ist? Der bliebe wohl auf den Kosten sitzen.

Oder springt etwa die Landeskasse ein? Die Chancen sind gering, denn nach den geltenden Regeln gibt es allenfalls eine Entschädigung, wenn der Sprengmeister einen groben Fehler gemacht hat. Und wenn eine scharfe Bombe auf dem eigenen Grundstück geortet wird? Das kann erst recht teuer werden. Es gibt also Risiken, mit denen nicht jeder rechnet. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte eine Versicherung abschließen. Unter dem Strich zählt aber, dass die militärischen Altlasten in Niedersachsen gezielt aufgespürt und unschädlich gemacht werden. Das ist für alle der sicherste Schutz. rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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