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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wegen Regimekritik ins Zuchthaus
Zwischenüberschrift:
Ein Stolperstein erinnert an den Osnabrücker Arzt Dr. Otto Busse – Er starb 1945 an den Folgen der Haft
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Das Regime zu kritisieren, war gefährlich. Dr. Otto Busse dürfte zunächst ahnungslos gewesen sein, als die Gestapo ihn am 8. Juli 1944 festnahm. Es stellte sich heraus, dass zwei seiner langjährigen Patientinnen ihn verraten hatten. Der Arzt kam ins Zuchthausund wurde dort krank. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg starb er an den Folgen der Haft. Jetzt erinnert ein Stolperstein an ihn an der damaligen Riedenstraße 2, dem heutigen Erich-Maria-Remarque-Ring 3.
Vier Wochen vor seiner Festnahme, im Juni 1944, waren die Alliierten in der Normandie gelandet, und die deutsche Wehrmacht befand sich bereits auf dem Rückzug. Offenbar äußerte Dr. Otto Busse zwei seiner Patientinnen gegenüber Zweifel am siegreichen Ausgang des Krieges. In seiner Sprechstunde soll er das Hitler-Regime kritisiert und dessen angekündigte V1-Wunderwaffe″ als Versagerwaffe″ bezeichnet haben. Ein oder zwei Tage später kam der Arzt ins Gerichtsgefängnis und wurde schließlich zu einer Zuchthausstrafe in Celle verurteilt, die er im August 1944 antreten musste.
Dort wurde Dr. Otto Busse krank und litt unter Herzproblemen. Im Januar 1945 attestierte ein Arzt ihm Haftunfähigkeit. Der Osnabrücker wurde daher in ein Celler Krankenhaus eingeliefert, wo er Anfang Mai einen Schlaganfall erlitt und im Juli darauf im Alter von 70 Jahren starb sechs Wochen nach Kriegsende.
Seine Frau, Lilly Busse, stellte später einen Antrag auf Entschädigungszahlung, doch starb sie, bevor das Verfahren abgeschlossen war. Ihre zwei Söhne kämpften weiter vergeblich. 1955 wurde ihre Forderung abgelehnt. Die Begründung: Es sei nicht nachweisbar, dass Dr. Otto Busse tatsächlich ein überzeugter Gegner des Nationalsozialismus gewesen war.
Während der Nachkriegsjahre stand der Ehemann einer der eingangs erwähnten Patientinnen wegen Denunziation unter Anklage. Er sagte während des Prozessesaus, er habe unbedacht einige Bemerkungen fallen lassen und sei dann von der Gestapo bedrängt worden. Anfangs habe er sich zwar zuwehren versucht, doch dem Druck nicht standhalten können. Er wurde schließlich freigesprochen.
Heute gilt Dr. Otto Busse als politisch Verfolgter des Nationalsozialismus. Was ihm widerfuhr, wirft ein Licht auf den beklemmenden Alltag in der Diktatur. Die Machthaber hatten ihre Fühler auch in private Bereiche ausgestreckt und reagierten empfindlich. Regimekritik, auch im Vertrauen geäußerte, konnte Bürgern zum tödlichen Verhängnis werden.

Bildtext:
In der Riedenstraße 2 lebte Dr. Otto Busse heute lautet die Adresse Erich-Maria-Remarque Ring 3.
Fotos:
Jörn Martens

Stolpersteine
Die in den Gehwegen verlegten Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn-oder Wirkungsstätten der Verfolgten. Der Kölner Künstler Gunter Demnig istInitiator des Projekts, dem sich bisher etwa 600 Kommunen in mehreren Ländern angeschlossen haben. Pate des Stolpersteins für Dr. Otto Busse ist Carlos Nobrega. Schüler des Berufsschulzentrums am Westerberg haben die Gedenktafel verlegt: Stefan Bischof, Cengiz Yaman, Francesco Russello und Sebastian Kemme. Das städtische Büro für Friedenskultur nimmt für künftige Stolpersteine Hinweise und Zeitzeugenberichte über das Schicksal von Opfern des NS-Regimes entgegen unter Telefon 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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