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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Flohmarkt in der Nacht lockt Zehntausende
 
Von den Regeln des Nachtflohmarktes
Zwischenüberschrift:
Mit dem Bollerwagen auf der Suche nach einem freien Platz
Artikel:
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Originaltext:
OSNABRÜCK. Der Osnabrücker Nachtflohmarkt hat Samstagabend Zehntausende Besucher angelockt. Erstmals begann er offiziell bereits um 20 Uhr. Sowohl Händler als auch Besucher bevölkerten die Fußgängerzone allerdings deutlich früher. Die Regeln der Stadtverwaltung verpufften zum Teil wirkungslos. Der Flohmarkt, der in der Innenstadt regelmäßig im Mai und September stattfindet, endete gestern am Sonntagmittag. Nach den Erfahrungen vergangener Jahre hatte die Verwaltung den Schluss um vier Stunden vorverlegt. Im Laufe der Jahre wurde der Beginn des Flohmarktes, der ursprünglich ausschließlich am Sonntag stattgefunden hatte, vorgezogen. Damit entwickelte er sich zu einer wahren Attraktion des Samstagabends.

OSNABRÜCK. Das hatte ich mir gedacht! Es ist Samstagabend kurz nach 20 Uhr. Und es ist zu spät. Doch ich wollte mich ja unbedingt an die Regeln der Stadtverwaltung halten. Deshalb stehe ich erst jetzt mit dem kleinen Bollerwagen vor dem Theater. Es beginnt nun die beschwerliche Suche nach einem freien Platz für mich und meine Ware. Der Flohmarkt hat längst begonnen. Und ich bekomme zu spüren, dass er seine eigenen Regeln hat.
Ich sehe eine Lücke. Ist der Platz noch frei? Ich stelle diese Frage freundlich, und zwar öfter auf meinem Weg durch das Gedränge in Richtung Nikolaiort und darüber hinaus. Doch ist mein Ansinnen vergeblich. Manches Mal schmettert mir eine aggressive Antwort entgegen: Wir stehen hier schon seit halb elf! Wer sich hier an die Regeln hält, hat offensichtlich verloren.
Später befinde ich mich in der Randlage des Flohmarkts am Hintereingang eines Lebensmittelhändlers. Ich hatte eine nette Standnachbarin gefunden, die meine Frage nach einer Lücke mit Ja″ beantwortete. Endlich!
Während ich meine Waren auf dem kleinen Tisch und dem Bollerwagen ausbreite, höre ich die ersten Anfragen. Das Fahrrad, das neben meinem Stand an der Laterne angekettet ist, hätte ich mehrmals verkaufen können. Doch es gehört mir nicht.
Ich möchte handeln und fange mit leicht überhöhten Preisvorstellungen an.
Fünf Euro für eine zusammenklappbare Leseleuchte? Die gibt es ja im Laden billiger! Leicht empört entfernt sich der Interessent. Später bestaunt ein kleines Mädchen die strahlende Leuchte, und sein Vater kriegt sie für einen Euro.
Die Kunden zu beobachten erscheint mir bald interessanter als das Geschäft. Doch sobald sich jemand etwa durch die drei Stapel Compact Discs arbeitet, schaueich in eine andere Richtung, um ihm Ruhe für seine Entscheidung zu gewähren doch befindet er sich immer noch in einem äußeren Winkel meines Blicks. Ausschließlich Männer interessieren sich für die beiden alten Walkie-Talkies aus den 1970er-Jahren mit meterlangen Antennen. Offensichtliche Fachleute halten die Funkgeräte in den Händen und erzählen einander technische Details. Jemand schraubt eines der Geräte auf, um sich das Innenleben anzuschauen. So viele Interessenten, doch niemand kauft die Walkie-Talkies!
Für viele scheint der Flohmarkt eher eine Ausstellung zu sein. Doch sehe ich auch eilende Männer mit Taschenlampen und versiertem Blick, die ich für Profihändler halte. Sie lassen den Lichtkegel rasch über die Auslage huschen und sind schon wieder weg. Am Anfang hatte ich für die Kristallgläser noch bis zu fünf Euro das Stück verlangt vergeblich. Mehr und mehr schwanken meine Preisforderungen je nach Gesichtsausdruck meines Gegenübers, und dazu sinken sie im Laufe des Abends. Und jetzt freut sich eine junge Dame über ein Schnäppchen und zwar im Halbdunkel. Denn plötzlich war vorhin, etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht, die Laterne über mir ausgegangen, und nur nochwenige Menschen zieht es hierher. Also packe ich meine übrig gebliebene Ware wieder ein und mache mich auf den Rückweg.
Es ist kurz nach Mitternacht, als ich meinen Bollerwagen in Richtung Nikolaiort ziehe. Was für eine Überraschung: Hier drängen sich die Menschen durch die Gassen der Stände! Keine Chance für ein Durchkommen mit meinem kleinen Anhänger. Ich kehre um, und eine Flohmarkthändlerin spricht mich auf dem Umweg an: Ob ich ihr meinen Stuhl verkaufen könnte? Der gehörte bis jetztz war zum Inventar meines Kellers, doch wir kommen ins Geschäft. Auf dem Weg nach Hause abseits des Flohmarkts wundern sich Passanten über den Mann mit dem Bollerwagen.

Bildtexte:
Ein Reporter als Händler: Jann Weber spürte die Regeln des Flohmarkts am eigenen Leib.
Nachtleben mit Feilschen: Zehntausende Besucher amen zum Flohmarkt zwischen Samstagabend und Sonntagmittag. Doch ging es ihnen nicht nur ums Kaufen und Verkaufen. Das Flair gehört ebenfalls dazu.
Fotos:
Hermann Pentermann
Autor:
Jann Weber


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