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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Im Haus der Gegensätze
Zwischenüberschrift:
So entsteht das neue Hageloft im Westen der Stadt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Es ist eines der aktuell prominentesten Bauprojekte in Osnabrück: Zwischen Lotter Straße und Augustenburger Straße entsteht momentan das Hageloft. Unsere Redaktion war jetzt in der ehemaligen Hagedorn-Fabrik zu Gast bald werden sich dort Vergangenheit und Zukunft an jeder Ecke begegnen.

Fast zehn Jahre ist es her, dass der Kunststoffhersteller Hagedorn seine Produktion aus dem Osnabrücker Westen nach Lingen verlegt hat. Über Jahrzehnte hinweg produzierte das Unternehmen am Standort an der Lotter Straße unter anderem Lenkergriffe für Fahrräder, Tischtennisbälle aus Zelluloid und Pigmentpräparationen zum Bedrucken von Chipstüten oder Joghurtbechern. Viele Stadtteilbewohner erinnern sich noch heute an die regelmäßigen Feueralarme auf dem Betriebsgelände, das gemeinsam mit dem Busdepot der Stadtwerke einen ganz anderen Charme versprühte, als es jetzt der Fall ist.

Heute ist das Gelände zwar nicht mehr häufiges Einsatzgebiet der Osnabrücker Feuerwehr, geschäftig geht es trotzdem zwischen Lotter Straße und Augustenburger Straße zu. Ein alter Bekannter aus Osnabrück haucht dem mehrstöckigen ehemaligen Fabrikgebäude gemeinsam mit einem Geschäftspartner aus Münster neues Leben ein. Dazu haben buw-Gründer Jens Bormann und Elmar Grimm die Hageloft GmbH gegründet, sie seit dem vergangenen Jahr das Ex-Hagedorn-Produktionsgebäude im wahrsten Sinne des Wortes auf Links dreht. Immer im Fokus dabei: die Verbindung zwischen Alt und Neu.Bau in drei Abschnitten

Die Planer haben das gesamte Vorhaben in drei Abschnitte gegliedert: Dazu zählt der Bereich des ehemaligen Pavillons. Direkt nebenan, im ehemaligen Fabrikgebäude, befinden sich die beiden anderen Abschnitte: In den nördlichen, zur Lotter Straße gerichteten Teil wird voraussichtlich im Frühjahr die Muuuh! Group auf rund 2900 Quadratmetern einziehen. Nach Angaben von Yvonne Holthaus, der Assistentin der Geschäftsführung, werden am Standort rund 130 Mitarbeiter des jungen Bormann-Unternehmens ihren neuen Arbeitsplatz finden.

Den dritten Abschnitt des Vorhabens machen 18 Wohnlofts aus, die im südlichen Teil des Gebäudes untergebracht werden. Sie umfassen rund 1900 Quadratmeter.

Schon von Weitem ist erkennbar, dass sich etwas tut an der Lotter Straße. Hinter dem Baugerüst ist schon in weiten Teilen die neue Fassade zu sehen. Die alte Vorhangfassade musste aus statischen und energetischen Gründen weichen und war auch rein optisch nicht erhaltenswert″, erläutert Projektleiter Dirk Bölke. Die neue Fassade besteht aus dunklen Wasserstrich-Ziegelsteinen.

Bei der Neugestaltung haben die Planer Bauteile wiederhergestellt, die das Gebäude ursprünglich einmal charakterisiert haben, aber aus verschiedenen Gründen in den vergangenen 70 Jahren fehlten. Gemeint sind beispielsweise die erhöhten Treppenhäuser, aber auch Zinnen und Gesimse, die in Zukunft wieder deutlich zur Geltung kommen sollen.

Dass das Hageloft in vielerlei weiterer Hinsicht Reminiszenzen zur ursprünglichen, industriellen Nutzung aufnehmen wird, zeigt sich künftig auch im Bereich des ehemaligen Pavillons, der einst als Eingangsbereich für die Hagedorn-Mitarbeiter diente. An seiner Stelle entsteht aktuell eine Mehrzweckhalle, die sich im Obergeschoss hin zur Lotter Straße öffnen wird.Hohe Anforderungen

Die Halle ist sicherlich ein architektonisches Highlight, es gab aber durchaus einige besondere Aufgaben, die wir beim Bau beachten mussten″, sagt Projektleiter Bölke. Die 180 Quadratmeter große Halle kommt im Obergeschoss ohne Stützen aus, daher gab es besondere Anforderungen an die Konstruktion aus Stahl und Beton. Neben der Glasfront zur Straße erhält der Raum Licht durch elf Lichtkuppeln in der Decke. Der Raum kann für Empfänge, Vorträge und andere Veranstaltungen genutzt werden eben für alles, außer Büro″, sagt Holthaus.

Eine Besonderheit ist die künftige Fassadengestaltung: Die Halle wird mit einer speziellen Tecu-Gold-Metallfassade verkleidet, die sich auch auf dem oberen Stockwerk des Lofts wiederfinden wird. Sie wird vom Osnabrücker Unternehmen KME hergestellt. Anstelle des alten Pförtnerhäuschens, das vor allem aus energetischen Gründen nicht erhalten werden konnte, wird eine Konstruktion errichtet, die die Formen seines Vorgängers exakt aufnimmt.

Die Verbindung zwischen Pavillon und dem Hauptgebäude stellt eine Brücke her, unter der sich auch der Haupteingang zum Firmensitz der Muuuh! GmbH befindet. Besucher werden vom Erdgeschoss mit einer Rolltreppe in einen Bar-artigen Empfangsbereich geleitet. Dahinter schließt sich im ehemaligen Fabrikgebäude der eigentliche Büro-Trakt an.

Die anthrazitfarbenen Holzfenster sind schon installiert, die Rohbauarbeiten sind abgeschlossen. Nun treten die Handwerksbetriebe auf den Plan, die den Innenausbau vorantreiben. Das alte Mauerwerk im Inneren ist zumindest in Teilen schon mit einer Kalkschlämme bedeckt, die die Struktur der Außenwände erscheinen und somit den ehemals industriellen Charme der Räume erahnen lässt. Erhalten wurden auch die Stahltreppen im alten Treppenhaus.

Welch ein Gegensatz: Während die rund 130 Muuuh!- Mitarbeiter künftig zum Beispiel Bot-Lösungen und Strategien für den Kundendialog entwickeln und andere moderne Geschäftsfelder erschließen, lässt das Innere der Räume erahnen, dass hier noch vor wenigen Jahren eine Kunststofffabrik tätig war an der Lotter Straße wird aus Old Economy New Economy.

Doch nicht in allen Etagen war der Umbau einfach, wie Bölke betont. Teilweise war das Mauerwerk in so einem desolaten Zustand, dass wir die Etagen abstützen mussten, um die Mauern neu zu errichten. Das nennt man wohl böse Überraschung.″ Generell sei die Neugestaltung des ehemaligen Fabrikkomplexes nicht gerade einfach geraten. Eine besondere Herausforderung waren die Statik und Prüfstatik, die bereits in der Genehmigungsphase sowie in der Ausführungsphase sehr viel mehr Zeit gekostet haben als geplant″, sagt der Projektleiter. Für das Hageloft mussten die Planer spezialisierte Handwerksunternehmen finden das war nicht immer einfach, wie Bölke betont.

Auf die ursprünglich vier Geschosse haben die Planer noch ein weiteres gesetzt, allerdings mit weniger Grundfläche. Ebenso wie die Fassade der Mehrzweckhalle wird diese Außenwand mit der goldenen Verkleidung ausgestattet, die künftig ein optisches Highlight im Westen der Stadt bilden wird. Die Fassade wird zunächst eher leuchtend sein, mit der Zeit aber naturgemäß etwas verblassen, wenn die Patina ansetzt″, sagt Bölke.Blick über Osnabrück

Von den oberen Etagen bietet sich den zukünftigen Bewohnern beziehungsweise den Muuuh!- Mitarbeitern ein fast schon atemberaubender Blick über die westlichen Stadtteile bis in die Innenstadt. Wohl nicht ohne Grund wird auch Muuuh!- Chef Jens Bormann hier sein Büro beziehen.

18 Wohneinheiten werden im südlichen Teil entstehen, die insgesamt etwa 1900 Quadratmeter einnehmen. Sie werden in den Obergeschossen mit freischwebenden Balkonen versehen.

Derweil finden die Bewohner des Erdgeschosses Deckenhöhen von 3, 60 Meter vor. Hervor stechen vor allem hier die gusseisernen Stützen und Stahlträger, die aus den ursprünglichen Baujahren der hallenartigen Gebäude stammen und nun brandschutztechnisch ertüchtigt werden. Der Gebäudekomplex wurde ursprünglich nicht in einem Zug errichtet, sondern vielmehr wurden nach und nach weitere Gebäudeteile angebaut.

Im kommenden Frühjahr soll das Hageloft bezugsfertig sein. Etwa 19 Millionen Euro werden dann in das Projekt geflossen sein. Bölke ist vor dem Hintergrund des straffen Zeitplans und trotz des ambitionierten Gesamtvorhabens optimistisch. Wir schaffen das″, sagt der Projektleiter.

Bildtexte:
Auch wenn das Baugerüst momentan noch die Fassade des Hagelofts verdeckt, lässt sich schon jetzt erahnen, wie das ehemalige Fabrikgebäude künftig einmal aussehen wird.
Bauteile wie Zinnen, die über die Jahrzehnte verschwunden waren, haben die Planer wiederhergestellt.
Die neue Mehrzweckhalle kommt im Obergeschoss ohne Stützen aus. Auf den 180 Quadratmetern sollen später Veranstaltungen stattfinden können.
Vor allem von den oberen Stockerken bietet sich ein Blick über die westlichen Stadtteile.
Elemente wie die alte Stahltreppe wurden erhalten. Vieles erinnert an die Vergangenheit.
Fotos:
Jörg Martens
Autor:
Sebastian Philipp


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