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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Arbeit, Wohnung und das Leben genommen
Zwischenüberschrift:
Stolpersteine erinnern an die Familie Löwenstein – Mord im Rassenwahn
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Das Haus mit der Nummer 34a an der Bohmter Straße ist nicht wiederzuerkennen. Wo einst die Löwensteins gewohnthaben, wird derzeit gebaut. Vor der neuen Fassade erinnern jetzt Messingtafeln auf dem Bürgersteig an vier Familienmitglieder, die vor sieben Jahrzehnten sterben mussten, weil der Hass auf Juden zur Grundhaltung der regierenden Nationalsozialisten gehörte. Die Löwensteins starben in drei verschiedenen Konzentrationslagern.

Die Nationalsozialisten wollten in ihrem Rassenwahn die Juden nicht nur töten, sondern auch die Erinnerung an sie auslöschen. So ist auch von dieser Osnabrücker Familie nur wenig überliefert.
Bekannt ist unter anderem, dass Emma Löwensteindie Witwe eines Kaufmanns war, mit dem sie vier Kinder hatte. Ihre Tochter Olga war Verkäuferin in der Tuchhandlung Flatauer & Co an der Möserstraße 26. Da es sich bei den Eigentümern ebenfalls um Juden handelte, plünderte die SA 1938 das Geschäft. Im Jahr darauf wurdees von den Machthabern enteignet.
Die Berufsbezeichnung von Thea, einer weiteren Tochter, lautete Direktrice.Sie war vermutlich für den Entwurf von Kleidung zuständig. Einer anderen Deutung dieses Begriffs nach wäre sie Direktorin gewesen. Welchen Berufen Emma Löwensteins Söhne Adolf und Ernst nachgegangen sind, ist nicht bekannt.
Doch als sicher gilt, dass die Familie seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten Schikanen und Diskriminierungen ausgesetzt war, die sich von erniedrigenden Parolen zu Gewalttaten steigerten. Den Löwensteins wurde die Arbeit, die Wohnung, das Eigentum und schließlich das Leben genommen. Nur Ernst Löwenstein scheint den Holocaust in einem Zwangsarbeiterlager in Bielefeld überlebt zuhaben.
Die Familie Löwenstein musste im März 1939 ihr Haus an der Bohmter Straßev erlassen und in die Kommenderiestraße in eines der Osnabrücker Judenhäuser″ ziehen. Die Nationalsozialisten hatten ihnen bereits alle Rechte aberkannt und zwangen sie nun zu einem Lebenauf engstem Raum, wo sie zudem fortwährender staatlicher Kontrolle ausgesetzt waen.
Und dann wurden sie in Konzentrationslager verschleppt: Adolf Löwensteini m Dezember 1941 nach Riga , seine Mutter Emma 1942 nach Theresienstadt, wo sie noch im selben Jahr starb, ihre Töchtern Olga und Theazunächst ebenfalls nach Theresienstadt, dann am 29. Januar 1943 weiter nach Auschwitz-Birkenau.
Einen Tag später, am 30.Januar 1943, schrieb ein Bediensteter, dessen Name sich nicht mehr rekonstruieren lässt, in das Kalendarium der Ereignisse im KZ Auschwitz Birkenau 1939 1945″: Mit einem Transport des RSHA (Reichssicherheitshauptamt) sind 1000 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus dem Ghetto Theresienstadt eingetroffen. Nach der Selektion werden 122 Männer sowie 95 Frauenin das Lager eingewiesen. Die übrigen 783 Menschen werden in den Gaskammern getötet.″
Zu welcher Gruppe die Osnabrückerinnen Olga und Thea Löwenstein gehörten, ist nicht bekannt und auch, ob sie in der Gaskammer starben oder durch eine Krankheit ums Leben kamen, wird wohl im Dunkel bleiben. Auch der Tag ihresTodes ist unbekannt ebenso wie der ihres Bruders Adolf.

Bildtext:
Als die Stolpersteine für die Löwensteins verlegt wurden, hatte in dem neuen Haus an der Bohmter Straße 34a gerade die Bauarbeiter das Sagen.
Foto:
Jörn Martens

Stolpersteine
Messingtafeln in den Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn-oder Wirkungsstätten der Ju-den, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich Hunderte von Kommunen in Europa angeschlossen haben außer in Deutschlandauch in Ländern wie Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, den Niederlanden und in der Ukraine. Paten der Stolpersteine an der Bohmter Straße 34a sind Angelika Pues für Emma Löwenstein, Uschi Weitkamp für Adolf Löwenstein, Dagmar Müller für Olga Löwenstein und Gertrud Dom für Thea Löwenstein. Schüler des Berufsschulzentrums am Westerberg haben die Gedenktafeln verlegt: Stefan Bischof, Cengiz Yaman, Francesco Russello und Sebastian Kemme. Das Büro für Friedenskultur nimmt für künftige Stolpersteine Hinweise über das Schicksal weiterer NS-Opferentgegen unter Tel. 05 41/ 3 23-22 87.
Autor:
Jann Weber


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