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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gruft einer Sinti-Familie geschändet
Zwischenüberschrift:
Täter gehen auf dem Hasefriedhof mit roher Gewalt vor
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Zum wiederholten Male wurde jetzt in Osnabrück die Gruft einer Sinti-Familie geschändet. Mit grober Gewalt zerstörten die unbekannten Täter Lampen, Figuren und schlugen sogar Teile der Verkleidung des Grabes ab.

Das ist eine verwerfliche Tat, die uns sehr betroffen macht″, sagt Mario Franz. Der Sprecher des Niedersächsischen Landesverbandes deutscher Sinti hatte sich an unsere Redaktion gewandt in Vertretung der betroffenen Familie, die namentlich nicht genannt werden möchte. Am vergangenen Samstag entdeckten die Angehörigen bei einem Besuch der Gruft auf dem Hasefriedhof die Zerstörungen.

Die Familie wandte sich an Franz, der zu einer Anzeige bei der Osnabrücker Polizei riet, deren Eingang Polizeisprecherin Mareike Edeler auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt. Laut Franz müssen die Zerstörungen unmittelbar vor der Entdeckung durch die Familienangehörigen geschehen sein. Sie waren einige Tage vorher noch an der Gruft, da war noch alles in Ordnung.″

In der Gruft liegen Familienangehörige, die nach Franz′ Angaben während der NS-Zeit ermordet wurden. Das macht diese Schändung umso trauriger, zumal es nicht das erste Mal ist.″ So sei die Grabstelle in den vergangenen acht Jahren schon mehrfach Schauplatz von Vandalismus geworden. Auffällig sei, dass bei den Vorfällen stets nur dieser Ort betroffen gewesen sei. Dass die Taten einen rassistischen Hintergrund haben, lässt sich freilich mangels Zeugen nicht eindeutig beweisen. Die Familie ist sehr bestürzt. Je öfter so etwas passiert, desto trauriger ist es″, sagt der Verbandssprecher. Die Grabschändungen an den Gräbern der deutschen Sinti zielen darauf ab, bei den Betroffenen des nationalsozialistischen Terrors und ihren Familien wiederholt alte Wunden aufzureißen, in der feigen Hoffnung, bei der Minderheit der deutschen Sinti erneut Schmerz und schmerzliche Erinnerungen auszulösen″, schreibt Franz in einer Stellungnahme an unsere Redaktion.

Von dem Schritt an die Öffentlichkeit erhoffen sich Franz und die betroffene Familie, dass Hinweise auf die Täter eingehen. Doch das sei nur ein Aspekt, sagt Franz: Jede Grabschändung ist verwerflich und fügt den Angehörigen Schmerzen zu. Diese Schandtaten müssen auch öffentlich benannt werden.″ Immerhin: Nach dem Bekanntwerden der Zerstörungen habe er in den vergangenen Tagen viel Zuspruch auch aus der Mehrheitsbevölkerung erhalten.

Grabschändungen sind zwar in Osnabrück alles andere als ein Massenphänomen, sie kommen trotzdem immer wieder vor: Im Herbst 2018 beschmierten Unbekannte auf dem Johannisfriedhof ein Gräberfeld für Opfer des Zweiten Weltkriegs darunter die Grabsteine von Kindern und Frauen. Auch auf dem Schinkeler Friedhof kam es im Jahr 2017 zu Schmierereien.

Bildtext:
Das Familiengrab ist zum wiederholten Male geschändet worden. Aus Rücksicht auf die Angehörigen hat sich unsere Redaktion dazu entschlossen, den Namen der Familie auf der Grabinschrift unkenntlich zu machen.
Foto:
Mario Franz
Autor:
Sebastian Philipp


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