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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Nachhaltige Verpackungen als Verkaufsschlager
Zwischenüberschrift:
Gemüsenetze, Bienenwachspapier und Co. werden immer beliebter, weil Kunden immer umweltbewusster werden
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Plastik, Plastik, Plastik in vielen Haushalten reicht ein gelber Sack pro Woche zur Entsorgung schon nicht mehr aus. Dabei geht es auch anders. In Osnabrück bieten Händler viele kreative Lösungen gegen zu viele Verpackungen an. Doch bezahlt man am Ende mit einem Gemüsebeutel aus Baumwolle sogar mehr an der Kasse?

Die Suche nach umweltschonenden Verpackungen beginnt beim Pionier der Zero Waste″ („ Null Abfall″)- Bewegung in Osnabrück: dem Laden Tara Unverpackt″. Seit September 2016 können Kunden im ehemaligen Hannoverschen Bahnhof am Wittekindplatz ihre Einkäufe direkt in mitgebrachte oder gekaufte Behälter füllen. Ist das Glas leer, kommt es in die Spülmaschine und wird bei Tara″ wieder aufgefüllt. Vor dem Befüllen wird das Behältnis gewogen und mit einem Sticker versehen, sodass der Kunde wirklich nur den Inhalt kauft.

Auch Gemüsenetze gibt es bei Tara″ zu kaufen. Die Baumwollnetze sollen beim Gemüse- und Obstkauf die dünnen Plastiktüten ersetzen. Sie sind waschbar und robust. Die Gemüsenetze sind bei Tara″ sehr beliebt. Auch weil man sie in vielen Bereichen einsetzen kann, zum Beispiel als Wäschebeutel. Die Netze sind mit einer Gewichtsangabe versehen. Die großen wiegen etwa 40 Gramm, und natürlich möchte kein Kunde, dass die an der Kasse buchstäblich ins Gewicht fallen″. Ob das funktioniert, schauen wir uns später an.

Eine Kundin hat einen ganzen Korb voller leerer Behälter mitgebracht. Großeinkauf! Das ist keine Seltenheit bei Tara″. Obwohl der Laden die Größe eines Tante-Emma-Ladens hat, ist das Sortiment vielfältig. Neben Grundnahrungsmitteln wie Nudeln und Reis gibt es Süßigkeiten, Kosmetik und Reinigungsmittel. Aber auch Bier und Wein. Das Verhalten der Kundin passt genau zu Tara″: Kreativ werden, nachschauen, welche Behälter man sowieso schon zu Hause hat und was davon man mehrmals benutzen kann. Einkaufen ohne Verpackung muss gar nicht schwierig sein.

Die nächste Station ist das Reformhaus Bacher nahe dem Neumarkt. Gemüsenetze hat das Geschäft noch nicht im Angebot, aber auch hier gibt es keine Plastiktüten. Gemüse und Brot können in Papiertüten verpackt werden. Einige Kunden bringen selber Leinenbeutel für ihr Brot mit.

Das Reformhaus hat auch Kaffee zum Mitnehmen im Angebot. Hier ist die Sensibilität für Müllvermeidung hoch, fast jeder bringt seine eigene Tasse mit.

Der Wunsch, auf Plastik zu verzichten, hat längst auch andere Branchen erreicht. Bei Bücher Wenner sieht man immer weniger eingeschweißte Bücher. Stattdessen setzen manche Verlage inzwischen auf kleine Aufkleber, die die Bücher zusammenhalten.

Bei der kürzlich neu eröffneten Osnabrücker Filiale der SB-Restaurant-Kette Dean & David″ am Kamp, die auf Zielgruppen ausgerichtet ist, bei denen gesunde Ernährung und Ökologie hoch im Kurs stehen, werden Kunden für nachhaltiges Engagement belohnt. Für 8 Euro Pfand gibt es die Take Away Salatbox″. Wer sie beim nächsten Mal gewaschen wieder mitbringt, bekommt nicht nur sein Geld zurück, sondern zusätzlich ein Gratis-Topping auf den nächsten Salat. Ob das Angebot von den Osnabrückern angenommen wird, muss sich aber erst noch zeigen.

Auch bei Bees & Nectaries″ in der Redlingerstraße ist die Nachhaltigkeit, die immer mehr Kunden wichtig ist, ein Teil des Geschäftsmodells. Auf Plastikverpackungen verzichtet der Laden komplett, wenn überhaupt, sind die Produkte in ein wenig Karton eingepackt. Auch hier gibt es Gemüsenetze, die guten Absatz finden. Das gilt auch für das Bienenwachspapier der Marke abeego″. Es ist bei Bees & Nectaries″ in drei Größen erhältlich und laut Hersteller 100-mal wiederverwendbar. Es kann genau wie Frischhaltefolie benutzt werden und soll atmungsaktiv sein es ist für Lebensmittel also sogar besser als eine dünne Folie aus Plastik.

Nachhaltigkeit gehört zum Zeitgeist, aber wenn der Einkauf am Ende mehr kostet, ist die Motivation bald vorbei. Und damit zurück zum Gemüsenetz. Zahlt man womöglich nicht 750 Gramm Obst, sondern 790 Gramm, weil das Netz 40 Gramm wiegt? Zumindest die Kassierer bei Allfrisch″ können die Kunden beruhigen. Sie sind schon an die Netze gewöhnt und schauen routiniert nach der Gewichtsangabe. Im Kassensystem ist die entsprechende Subtraktion bereits fest einprogrammiert.

Auch Allfrisch″ hat umweltbewussten Kunden übrigens etwas zu bieten: Für spontane Einkäufe gibt es am Gemüsestand Tüten aus 90 Prozent nachwachsendem Zuckerrohr. I′m green″ verspricht die Aufschrift auf dem Beutel, also Ich bin grün″. Er ist laut Hersteller wiederverwendbar und mit wenig CO2-Einsatz produziert.

Es tut sich was in der Einkaufswelt weil es offenbar immer mehr Kunden wünschen.

Bildtexte:
Eine Flohmarktkiste? Nein ein Einkaufskorb! Eine Kundin hat für ihren Großeinkauf bei Tara Unverpackt″ verschiedene Verpackungen von zu Hause mitgebracht, die nun wieder befüllt werden.
Die Gemüsenetze gehören bei Tara Unverpackt″ zu den Verkaufsschlagern.
Besser als Frischhaltefolie soll Bienenwachspapier sein, das es zum Beispiel bei Bees & Nectaries″ gibt.
Fotos:
Stella Essmann
Autor:
Stella Essmann


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