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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Jakobskreuzkraut und Co auf dem Vormarsch
Zwischenüberschrift:
Giftpflanzen breiten sich aus / Experten sehen aktuell allerdings keinen Grund zu übertriebener Sorge
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Ihre leuchtenden Blüten zieren die Weg- und Straßenränder, locken zahlreiche Insekten an und der eine oder andere Blumensammler bindet die schmucken, harmlos scheinenden Kräuter in seinen Wiesenstrauß ein. Doch vor einigen Pflanzen sollte man sich in Acht nehmen. Denn sie haben es durchaus in sich.

Das heimische Jakobskreuzkraut, aber auch giftige Neophyten wie Ambrosia und Riesenbärenklau, die unbeabsichtigt nach Europa gebracht wurden, fühlen sich in den im Sommer auftretenden Trockenperioden wohl und breiten sich zunehmend aus. Das Jakobskreuzkraut gehört zwar schon länger zu unserem Ökosystem, ist seit zehn Jahren aber stark auf dem Vormarsch.

Die Floristin und Zierpflanzen-Gärtnermeisterin Ute Gust kennt die Giftigkeit der leuchtend gelb blühenden Doldentraube mit ihren 15 bis 20 Blütenköpfen. Das Jakobskreuzkraut gehört zu der Pflanzenfamilie der Greiskräuter und ist eine ganz anspruchslose, zweijährige Pflanze, die nach der Samenbildung in der Regel abstirbt″, erklärt die Fachfrau. Allerdings bildet das Kraut pro Pflanze mehr als 100 000 flugfähige, pusteblumenähnliche Samen, die durch den Wind etwa 50 Meter weiter getragen werden können und dann im Boden bis zu 25 Jahre keimfähig bleiben.

Die Giftigkeit des Krautes beruht auf dem Gehalt an verschiedenen Pyrrolizidin-Alkaloiden, die im Körper zu Schadstoffen verstoffwechselt werden und zu akuten oder chronischen Leberschäden führen können. Wird die Pflanze wiederholt gegessen, führt das in schleichenden Prozessen sowohl beim Menschen als insbesondere auch bei verschiedenen Nutztieren zu Vergiftungen, die tödlich verlaufen können.

Für den Menschen kann das Kraut nur gefährlich werden, wenn es mit anderen Wild- oder Heilkräutern verwechselt wird. Die Wuchsrosette der Pflanze sieht im ersten Jahr wie Rucola aus″, berichtet Gust und weist auch auf eine Verwechslungsgefahr mit anderen gelb blühenden Arten wie dem Johanniskraut oder dem Rainfarn hin. Diese blühen zur gleichen Jahreszeit in ähnlichem Farbton, bevorzugen ebenfalls magere Böden und stehen oft in unmittelbarer Nachbarschaft.

Ambrosia auch als Beifußblättriges Traubenkraut bekannt zählt zwar nicht zu den klassischen Giftpflanzen, die Samen gehören aber hierzulande zu den stärksten Allergieauslösern. Als sogenannte Ruderalpflanze wächst Ambrosia besonders gut auf sogenannten gestörten Böden″ wie Straßenrändern, Kiesgruben, Bahndämmen, Baustellen und Schutthalden. Aber auch Gärten sind Wuchsorte, da mit Ambrosia-Samen verunreinigtes Vogelfutter häufig ein Einfuhrweg dieser ursprünglich in Nordamerika beheimaten Pflanze darstellt. Die einjährige, duftende Kurztagespflanze kann allergische Schwellungen der Schleimhaut, Bindehautentzündung, Quaddeln und Atemnot auslösen.

Auch um den Riesen-Bärenklau empfiehlt es sich, einen großen Bogen zu machen. Denn die auch als Herkulesstaude bezeichnete aggressive Pflanze gefährdet ebenfalls die menschliche Gesundheit: Bei Hautkontakt in Verbindung mit Sonnenlicht kann es zu schweren Verbrennungen kommen, deren Heilung durchaus Wochen dauern kann. Das ursprünglich aus dem Kaukasus stammende Verdrängergewächs bevorzugt nährstoffreiche Standorte und ist häufig an Bächen, auf Brachland oder an Wegesrändern vorzufinden vereinzelt findet es seinen Weg aber auch in Gärten. Christiane Balks-Lehmann vom Fachbereich Umwelt und Klimaschutz der Stadt Osnabrück bestätigt unserer Redaktion, dass städtische Grünflächen, Wege, Spielplätze und Gewässerufer regelmäßig beobachtet werden, damit die Herkulesstaude erst gar nicht hoch aufschießt. Per Kataster sind bekannte Standorte registriert, und die Pflanze wird manuell bekämpft.

Auch das Jakobskreuzkraut wird sowohl in der Stadt als auch im Landkreis eliminiert, wenn es auftritt zumindest auf verpachteten Beweidungsflächen und auf Flächen, die für den Naturschutz wichtig sind. Bernd Stegmann, Fachdienstleiter der Gemeinde Bissendorf für Ordnung und Soziales, bestätigt, dass der Baubetriebshof entsprechende Wucherungen abmäht sofern sie bei den regelmäßig stattfindenden Pflegegängen auffallen. Auch bei Hinweisen aus der Bevölkerung wird sofort reagiert.″

Die gute Nachricht: Eine Zunahme der Gefahr durch die Ausbreitung der Pflanzen wird in Osnabrück und Umgebung aktuell nicht gesehen. Auch nicht, dass Bienen beim Sammeln von Nektar Honig kontaminieren könnten. Imker, die dem Deutschen Imkerbund angeschlossen sind, werden stichprobenartig dreimal im Jahr auf alles Mögliche untersucht, auch auf Pestizide und Pyrrolizidinalkaloide″, gibt Ansgar Erpenbeck als Vorsitzender des Imkervereins Osnabrück und Umgebung Entwarnung.

Mag sein, dass der Klimawandel schuld daran ist, dass sich Neophyten und damit unter Umständen auch giftige Pflanzen in unseren Breiten zunehmend wohlfühlen und langsam ausbreiten. Bislang scheint es aber keinen Grund zur Panik zu geben, wohl aber zu erhöhter Aufmerksamkeit.

Holger Oldekamp vom Naturschutzbund (Nabu) rät zu einem differenzierten Blick, was mehr und weniger gefährlich ist. Es ist alles relativ zu sehen. Viele Insekten ernähren sich von den Blüten″, sagt er und verweist auf die verschiedensten natürlichen Abwehrstrategien der Pflanzen als Schutzreaktion, wenn man ihnen zu nahe kommt. Und auch Ute Gust findet: Das Leben mit der Natur ist nicht das Schlimmste, was man machen kann.″ Jakobskreuzkraut & Co im eigenen Garten zu kultivieren davon rät sie allerdings ab.

Bildtext:
Verwechslungsgefahr: Jakobskreuzkraut, Johanniskraut und Rainfarn (von links). Die Unterschiede definieren sich in Wuchshöhe, Blüten- und Blattform sowie in der Anzahl der Blütenblätter.
Die Raupen des Jakobskrautbären ernähren sich von den Blütenständen des Jakobskreuzkrauts.
Besser nicht berühren: Der Riesenbärenklau kann schwere Hautreizungen hervorrufen.
Fotos:
Monika Vollmer, imago images/ Harald Lange
Autor:
Monika Vollmer


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