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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Preiswert und klimaschonend
Zwischenüberschrift:
Das Geheimnis des Osnabrücker Sungliders
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Mit einer selbstfahrenden Solar-Schwebebahn aus dem 3-D-Drucker will die Firma Sunglider die Region Osnabrück vor dem Verkehrskollaps bewahren und zugleich Klimaprobleme lösen. Kosten? Angeblich nur ein Bruchteil im Vergleich zur Straßenbahn. Wir erklären, auf welche Zahlen sich die Planer stützen. Nichts weniger als eine Revolution des öffentlichen Nahverkehrs″ versprechen die Osnabrücker Unternehmer, die hinter dem 2018 gegründeten Start-up namens Sunglider stecken. Ihre Vision: eine autonom betriebene, sprich fahrerlose Schwebebahn für Stadt und Land. Mit Zügen, die schnell und preiswert im 3-D-Drucker entstehen und durch Sonnenkraft angetrieben werden eine Trasse, überdacht mit Solarmodulen, macht′s möglich. Am Boden sorgen elektrische Minibusse für den Transport zwischen Haustür und Haltestelle.

Mit dem Sunglider müsste niemand mehr länger als drei bis fünf Minuten auf eine Verbindung warten, egal wann er sie braucht″, behauptet Professor Dieter Otten, Aufsichtsratsvorsitzender der in Lotte ansässigen Sunglider AG und wichtigster Impulsgeber des Projekts. Erste Entwürfe für ein regionales Netz liegen bereits auf dem Tisch.

Mit Solarstrom

In der Sunglider-Ideenskizze, die unserer Redaktion vorliegt, machen die Erfinder beeindruckende Rechnungen auf. Sie stehen und fallen jedoch mit dem Plan, in die gut 250 Kilometer lange Bahntrasse aus Glas und Stahl überall, wo es nur geht″, Fotovoltaik zu integrieren, außerdem in die Fahrzeuge und Gebäude.

Gelingt dies, liefert das System den Angaben zufolge knapp 212 000 Megawattstunden Solarstrom im Jahr mehr als genug, um sich komplett selbst mit erneuerbarer Energie zu versorgen, erklärt Otten. Was die Anlage zu viel produziert, soll ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden.

Im Gegenzug hole sich der Sunglider die gleiche Menge von dort zurück, wenn die Sonne nicht scheine. Net-Metering (auf Deutsch: Netto-Messung) heißt diese Methode. Davon profitieren alle: die Bahn und die Stadtwerke″, betont der Professor. Nicht zuletzt liege im Fotovoltaik-Konzept eine Lösung für drängende Probleme wie Erderwärmung und Luftverschmutzung. Der Sunglider ist eine echte Klima-Bahn″, wirbt Otten. Nach seinen Berechnungen stößt die Solar-Schwebebahn ein Vielfaches weniger an Treibhausgas und Giftstoffen aus, als es ein ÖPNV mit Dieselbussen täte mögen dessen Fahrzeuge auch besonders modern sein. Bezogen auf Osnabrück, ließen sich angeblich 86 000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) im Jahr einsparen, außerdem mehr als 1000 Tonnen Stickoxide (NOx).

Gespart würde darüber hinaus bei den Ausgaben: Die Sunglider AG schätzt die Investitionskosten für ihr Produkt in der Vollausbaustufe auf 3, 15 Millionen Euro pro Kilometer. Macht bei dem avisierten Liniennetz eine Gesamtsumme von gut 800 Millionen Euro. Verglichen mit einer simplen Straßenbahn ohne alles″, heißt es in der Ideenskizze, bekäme man vorsichtig kalkuliert für dieselbe Summe gerade einmal ein Netz von 42, 6 Kilometer Länge″ hin.

Die Berechnung für den Sunglider enthält unter anderem Ausgaben für 285 Personenzüge (Stückpreis 50 000 Euro), 70 Güterzüge (30 000 Euro) und 160 Mini-E-Busse (22 000 Euro) sowie für 16 Bahnhöfe (1, 6 Millionen Euro) und 150 Haltestellen (800 000 Euro). Die Trasse ist mit insgesamt 255 Millionen Euro veranschlagt, die Fotovoltaik mit gut 333 Millionen. Ein weiterer dicker Brocken sind die Batteriesysteme: Sie sollen 43 Millionen Euro kosten. Das Computersystem zur Steuerung der Schwebebahn schlägt mit 3 Millionen Euro zu Buche. Bei den Betriebskosten kommen die Macher auf einen Betrag von 60, 5 Millionen Euro im Jahr.

Machbarkeitsstudie

Die Osnabrücker Stadtwerke stehen den Vorschlägen der Sunglider AG aufgeschlossen gegenüber. Wir sind für konstruktive Ideen immer offen und dankbar″, sagte Vorstand Stephan Rolfes auf Anfrage unserer Redaktion. Die Schwebebahn-Idee habe auf den ersten Blick Charme insbesondere, weil sie an einem entscheidenden Punkt ansetzt: ein Verkehrssystem auf einer anderen Ebene zu etablieren, sozusagen in der zweiten Etage″.

Kurzfristig umsetzbar ist das Sunglider-Konzept laut Rolfes allerdings nicht, sondern irgendwann ab 2050″. Dennoch lohne es sich, den Vorschlag auf seine technische Machbarkeit hin zu überprüfen. Osnabrück würde sich dafür sicherlich anbieten.″

Bildtext:
Oben eine Schwebebahn, unten eine Flotte von Mini-Elektrobussen alles fahrerlos und solarbetrieben: So stellt sich die Firma Sunglider in Osnabrück und Umgebung den ÖPNV von morgen vor.
Fotomontage:
Sunglider/ Dieter Otten
So stellen sich die Erfinder das Netz vor.
Grafik:
Sunglider

Das mögliche Sunglider-Netz
Für unsere Region schlagen die Erfinder des Sungliders ein 254 Kilometer langes Schwebebahn-Netz aus acht bis zehn Linien vor, auf dem sich entlang von 150 Haltestellen insgesamt 284 Personenzüge und 70 Güterzüge (für Paket- und Lieferdienste) bewegen.

Sternförmig führt das angedachte Netz von Osnabrück in das Umland bis nach Melle, Bohmte, Bramsche, Recke/ Mettingen, Ibbenbüren, Lengerich und zum Flughafen Münster/ Osnabrück (FMO). Eine Ringlinie umschließt die Osnabrücker Innenstadt. Auf einem zweiten, äußeren Ring verbindet der Sunglider nach Vorstellungen der Erfinder die Gemeinden Wallenhorst, Belm, Bissendorf, Georgsmarienhütte, Hasbergen und Lotte miteinander.
Autor:
Sebastian Stricker


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