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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Vom Arzt ins Todeslager geschickt
Zwischenüberschrift:
Gestapo hielt Katharina Heuer für eine „Asoziale″
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Katharina Heuer wurde im Juli 1943 verhaftet nicht etwa, weil sie eine Straftat begangen hätte. Die Nationalsozialisten bezeichneten sie als ar-beitsscheu″, asozial″ und unverbesserlich″. Die Osnabrückerin starb 945 im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück unter ungeklärten Umständen. Sie wurde 27 Jahre alt. Jetzt erinnert ein Stolperstein an das Opfer des NS-Regimes.

Sie wohnte an der Bremer Straße 70. Katharina Heuer war eine ledige Katholikin. Und sie war Arbeiterin, bis sie aus gesundheitlichen Gründen keiner Beschäftigung mehr nachgehen konnte aus welchem Grund, ist nicht überliefert. In der Gestapo-Kartei ist vermerkt, dass ihr von 1938 an um die 40 Arbeitsplätze zugewiesen wurden.
Eine Karteikarte des Hilfsausschusses dokumentiert darüber hinaus, dass Katharina Heuer auf ärztliche Anordnung hin ins Konzentrationslager eingewiesen wurde. Auch die in bestem Bürokratendeutsch abgefasste Begründung für ihre Verhaftung ist überliefert: Bei der Heuer handelt es sich um eine arbeitsscheue Person mit stark asozialem Einschlag. Sie ist unverbesserlich und bildet für die Allgemeinheit eine Gefahr. Es ist gegen die Heuer Schutzhaft und Einweisung in ein Konzentrationslager anzuordnen.″
Nach einem Erlass von 1937 galt den Machthabern als asozial, wer durch sein gemeinschaftswidriges, wenn auch nicht verbrecherisches Verhalten zeigt, dass er sich nicht in die Gemeinschaft und die in einem nationalsozialistischen Staat selbstverständliche Ordnung einfügen will″. Für die Verhaftung von sogenannten Volksschädlingen″ reichte vielfach schon ein bloßer Verdacht.
Im September wurde Katharina Heuer ins Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück nördlich von Berlin eingeliefert, wo die Nationalsozialisten zwischen 1939 und 1945 etwa 132 000 Frauen und Kinder gefangen hielten. Zehntausende von ihnen wurden ermordet oder starben an medizinischen Experimenten, Krankheiten und Hunger. 1944 baute die SS neben dem bereits bestehenden Krematorium eine Gaskammer, in der sie mehrere Tausend Menschen tötete.
Auf eine Anfrage des Vaters von Katharina Heuer hielt er im Oktober 1943 aus dem Konzentrationslager einen Brief mit der Antwort: Ihre Tochter sitzt gesund hier ein. Sie wird in Kürzeselbst schreiben.″ Ob es dazu kam, ist nicht bekannt.
Zurück nach Hause durfte sie nie wieder. Auf einer Karteikarte der Gestapo vom 20. März 1945 steht eine Notiz, nach der Katharina Heueram 1. Februar 1945 im Konzentrationslager Ravensbrück an Lungentuberkulose gestorben sein soll. Späterstellte sich heraus, dass die SS von Januar bis April 1945 in Ravensbrück 5000 bis 6000 Häftlinge mit Gas ermordete. Was Katharina Heuer während ihrer eineinhalbjährigen Gefangenschafter leiden musste, bleibt ungeklärt.

Bildtexte:
Bremer Straße 70 lautete die letzte Adresse von Katharina Heuer. Im Juli 1943 wurde sie nach Ravensbrück verschleppt.
Dieser Stolperstein erinnert an das Schicksal von Katharina Heuer.
Fotos:
Jörn Martens

Stolpersteine

Die in den Gehwegen verlegten Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und vielfach ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiatordes Projekts, dem sich bisher etwa 600 Kommunen angeschlossen haben außer in Deutschland in Ländern wie Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, Italien, den Niederlanden und der Ukraine. Patin des Stolpersteins für Katharina Heuer ist Elisabeth Nottbusch. Schüler des Berufsschulzentrums am Westerberg haben die Gedenktafel verlegt: Stefan Bischof, Cengiz Yaman, Francesco Russello und Sebastian Kemme. Das Büro für Friedenskultur nimmt für künftige Stolpersteine gern Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von Opfern des NS-Regimes entgegen. Kontaktaufnahme unter Telefon 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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