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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wie sich der Wald ändern muss
Zwischenüberschrift:
Der Klimawandel zwingt die Förster zum Umdenken / Selbst für Buchen könnte es bald zu trocken sein
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Bad Iburg Die anhaltende Trockenheit macht den Wäldern in Osnabrück zu schaffen. Besonders Nadelbäume wie die Fichte sterben reihenweise. Nun pflanzen Förster vermehrt heimische Laubbäume, um den Wald vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Doch selbst für diese könnte es bald zu trocken werden. Wir waren mit dem Landesförster Rainer Städing im Teutoburger Wald in Bad Iburg unterwegs.

Der Förster zeigte uns ein Waldstück am Dörenberg. Fichten stehen dort dicht an dicht. Kein anderer Baum wächst hier. Der Boden ist staubtrocken. Die Nadeln einiger Fichten haben sich aufgrund der Trockenheit bereits braun verfärbt. Ist die Krone der Fichte einmal braun, ist die Messe schon gesungen″, sagt Städing, der als Förster bei den Niedersächsischen Landesforsten arbeitet.

Der Wald hat in diesem Jahr besonders mit der anhaltenden Trockenheit zu kämpfen. Die Wasserspeicher haben sich wie sonst üblich im Winter nicht auffüllen können. Und die Dürre hält weiter an. Die Niederschläge in den vergangenen Wochen haben den Boden nur oberflächlich durchfeuchtet. Dort, wo Nadelbäume in Reih und Glied stehen, ist der Wald besonders anfällig. Unter den Förstern gibt es die Redensart: Willst du den Wald vernichten, pflanze nichts als Fichten.″

Insgesamt sind 41 225 Hektar im Landkreis Osnabrück bewaldet. Das entspricht 19 Prozent der Gesamtfläche, wie der Landkreis auf Nachfrage mitteilt. Der Anteil der bewaldeten Fläche ist damit geringer als im Landesschnitt (25 Prozent). Bundesweit sind 32 Prozent der Gesamtfläche bewaldet.

Wie weit die Nadelbäume in der Region verbreitet sind, konnte der Landkreis auf Anfrage nicht mitteilen. Niedersachsenweit bestehen 19 Prozent der Waldfläche aus Nadelwald-Monokulturen. Nadelbäume waren 2012 in Niedersachsen die vorherrschenden Bäume, wie aus der letzten Bundeswaldinventur hervorging. Sie machten einen Anteil von 52 Prozent aus.

Für die Förster seien die Fichten früher wahnsinnig interessant gewesen, erklärt Rainer Städing. Vor circa 200 Jahren hatten sie begonnen, flächendeckend Fichten anzubauen. Sie braucht nur 10 bis 20 Jahre, bis sie verwertbar ist. Eine Eiche muss zum Vergleich bis zu 60 Jahre wachsen, bis der Förster ihr Holz verkaufen kann. Rein wirtschaftlich gesehen, war es also sinnvoll, den Nadelbaum in Monokulturen anzupflanzen.

Ökologisch gesehen, ist es aber eine Katastrophe. Schädlinge wie der Borkenkäfer breiten sich nun explosionsartig aus. Zudem trocknet der Waldboden durch die herabfallenden Nadeln aus und wird sauer, wie Städing erklärt. So steigt die Waldbrandgefahr. Da die Fichten Flachwurzler sind, reichen ihre Wurzeln nur 40 Zentimeter tief in die Erde. Das macht sie anfälliger für Trockenheit und Stürme.

Geschwächt durch Stürme, Trockenheit und den Borkenkäfer, sterben die Fichten nun reihenweise. Die Käferwelle hat uns im letzten Jahr überrollt″, sagt Städing. Und auch in diesem Jahr befürchtet er das Schlimmste. Welche Folgen zu befürchten sind, zeigt sich in einer großen Lichtung am Dörenberg. Auf wenigen Metern sind hier gleich mehrere Fichten dem Sturm Friederike″ im Januar 2018 und dem Borkenkäfer im darauffolgenden Sommer zum Opfer gefallen.

Nun pflanzt der örtliche Förster hier Douglasien an. Die Nadelbäume kommen ursprünglich aus Nordamerika. Sie sind sehr dürreresistent und anspruchslos″, sagt Städing. Zusätzlich sollen aber auch die heimischen Buchen dazwischengepflanzt werden. Die Buche sei der von Natur aus vorherrschende Baum in Mitteleuropa. Durch sie soll sich das Waldklima verbessern. Laubbäume sorgen für viel mehr Schatten″, erklärt der Landesförster. Sie kühlen auf diese Weise den Wald und machen ihn feuchter. Waldbrände haben es so schwerer, sich auszubreiten. Außerdem bildet sich durch die herabfallenden Blätter wertvoller Humusboden. Doch die aktuelle Trockenheit macht es schwer, neue Bäume anzupflanzen. Die Pflanzungen sterben uns teilweise unter den Händen weg″, so Städing.

Sonne und Wind greifen die jungen Bäume ungehindert an. Das sei Gift für die Setzlinge. Die Birke könnte sich als Retter in der Not erweisen. Eigentlich sei diese unter den Förstern verpöhnt. Früher wurde sie auch Unkraut des Waldes″ genannt, so der Förster. Würde der Mensch nicht eingreifen, würde sich der widerstandsfähige Pionierbaum″ von Natur aus auf Lichtungen wie der am Dörenberg ausbreiten. Vereinzelt könne die Birke helfen, die Lücken im Wald zu schließen, erklärt Städing. Stehen die Bäume mit der charakteristischen weißen Rinde erst einmal, schützt ihr Blätterdach die jungen Bäume am Boden. Aber für die Forstwirtschaft ist die Birke nicht verwertbar. Ein großflächiger Birkenwald ist deshalb nicht vorstellbar, sagt Rainer Städing.

Um den Wald gegen die Folgen des Klimawandels zu schützen, haben die Förster bereits damit begonnen, den Wald umzubauen. Langfristig sollen flächendeckend Mischwälder aus Nadel- und Laubbäumen entstehen. Auf dem Freeden bei Bad Iburg wachsen bereits erste Buchen im Schatten der Fichten.

Aus welchen Bäumen genau sich die neuen Wälder zusammensetzen, hängt zum einen von der jeweiligen Region ab. Zum anderen fließen aber auch die Klimamodelle des Weltklimarates (IPCC) in die Wahl der Baumarten mit ein, so der Landesförster. Doch der Waldumbau braucht sehr viel Zeit. Etwa 40 bis 50 Jahre, schätzt Städing. Er befürchtet, dass es bis dahin selbst für die heimische Buche zu trocken werden könnte. Deshalb testeten einige Förster bereits exotische Baumarten, wie zum Beispiel die Esskastanie, Nussbäume oder die Baumhasel. Der Klimawandel droht den Waldumbau zu überholen″, warnt der Landesförster.

Bildtexte:
Mehr Laubbäume sollen den Wald zukünftig kühlen und für mehr Feuchtigkeit sorgen.
Landesförster Rainer Städing auf einer Lichtung.
Der tote Setzling einer Douglasie.
Fotos:
Swaantje Hehmann
Autor:
Friedrich Niemeyer


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