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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Dümmer verliert 1500 Liter pro Sekunde
Zwischenüberschrift:
Pegel ist aktuell um 25 Zentimeter zu niedrig / Badeverbot ist wieder aufgehoben
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Diepholz/ Lembruch Der Wasserstand des Dümmers liegt aktuell mehr als 25 Zentimeter unter dem sommerlichen Durchschnittswert. Grund dafür ist aber nicht die Tatsache, dass aus dem See auch Wasser in die Flüsse Lohne und Grawiede abgeführt wird, sondern die große Verdunstung durch die Hitze. Denn der Dümmer verliert derzeit 130 Millionen Liter Wasser pro Tag pro Sekunde werden aktuell rund 1500 Liter verdunstet. Das entspricht in etwa der Menge von 10 Badewannen.

Das geht hervor aus Berechnungen des Biologen Hans-Heinrich Schuster, der im Auftrag des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN) die Pegelstände des Dümmers beobachtet. Der Wasserverband Hunte als zuständige Behörde aus Diepholz sieht die Zahlen dennoch gelassen: Im vergangenen Jahr sei sogar ein Hafen trockengelaufen, das sei bisher noch nicht geschehen.Der Pegel sinkt weiter

Hans-Heinrich Schuster, der als Seeforscher genauestens über die niedersächsischen Binnengewässer Bescheid weiß, hatte seine Messungen am 19. Juli der Behörde mitgeteilt. Seine Prognose: Der Pegel wird weiter sinken. Da ergiebige Niederschläge auch in der nächsten Woche nicht in Sicht sind und die Umgebungstemperaturen weiter ansteigen sollen″, sei von einem weiteren Absinken auszugehen, schreibt Schuster in seiner Mitteilung.Segler äußern Kritik

Als umso ärgerlicher erleben es manche der Segelsportler und Bootsbesitzer, dass aus dem Dümmer auch Wasser abgeleitet werden muss. Dies sei immer mal wieder ein Kritikpunkt, sagt Wolfram van Lessen, der Vorsteher des zuständigen Hunte-Wasserverbands dafür habe er Verständnis, bei einer Durchschnittstiefe von nur 1, 20 Metern könne es bei sinkenden Pegeln für die Bootsführer manchmal schwierig werden.

Doch die Abflüsse seien erstens per Vorgabe genau festgelegt (300 Liter pro Sekunde gehen in die Lohne und 150 Liter pro Sekunde in die Grawiede), machten sich aber zweitens nicht so gravierend bemerkbar durch die Verdunstung verschwände viel mehr Wasser. Die Abflüsse seien nötig, um die Wasserqualität in den Nebenflüssen aufrechtzuerhalten, damit die darin lebenden Fische überleben könnten.Ein Hafen ohne Wasser

Außerdem sei der Pegelstand in diesem Sommer noch nicht so tief gesunken wie im vergangenen Jahr, sagt van Lessen weiter. Er erinnert sich daran, dass 2018 sogar der Hafen in Hüde teilweise über so niedriges bis gar kein Wasser mehr verfügte, dass die Boote auf dem Trockenen gelegen hätten. Das sei bisher nicht so.

Die von Schuster berechnete Verdunstungsmenge beruht auf der Annahme, dass bei hohen sommerlichen Temperaturen und leichtem Wind täglich ca. 10 Liter pro Quadratmeter (oder physikalisch 1/ cm ) verdunste. Auf die Seefläche hochgerechnet seien dies also etwa 130 Millionen Liter bzw. 130 000 Kubikmeter pro Tag. Pro Sekunde verdunsteten von der Wasseroberfläche somit 1500 Liter.Badeverbot aufgehoben

Aufgehoben ist inzwischen das in der vergangenen Woche kurzzeitig verhängte Badeverbot. Aktuell weht am Dümmerufer die gelbe Fahne. Das bedeutet, dass die Möglichkeit einer Verunreinigung durch Blaualgen bestehe, aber aktuell keine vorhanden ist Badende sollten darauf achten, ob sich das Wasser eintrübt. Dann sei es ratsam, das Wasser zu verlassen. So steht es auch auf den Infotafeln rund um den See.

Wie Wolfram van Nessen sagt, habe der Dümmer zwar eine Durchschnittstiefe von nur rund 1, 20 Metern es gäbe jedoch auch im Dümmer einige Baggerlöcher, die bis zu drei Meter und mehr an Tiefe erreichen könnten. Theoretisch bedeutete dies: Man kann auch im Dümmer nicht überall stehen″, sagt der Verbandsvorsteher.

Bildtexte:
Eine große Wasserfläche in der Hitze des Sommers... Aus der Luft betrachtet wird klar, warum am Dümmer derzeit besonders viel Wasser verdunstet.
Ein Segler auf dem Dümmer.
Idyllisch: der Hafen in Lembruch.
Fotos:
Martin Nobbe, David Hausfeld/ Archiv, Christa Bechtel/ Archiv

Kommentar
Überlastet?

Wäre der Dümmer ein Mensch, würde er wohl die Arme in die Luft werfen und laut ausrufen: Ja, was soll ich denn noch alles? Angesichts der Wettertrends mit gleich zwei viel zu trockenen Supersommern aufeinander muss die Frage erlaubt sein: Erwarten wir am Ende nicht doch zu viel von dem kleinen und charmanten See? Allzu groß ist er nun nicht, über allzu viel Wasser verfügt er auch nicht. Und doch soll er den Sommertouristen ein erfrischendes und möglichst keimfreies Bad ebenso ermöglichen wie den Seglern die benötigte Handbreit Wasser unterm Kiel, soll den in ihm lebenden Fischen und denen in den Nebenflüssen eine vitale, zumindest lebenserhaltende Heimat sein und gleichzeitig Naturfreunde anlocken. Bleiben die Sommer so, wird sich noch zeigen: Vielleicht doch zu viel auf einmal?

t.achenbach@ wittlager-kreisblatt.de
Autor:
Thomas Achenbach


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