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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gasumstellung: Rolf hat die Hälfte geschafft
Zwischenüberschrift:
SWO-Netzbetreiber lobt Kunden
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Kevin Wolf klingelt an einer Haustür an der Petersburg und hat Glück. Der Summer erklingt, die Tür öffnet sich, und der Monteur kann in den dritten Stock klettern. Hier wartet eine Gasetagenheizung auf ihn. Sie braucht neue Düsen für das neue Gas, das ab Oktober durch alle Osnabrücker Leitungen fließen soll.

Wolf ist einer von etwa 40 Monteuren, die derzeit alle Osnabrücker mit Gasgeräten besuchen, die an das Netz der Stadtwerke Netztochter (SWO-Netz) angeschlossen sind, um deren Geräte auf das High-Gas einzustellen. Nicht immer wird ihnen die Tür zum festgelegten Termin geöffnet, aber im Großen und Ganzen läuft die Umstellung nach Plan. Projektleiter Christian Lüttkemöller lobt die SWO-Netz-Kunden, die sich nach seinen Worten in der überwiegenden Zahl sehr kooperativ verhalten.Erfolgreiche Kampagne

Lüttkemöller spricht von einer sehr guten Ersterreichbarkeitsquote″, also denjenigen, die zum abgesprochenen Termin auch tatsächlich die Tür öffnen. In Osnabrück liegt diese Quote bei über 80 Prozent. Das ist ein sehr hoher Wert″, sagt Lütkemöller. Dieser Erfolg sei der Kampagne zuzuschreiben, mit der die Stadtwerke die Gasumstellung begleiten. Mittelpunkt dieser Kampagne ist Rolf″, der imaginäre Monteur, der in alle Haushalte kommt. Zwar heißen nur die wenigsten der Techniker, die für die Umstellung der Gasgeräte sorgen, Rolf, der Name aber hat sich bei den Osnabrückern mittlerweile verfestigt. Die Stadtwerke erreichen derzeit sogar Mails und Briefe mit der Anrede Hallo Rolf″, sagt Stadtwerkesprecherin Lisa Hoff. Zu ihrer Überraschung haben sich sogar Rolf-Fans an die SWO-Netz gewandt und nach Stickern, Plakaten und anderen Artikeln gefragt, um damit Geburtstagskinder mit gleichem Namen zu beglücken. Die SWO-Netz zeigte sich nicht kleinlich, und so konnten Partygäste zum Beispiel mit dem Sticker Ich bin Kollege von Rolf″ ihrem gleichnamigen Geburtskind die Ehre erweisen.

Aber das sind nur die kleinen Schmankerl am Rande. Im Kern steckt hinter der Gasumstellung ein erheblicher logistischer Aufwand. Fast 60 000 Geräte, aufgeteilt in etwa 5000 unterschiedlicher Typen, müssen in der Stadt umgestellt werden. Darunter auch Exoten wie Heizungen der Firma Neue Harzer Werke oder zwei Baumkuchenmaschinen. Überwiegend aber sind es gängige Geräte, bei denen in erster Linie die Düsen gewechselt werden müssen, durch die das Gas strömt. Die alten Düsen haben größere Bohrungen″, sagt Carsten Matzak, Projektleiter der Firma Eltel, die einer von drei Kooperationspartnern der SWO-Netz ist. Mit dem neuen H-Gas, das einen höhen Brennwert hat, würden die Düsen zu heiß. Deshalb müssen Düsen mit kleineren Durchmessern her. Matzak verantwortet die Material-Logistik. Auf seinem Betriebshof stehen fünf blaue Überseecontainer, in denen sich die Kisten mit den Umrüstteilen stapeln, mit denen die Monteure auf Tour gehen. Der Inhalt der Kisten, die in Holzwickede gepackt werden, korrespondiert mit den Adressen und Terminen, die der jeweilige Monteur innerhalb einer Woche anfahren soll. Sämtlicher logistischer Aufwand von der ersten Geräteerhebung, die der Umstellung vorgeschaltet war, über die Terminabsprache bis hin zur taggenauen Abarbeitung durch Kevin Wolf und seine Kollegen bündelt sich sozusagen in diesen Boxen.Logistikkette

Weil wir die Touren immer wochenweise zusammenstellen, ist es auch so schwierig, Terminverschiebung über eine Woche hinaus zu realisieren″, sagt der technische Projektleiter Steven Vogt von der Firma ESK. Ein Bruch in der Organisations- und Logistikkette löst einen Haufen Arbeit aus, den die Stadtwerke gerne vermeiden wollen.

Bei Kevin Wolf läuft′s an diesem Dienstag, und so kann er der schon leicht betagten Vaillant-Therme stressfrei neue Düsen verpassen. Das Modell von 1986 lässt allerdings keinen Düsenwechsel en bloc zu. Alle 16 alte Düsen wollen einzeln herausgedreht und die neuen wieder eingedreht werden. Etwa 20 bis 30 Minuten braucht Wolf nach eigenen Worten für eine Umrüstung, durchschnittlich 17 schaffe er an einem Tag, wenn es gut laufe. In manchen Gegenden sinkt seine persönliche Ersterreichbarkeitsquote allerdings auch schon mal auf 50 Prozent. Vor allem in Studenten-WGs bleiben unsere Terminzettel mal liegen″, weiß Wolf um die Spezialitäten spezifischer Kundengruppen. Da braucht er dann mehrere Anläufe, bis ihm jemand öffnet. Das kann durchaus noch am späten Nachmittag eine noch recht verschlafene Bewohnerin im Nachtgewand sein. Wolf ist es herzlich egal, Hauptsache er kann seinen Auftrag abwickeln. Denn wenn der jeweilige Bezirk auf das neue Gas umgestellt wird, muss die Anpassung der Geräte abgeschlossen sein.

Es gibt allerdings auch äußerst hartnäckige Zeitgenossen, die auf keine Nachricht, keinen Anruf oder Brief reagieren. Eskalationsfälle″ nennt Lüttkemöller diese umstellungstechnischen Totalausfälle. Wir probieren dann alles Mögliche, um das Problem zu lösen.″ Allerletzte Konsequenz ist die Abschaltung des Gases für diese Kunden. 100 derartige Eskalationsfälle hat es nach Lüttkemöllers Worten bei bislang 30 000 Umstellungen gegeben. Davon konnten 82 Kunden zum Teil buchstäblich noch in letzter Sekunde erreicht und ihre Geräte eingerichtet werden. Nur bei 18 Haushalten musste das Gas komplett abgedreht werden. Die Sicherheit geht auf jeden Fall vor″, unterstreicht Lüttkemöller. Deshalb sei es in diesen Fällen unumgänglich gewesen, die Haushalte vom Gasnetz zu trennen.

Spätestens Ende des Jahres soll die Umstellung abgeschlossen sein. Damit endet dann eines der größten Infrastrukturprojekte der Stadtwerke in den vergangenen Jahrzehnten. Wolf, Matzak und Kollegen ziehen dann um in das nächste von der Gasumstellung betroffene Gebiet. Die Kollegen von den SWO-Netz werden sie nur mit einem lachenden und einem weinenden Auge ziehen lassen, wie Lütkemöller sagt. Es habe sich ein supertolles Team″ zusammengefunden, sagt er. Da ist es schon auch ein bisschen traurig, wenn hier am Ende alle wieder auseinanderlaufen.″

Bildtexte:
Herrscher über das Materiallager ist Carsten Matzak, der die Logistik für die Gasumstellung verantwortet.
Mit einem alten Vaillant-Schätzchen aus dem Jahr 1986 hat es Monteur Kevin Wolf zu tun.
Alte und neue Düsen: Die alten Düsen (im Bild die untere Reihe) haben größere Bohrungen als die für das H-Gas benötigten neuen Düsen.
Taggenau mit den benötigten Materialien abgepackt, warten die Kisten auf die Monteure.
Die einzelnen Umstellungsbezirke sind auf einem Stadtplan erfasst. Christian Lütkemöller (r.) und Steven Vogt als technischer Projektmanager diskutieren, welcher Bezirk wann umgestellt werden soll.
Fotos:
Hermann Pentermann

Die Erdgasumstellung in aller Kürze

Gaskunden in Deutschland werden derzeit, je nach Region, entweder mit L-Gas oder H-Gas versorgt. Beide unterscheiden sich in ihrer chemischen Zusammensetzung und somit ihrem Brennwert, der in Kilowattstunden pro Kubikmeter [kWh/ m³] gemessen wird. Der Brennwert von H-Gas ist höher als der von L-Gas (rund 11, 5 kWh/ zu 10 kWh/ m³). L-Gas wird beispielsweise in den Niederlanden und in Deutschland gefördert, H-Gas zum Beispiel in Norwegen und Russland. L-Gas steht aufgrund rückläufiger Fördermengen in der Zukunft nicht mehr unbegrenzt zur Verfügung, daher wird seit dem Jahr 2015 (bis voraussichtlich 2030) in allen mit L-Gas versorgten Gebieten (Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz) die Versorgung nach und nach auf H-Gas umgestellt. Die Umstellung wird sich über mehrere Jahre erstrecken. Die meisten Gasgeräte, die bisher mit L-Gas betrieben werden, dürfen und können nicht ohne Weiteres mit H-Gas betrieben werden. Daher müssen für eine weiterhin zuverlässige und sichere Funktion alle Gasgeräte einzeln durch einen Fachbetrieb angepasst werden. Dabei reichen die notwendigen Maßnahmen von softwareseitigen Anpassungen der Steuerung bis hin zum Austausch von Düsen und Brennerplatten.


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