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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Der Tresor überstand den Sturz durch zwei Stockwerke
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Gastronomie-Ausstatter Hase+Co blickt auf 100-jährige Firmengeschichte zurück
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Wenn man 60 Tassen auf einen Schlag verkaufen kann, dann ist das besser, als nur zwei Trinkgefäße an den Mann oder die Frau zu bringen. Das war die simple, aber kluge Gründungsidee des Porzellan-Vertreters Georg Hase, als er vor 100 Jahren mit dem En-gros-Verkauf von Geschirr begann. Das Konzept hat sich bewährt und den Gastronomie-Ausstatter Hase+ Co zu seiner heutigen Größe geführt.

Nicht nur Microsoft-Gründer Bill Gates begann in einer Garage. Lange vor ihm startete Georg Hase genauso. Wenn die heutigen Geschäftsführer Gerhard und Philipp Trentmann das Firmenalbum aufschlagen, dann fällt als Erstes der Blick auf jene Garage in der Voigts-Rhetz-Straße, in der Georg Hase ab 1919 Teller und Tassen stapelte, bald ergänzt um weiteren Wirtebedarf wie Gläser und Bestecke. Als die Garage zu klein wurde, ergriff Hase 1921 die Gelegenheit, in die Innenstadt zu ziehen, und zwar in die Herrenteichsstraße dorthin, wo heute das L& T-Parkhaus steht. Hier gab es richtige Schaufenster, in denen man das erweiterte Sortiment wie Kochtöpfe und Einmachgläser aufbauen konnte.

Beim Bombenangriff 1944 ging alles verloren. Bis auf den Tresor. Der rauschte zwar durch die geborstenen Decken vom ersten Obergeschoss bis in den Keller hinunter, blieb aber bis auf ein paar Schrammen unversehrt.

Das war noch Wertarbeit″, kommentiert Gerhard Trentmann das gute Stück der Osnabrücker Geldschrankfirma Reil, das bis heute funktioniert und einen Ehrenplatz in den Geschäftsräumen einnimmt.

Vier Jahre lang führte Georg Hase die Geschäfte in bescheidenem Rahmen auf einem Bauernhof in Merzen fort, bis er 1948 nach Osnabrück zurückkehren konnte. Heute würde man wohl von einem Shop-in-Shop″-Konzept sprechen: Er wurde Untermieter in der Fleischerei Linnemeyer am Grünen Brink. Auf zwei Gartentischen verkaufte er dort Einmachgläser.

Jetzt kam so langsam die aktuelle Eigentümerfamilie Trentmann ins Spiel. Denn die Trentmanns hatten schräg gegenüberliegend einen Gemüseladen im Eckhaus Grüner Brink 8/ Kamp. Die Großeltern und Eltern von Gerhard Trentmann hatten dort Obst und Gemüse verkauft, das sie in eigenen Gewächshäusern an der heutigen Ernst-Sievers-Straße gezogen hatten. Der Vater war im Krieg gefallen, die Großeltern ebenfalls schon tot, und so standen Mutter und Tante nach dem Krieg allein mit ihrem Laden da, den sie bald aufgaben. Georg Hase schaute ständig auf die vernagelten Schaufenster. Er dachte sich: Dort drüben hätte ich mehr Platz als hier im Schlachterladen mit meinen beiden Gartentischen.

Eines Tages sprach er Mutter Trentmann an, die bei Linnemeyer wie immer ihre Wurst einkaufte. Ob es nicht schön wäre, wenn sie wieder richtige Schaufenster eingebaut bekäme? Ob sie nicht überhaupt den Laden vermieten möchte? Sie war nicht abgeneigt.Schaufenster organisiert

Über die Einmachgläser hatte Hase Beziehungen zu Glashütten, die ihm auf verschlungenen Pfaden letztlich den Bezug von Fensterglas ermöglichten. So bekamen die Trentmanns 1950 schöne, neue Schaufenster und einen Mieter. Dem wurden die ersten drei Monatsmieten erlassen, weil er für die Scheiben gesorgt hatte. Beim Schlachter Linnemeyer hätte Georg Hase ohnehin nicht mehr lange bleiben können, denn dessen Haus wurde später hinwegsaniert. Heute sind dort die Bussteige und der Taxistand Neumarkt.

Gerhard Trentmann wohnte mit seiner Mutter weiterhin im Haus über der Firmenetage. Georg Hase brauchte einen Laufburschen. Da lag es nahe, den jungen Carolinger zu engagieren. Gerhard Trentmann war glücklich, sein Taschengeld etwas aufbessern zu können. Für zwölf DM in der Woche flitzte er nachmittags für Hase+ Co durch die Stadt, machte Kleinauslieferungen, brachte Päckchen zu Post und Bahn oder erledigte Behördengänge.

1961, mit dem Abiturzeugnis in der Tasche, stand ihm die Welt offen. Trotzdem entschied ich mich, in die kleine Drei-Mann-Klitsche von Georg Hase zu gehen und dort eine kaufmännische Lehre zu beginnen″, sagt Trentmann heute rückblickend auf eine Entscheidung, die damals weniger mit Ratio als mit Bauchgefühl zu tun hatte. Sie sollte sich als goldrichtig erweisen.

Arbeitsplatz des Lehrlings Gerhard Trentmann wurde einer der Gartentische, auf denen in der ersten Nachkriegszeit die Einmachgläser gestapelt waren. Von hier aus steuerte″ Trentmann das Geschäft, sprach bald ein Wörtchen mit, machte dem alten Hasen″ Mut zu Sortimentserweiterungen. Vorher gab es hier kein Gerät mit einem Stecker, den Bereich haben wir dann schnell aufgebaut, erst Fritteusen und Spülmaschinen, dann Schneidemaschinen, komplette Imbisszeilen, Großkochgeräte, Ablufthauben und so weiter″, zählt Gerhard Trentmann auf. Der Pferdestall und der Schweinestall im Innenhof wurden zu Lagerflächen umgebaut, später auch die alte Siebert′sche Fuhrhalterei am Kamp 25 mit ihren Lagermöglichkeiten dazugenommen.

Aus heutiger Sicht waren das alles Notbehelfe, denn die Firma befand sich in einer steilen Aufwärtsbewegung zum Komplettausrüster für Restaurants, Hotels und Großküchen jeglicher Couleur. 1966 dann ein großer Schritt nach vorne: Hase+ Co baute am Karlsring 3 (heute Erich-Maria-Remarque-Ring) ein neues Geschäftshaus mit großzügigen Ausstellungsflächen.Fließender Übergang

Eine Planungsabteilung und Reparaturwerkstätten fanden dort ebenfalls Platz. Georg Hase hat die Einweihung im Oktober 1966 noch miterlebt, bevor er 1970 starb. Der kinderlose Mann hatte sein Haus gut bestellt und beizeiten die Geschäftsführung und die Gesellschaftsanteile an Gerhard Trentmann übertragen. Der war bald nicht mehr allein: 1973 heiratete er seine Ulrike, die tatkräftig beim weiteren Ausbau des Unternehmens mitwirkte.

1976 stand der bislang letzte große Umzug an. Hase+ Co hatte in der Kiebitzheide im Gewerbegebiet Fledder ein Grundstück erworben. In mehreren Bauabschnitten wuchs das Unternehmen hier bis zu seiner heutigen Größe von 8000 Quadratmeter Grundfläche an, auf denen vom Kaffeelöffel bis zur Großkücheneinrichtung alles gezeigt und ausprobiert werden kann. Kunden sind Profi-Gastgeber aller Art also zum Beispiel die Betreiber von Cafés, Restaurants, Bars, Bäckereien, Fleischereien, Imbissen und Orten der Gemeinschaftsverpflegung. Ihnen werden nicht nur die Grundfunktionen Kochen, Spülen, Kühlen″ angeboten, sondern umfassende Planungsleistungen von der Standortauswahl bis zur Montage-Logistik.

Mittlerweile sind 70 Prozent des Umsatzes planungsbehaftet″ und gehen übers Brett″, wie man im Firmenjargon sagt. Gemeint ist das gute, alte Zeichenbrett, das aber in Wirklichkeit keine Rolle mehr spielt, sondern vom Computer abgelöst ist. Die restlichen 30 Prozent entfallen auf das Sortiment gedeckter Tisch″ und Küchen-Kleingeräte, die keiner Planung bedürfen. Im Stammhaus Osnabrück sind 60 Mitarbeiter beschäftigt, in den Filialen Leipzig und Münster zusammen weitere 80.

Seit 2005 ist Sohn Philipp Trentmann mit im Geschäft, seit 2008 trägt er gemeinsam mit dem Vater die Verantwortung. Philipp kümmert sich insbesondere um die Systemgastronomie. Wenn du einer Restaurantkette eine gute Lösung beispielsweise für eine neue Grillstation präsentiert hast, dann kannst du die gleich 28-mal liefern″, sagt Gerhard Trentmann, insofern hat Philipp die Weisheit des alten Georg Hase genau verstanden: 60 Tassen zu verkaufen ist besser als zwei.″

Bildtexte:
Das Eckhaus Grüner Brink/ Kamp war von 1950 bis 1966 Sitz des Küchenausstatters Hase + Co. Firmenarchiv Hase+ Co
Da ist das gute Stück: Der Geldschrank fiel 1944 durch zwei Stockwerke.
Die aktuellen Firmengebäude an der Kiebitzheide im Gewerbegebiet Fledder.
Gerhard Trentmann (links) und Sohn Philipp stehen heute an der Spitze der Firma.
Firmengründer Georg Hase (links) und sein Nachfolger Gerhard Trentmann bei der Einweihung des Neubaus Karlsring 3 am 3. Oktober 1966.
Fotos:
Joachim Dierks, Firmenarchiv Hase+ Co
Autor:
Joachim Dierks


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