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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Auf dem Ledenhof sprießen Unkraut und neue Ideen
Zwischenüberschrift:
Dem Preisgericht liegen 18 Gestaltungsentwürfe vor / Das Geld für den Umbau ist da
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Wer einmal Unkraut oder wie es wertfrei heißt: Wildkräuter in voller Pracht erleben will, gehe jetzt zum Ledenhof. Der einstige Vorzeigeplatz vor dem Osnabrücker Schloss wuchert zu wie ein verlassener Garten Eden. Aber: Hinter den Kulissen tut sich was. Die Wende naht.

Der städtebauliche Wettbewerb zur künftigen Gestaltung des Ledenhofes geht in die entscheidende Phase. 18 Fachbüros aus Deutschland und dem europäischen Ausland haben sich nach einer europaweiten Ausschreibung daran beteiligt, wie Stadtplanerin Helma Pötter sagt. Das ist ein unglaublich spannender Prozess.″Förderprogramm

Sechs Büros hatte die Verwaltung ausgewählt, zwölf weitere waren ausgelost worden. Die Entwürfe werden jetzt einer Vorprüfung unterzogen und dann dem Preisgericht vorgelegt, das am 29. August tagt und eine Entscheidung trifft. Erst danach werden Inhalte und Konzepte öffentlich vorgestellt, unter anderem in einer Ausstellung ab 6. September in der Familienbildungsstätte.

Eine wichtige Voraussetzung für die Ledenhof-Wiederbelebung ist schon erfüllt: Die Finanzierung steht. Sechs Millionen Euro Fördergeld sind aus dem Städtebauförderprogramm Zukunft Stadtgrün″ bewilligt. Davon fließen unter anderem 1, 8 Millionen in den Schlossgarten, 1, 2 Millionen in den Neuen Graben, 250 000 Euro in das historische Steinwerk und zwei Millionen in den Ledenhof.

Der Ledenhof hat eine Generalüberholung dringend nötig. In diesen Tagen bietet der Platz ein trostloses Bild, denn die Pflege ist natürlich auf ein Minimaß zurückgefahren worden. Steine brechen aus den Stufen, aus den Beeten wuchern wilde Triebe kniehoch.

Der frühere Wasserfall am Steinwerk ist unter verdorrten Sträuchern verborgen, Betonpoller neigen sich, Graffiti allüberall. Freunde gepflegter Gartenkultur würden sich beim Anblick des Wildwuchses entsetzt abwenden.

Eine Schmuddelecke. Und dieser Zustand währt schon lange. Es lohnt sich ein Blick ins Zeitungsarchiv: 1976 verlieh der preisgekrönte Architekt Helge Bofinger dem Klinkerplatz auf der Tiefgarage mit verwegenen Wasserspielen einen sinnlich-belebenden Charakter. Doch die Folgekosten waren so hoch, dass die Stadt das Wasser abdrehte. Aus den Brunnen wurden Beete.

Architekt Bofinger war sauer, dass die Stadt den Platz vor die Hunde gehen ließ, und pochte auf sein Urheberrecht. Das war 2013. Unsere Redaktion berichtete damals, Bofinger wäre gegen Zahlung einer Entschädigung bereit, die Missachtung seines geistigen Eigentums zu erdulden. Der Streit zog sich hin, auf dem Ledenhof passierte nichts. Bis die Stadt die Entscheidung traf, den Platz von Grund auf neu zu gestalten und einen neuen Wettbewerb auszuloben. Damit hatte sich der Streit um Urheberrechte erledigt.Bürger reden mit

Auch die Bürgerschaft hatte die Möglichkeit, bei der Neugestaltung ein Wörtchen mitzureden. Im März fand eine Bürgerwerkstatt mit 20 Teilnehmern statt, in dem Grundzüge der künftigen Gestaltung erörtert wurden. Eine Forderung, die dabei immer wieder gestellt wurde, ist ein besserer Übergang vom Ledenhof zum Schloss. In der Vergangenheit hatte die Stadt sogar Barrieren aufgestellt, um Fußgängern das Überqueren der breiten Fahrbahn zu erschweren.

Einige Teilnehmer wünschten sich einen Ruhepunkt im Stadtrummel mit Rasen und beruhigender Bepflanzung. Anderen schwebte ein Platz für Events vor, wie es sie mit dem Eiszauber im Winter schon gibt.

Ein Teilnehmer aus dem Bürgerworkshop, der per Los bestimmt wird, nimmt an der Sitzung des Preisgerichts Ende August teil. Er darf seine Meinung äußern, aber nicht abstimmen. Die stimmberechtigten Preisrichter sind: Stadtbaurat Frank Otte, Hartmut Dammerow vom OSB, drei Landschaftsarchitekten und zwei Mitglieder des Rates. Als nicht stimmberechtigte Mitglieder nehmen außerdem Vertreter der Anlieger (IHK, Evangelische Stiftungen, Kirchengemeinde St. Katharinen, Universität, Freimaurerloge) teil.

Auch am Rande des Platzes wird es gravierende Änderungen geben. Die Evangelischen Stiftungen wollen das Diakonie-Altenheim 2021 oder 2022 abreißen und durch einen Neubau für betreutes Wohnen ersetzen.Neues Quartier

Am Ende des Prozesses soll sich das gesamte Quartier mit Schloss, Schlossgarten, Ledenhof und dem Neuen Graben neu präsentieren. Die Umgestaltung des Schlossgartens ist schon beschlossene Sache. Ausgangspunkt war dort der Wunsch der Universität, an der Mensa ein Lern- und Studentenzentrum zu bauen. Dafür muss der Kinderspielplatz verlegt werden.

Bildtext:
Trostlos sieht der Ledenhof zurzeit aus, denn die Pflege ist auf ein Minimum reduziert.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Und der Übergang zum Schloss?

Neumarkt, Schlossgarten, Ledenhof, Güterbahnhof: vier Orte, ein Thema. Osnabrück hat über Jahre diese Plätze und Viertel dahinsiechen lassen (müssen). Weil das Geld fehlte, weil kein Konsens mit den Grundstückseigentümern zu finden war, weil die Politik sich über Planungsziele nicht einig war.

Zugegeben, die Aufgabe am Neumarkt ist knifflig angesichts der jüngsten Entwicklung nach der Flucht des Centerinvestors und der betonbedingten Verschiebung des Platzumbaus. Auch für den Güterbahnhof und den Ringlokschuppen sind keine Perspektiven erkennbar. Immerhin kommt nun in zwei Objekte Bewegung. Im Schlossgarten werden bald die Arbeiten beginnen, für den Ledenhof wird es im Herbst ein Gestaltungskonzept geben.

Wir dürfen gespannt sein, was die Stadtplaner und Landschaftsarchitekten sich für den Ledenhof überlegt haben. Spannend ist auch die Frage, wie der von vielen gewünschte Brückenschlag zwischen Ledenhof und Schloss gelingen kann. Dazwischen liegt das trennende Asphaltband namens Neuer Graben. Welche Funktion wird diese Straße künftig haben: Muss sie zusammen mit dem Neumarkt den Ost-West-Durchgangsverkehr aufnehmen, oder wird sie zu einer Art verkehrsberuhigter Sackgasse abgestuft, genutzt vorrangig von Autofahrern, die die zentrumsnahen Parkhäuser ansteuern? Ein Detail in der Gesamtplanung, gewiss, aber eines, das die Grundfrage der lokalen Verkehrsstrategie berührt: Wie viel Platz soll das Auto künftig haben? w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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