User Online: 1 | Timeout: 12:03Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Das Dürreopfer am Hauptbahnhof
Zwischenüberschrift:
Eine vertrocknete Kirsche reckt sich als trauriges Mahnmal in den Himmel
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Dies ist die traurige Geschichte eines Bäumchens, das zur falschen Zeit am falschen Ort gepflanzt wurde. Seine kümmerlichen Überreste recken sich am Hauptbahnhof mahnend in den Himmel. Klagen sie die Erderwärmung an? Die unzureichenden Lebensbedingungen in der Stadt? Den Autoverkehr? Sicher schon bald werden die Stadtgärtner das Häufchen Elend vom Erdboden verschwinden lassen.

Das Bäumchen war einmal eine Kirsche, das lassen die vertrockneten Blätter und die mit Flechten überzogene Rinde erkennen. 2010, als der gläserne Aufzug zur Humboldtbrücke fertig war, sollte dem weitgehend versiegelten Umfeld am Bahnhofsvorplatz zumindest symbolisch ein wenig Leben eingehaucht werden. So kam es, dass im acht Meter breiten Gehwegpflaster ein winziges Quadrat von anderthalb Quadratmetern ausgespart wurde. Eine Ansage an die Natur: Du hast keine Chance. Nutze sie!

Der Standort war nicht optimal″, räumt Thomas Maag vom Osnabrücker Servicebetrieb ein. Von dem Bäumchen am Humboldt-Lift habe niemand erwartet, dass es eines Tages in den Himmel wachsen werde. Eher als grüne Beigabe, als kleiner Solitär, sei die Zierkirsche damals vor dem Glasgehäuse eingepflanzt worden.

Es war einen Versuch wert″, meint der Spezialist für Stadtbäume. Dass es dann so dumm gelaufen ist, bedauert Maag sehr.

Im Dürrejahr 2018 hat die kleine Kirsche ihren Lebensgeist ausgehaucht. Ringsum nichts als Pflaster und Asphalt, oben die Hitze, unten der ausgetrocknete Boden das war der Tod auf Raten. Wer den sterblichen Überresten im Vorbeigehen einen aufmerksamen Blick zuwirft, entdeckt ein weiteres Leidensmal in Kniehöhe. Eine schwere Verletzung, wie sie Bäume oder Menschen erleben, die von einem Auto angefahren werden. Mit dem Unterschied, dass es für Straßenbäume keinen Notarzt gibt.

Todesursache Stress. Es war ein qualvolles, ein einsames Ende. Vielen der Menschen, die jeden Tag zum Bahnhof gehen, ist es nicht mal aufgefallen. Auch nicht, dass die kleine Kirsche in diesem Jahr gar nicht mehr ausgetrieben hat. Die trockenen Blätter, die noch immer an ihren Zweigen haften, sind vom vergangenen Sommer.

Jetzt ist es schon wieder so heiß, und die Straßenbäume leiden unter der Trockenheit. Auch wenn sie nicht vom Pflaster eingepfercht sind wie an der Eisenbahnstraße. Sie brauchen Wasser, um den Sommer zu überstehen, viel Wasser. So viel können die Stadtgärtner gar nicht heranschaffen. Die einzigen, die jetzt noch etwas zu retten vermögen, sind die Anwohner. Die Kirsche an der Humboldtbrücke mahnt: Lasst es nicht so weit kommen greift zur Gießkanne!

Ein Stück Totholz als Mahnmal? So eine Baumleiche dürfte dem stets Frische und Zuversicht emittierenden Stadtmarketing ein Dorn im Auge sein. Sicherlich wird bald ein Trupp des Osnabrücker Servicebetriebes anrücken und das Hindernis beseitigen. Thomas Maag glaubt nicht mehr daran, dass sich auf dem winzigen Quadrat ein anderes Gehölz behaupten kann. Dann bleibt nur noch, auch dieses letzte Lebensräumchen zuzupflastern.

Bildtext:
Das war einmal eine Kirsche: Leider hat das Bäumchen an der Humboldtbrücke das Dürrejahr 2018 nicht überlebt.
Fotos:
Rainer Lahmann-Lammert
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste