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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Erinnerungen an den Lebemann Remarque
Zwischenüberschrift:
Rosen für die Damen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Es wäre ein Abend ganz nach seinem Geschmack gewesen: Erich Maria Remarque mochte Frauen in schönen Kleidern, Musik, die zum Tanz verführt, Lieder mit einem Hauch von Anrüchigkeit, die das Leben, auch seines, für Momente so leicht macht. Im Piesberger Gesellschaftshaus lebte Remarques Rosenfest″ wieder auf.

Eine warme Sommernacht voller Gefühl unter dem Dach großer, alter Buchen, Kastanien und Linden. 1919 gab es Wein, Sekt, Bier und Schmalzstullen und als tiefe Avance an die Damen: Rosen über Rosen, als Tischschmuck, im Knopfloch für die Tänzer, als Duft im Saal und zu wunderschönen Sträußen gebunden. Remarque versteht es einfach, das Leben zu genießen.

Im Sommer 1919 feierte der später weltbekannte Literat und Weltbürger im Piesberger Gesellschaftshaus, damals ein gut renommiertes Lokal, sein bestandenes Lehrerexamen und mit ihm andere Kriegs-Seminaristen.

100 Jahre später inszenieren die Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft gemeinsam mit der Erich-Maria-Remarque-Realschule ein Revival″, ein Fest der Erinnerung. Für den evangelischen Theologieprofessor Reinhold Mokrosch ist der Abend auch ein denkwürdiger Tag″. Ebenso für Bernd Stegemann, dem Vorsitzenden der Erich-Maria- Remarque-Gesellschaft, und auch für Birgit Kaiser, der Direktorin der Erich-Maria- Remarque-Realschule.

Die Redner balancieren zwischen Ernsthaftigkeit und Süffisanz, bringen herrliche Anekdoten zwischen Leichtigkeit und Schwere über einen Mann, dessen Dandy-Tun und Lebemann-Attitüden genauso zu ihm gehören wie seine Geradlinigkeit, seine Emotionalität und Empathie, seine kritische Beobachtung auf das damalige Regime, seinen Mut und seine Aufrichtigkeit. So erfährt man, dass Remarque zwar sein Examen feiert, aber niemals vorhat, auf Dauer Lehrer zu werden. Und Realschul-Direktorin Birgit Kaiser kann nicht mit Sicherheit sagen, ob Remarque wirklich die Schmalzbrote gegessen hat. Nur damals gab es eben nicht viel

Das Rosenfest 1919 war wohl die erste große, öffentliche Inszenierung des Tausendsassas, mutmaßt Bernd Stegemann, der verrät, das Remarque nur in Religion und Zeichnen gut war und Goethes Heideröslein″ so ganz ohne Gefühl vorgetragen haben soll. Dafür liebte er die Leichtigkeit des Seins, was ihm half, seine eigenen Lebensängste zu überdecken. Und 100 Jahre später spielt die Band mit dem bezeichnenden Namen Draußen nur Kännchen″ die kessen Schlager aus den 20er-Jahren, nach dem furchtbaren Krieg. Erich Maria Remarque, am 22. Juni 1898 in Osnabrück geboren, war ein äußerst sensibler Beobachter einer grauenvollen Zeit. Ein Mann, der Finger in die Wunden legte, der, wie Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki einmal sagte, genau den Nerv der Zeit getroffen habe und immer nur das schrieb, was und wie es ihm gefiel. Jeder weiß: Längst ist Remarque ein vielfach geehrter Sohn der Friedensstadt Osnabrück. Ein Teil seiner Lebensphilosophie spiegelt sich in Rosenfest″ wider und in seiner eloquenten Rosen-Rede″, einer Huldigung auf Damen und Rosen. Auch sie wird an diesem Abend gehalten.

Bildtext:
Der Literat Erich Maria Remarque in seinem Haus am Lago Maggiore.
Foto:
dpa
Autor:
Barbara Rama


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