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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Das Album eines Mörders
Zwischenüberschrift:
Fotos im Remarque-Zentrum
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Blumenrabatten und gerade Kieswege, mit Starkstrom geladene Zaunanlagen und gnadenloser Drill für die Gefangenen– gegensätzlicher können Fotos kaum sein. Das Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum zeigt eine Ausstellung mit Bildern aus dem Dienstalbum des KZ-Kommandanten Karl Otto Koch.

Die rund 100 Schwarz-Weiß-Fotos der Ausstellung sind Dokumente des Lagerlebens, die nicht aus dem Blickwinkel der Opfer oder der Befreier der Konzentrationslager angefertigt worden sind. Hier haben SS-Schergen auf den Auslöser der Kamera gedrückt, oft auch der Kommandant selbst, und eine Fiktion geschaffen, die jede Realität Lügen straft. Keine der Abbildungen zeigt die unmenschliche Behandlung der Lagerinsassen, die Maschinerie des Tötens, sondern hält den Schein eines durchorganisierten, militärisch straffen Haftvollzugs aufrecht. Doch eines wird überall deutlich: Auf der einen Seite stehen selbst ernannte Herrenmenschen in exakt geschnittener Uniform mit blank gewichsten Stiefeln, auf der anderen die von ihnen so genannten Untermenschen″, manchmal absichtlich für das Ablichten arrangiert wie in einem Panoptikum. So und nicht anders wollten die SS-Männer gesehen werden, so und nicht anders sahen sie sich selbst″, kommentierte Prof. Dr. Günter Morsch die Bilderschau. Er ist Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, die durch langes, langes Bohren in russischen Archiven″ in den Besitz des Fotoalbums Kochs gelangt ist und die Ausstellung Von Sachsenburg nach Sachsenhausen″ konzipiert hat. Es ist das Album eines Mörders, der es so schlimm trieb, dass er 1945 noch vor Kriegsende von seinen eigenen Leuten wegen Mordeserschossen wurde. Die Ausstellung zeigt, wie die SS ein Netz von modernen, neuzeitlichen Konzentrationslagern″ (Heinrich Himmler) installierte. Koch war einer der führen den Protagonisten, Namen wie Hohnstein, Sachsenburg, Columbia-Haus in Berlin, Esterwegen, Sachsenhausen und Buchenwald sind Stationen seiner unsäglichen Karriere″. Fotos aus der Opferperspektive zeigt die Ausstellung nicht. Doch um die Besucher nicht zu verstören, haben die Mitarbeiter der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten den Szenen Kommentare von KZ-Häftlingen zugeordnet, die das Bild geraderücken. Die Ausstellung im Haus am Markt 6 ist noch bis zum 22. Mai zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag 10 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 11 bis 17 Uhr.

Bildtexte:
Dieses in der Ausstellung gezeigte Foto spiegelt das Selbstverständnis der selbst ernannten Herrenmenschen wider: rechts der zackige SS-Offizier, links die von ihm als Untermenschen″ bezeichneten Lagerinsassen.
Zur Eröffnung führte Günter Morsch Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler durch die Ausstellung.
Foto:
Egmont Seiler
Autor:
Horst Troiza


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