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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Fördertopf für Gründächer schnell geleert
Zwischenüberschrift:
100000 Euro fürs Stadtklima / Noch keine Entscheidung über Neuauflage
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Es dauerte nur fünf Wochen, dann war der letzte der 100 000 Euro vergeben: Mit ihrem Förderprogramm Grün statt Grau″ hat die Stadt den Anstoß gegeben, 33 Dächer in Osnabrück zu begrünen. Antragsteller, die jetzt in die Röhre gucken, hoffen auf eine Neuauflage. Aber darüber ist noch keine Entscheidung gefallen.

Mit einem so großen Ansturm auf das Begrünungsprogramm hatten die Mitarbeiter des Fachbereichs Umwelt- und Klimaschutz nicht gerechnet. Offenbar, so mutmaßt Fachbereichsleiter Detlef Gerdts, hätten viele Hauseigentümer schon mal mit dem Gedanken gespielt, ihren Carport oder ihr Flachdach zu begrünen, das Vorhaben dann aber doch zurückgestellt. Da habe das Begrünungsprogramm Bewegung in die Sache gebracht. Auf die Warteliste

Die 33 Antragsteller, die jetzt einen Zuschuss bekommen, wollen insgesamt 2314 Quadratmeter Dachfläche begrünen. Die Investitionssumme dafür beträgt 236 000 Euro Geld, das ausschließlich regionalen Unternehmen zugutekomme, wie der Fachbereichsleiter anmerkt. 42 Prozent davon kommen aus dem Fördertopf der Stadt.

Vier Anträge wurden abgelehnt, wie Sachbearbeiterin Jennifer Hoelke berichtet nicht aus Geldmangel, sondern weil die Richtlinien nicht eingehalten wurden. Die Zuschüsse dürfen nämlich nur dort ausgeschüttet werden, wo die Begrünung nicht schon durch einen Bebauungsplan oder andere behördliche Auflagen vorgeschrieben ist wie rund um den Ölweg in Schinkel-Ost. Dort müssen Neubauten oder neue Anbauten mit Gründächern versehen werden, weil die Stadt so eine Überlastung der knapp bemessenen Regenkanalisation verhindern will. Gründächer sind nämlich nicht nur gut fürs Mikroklima, sie halten auch das Niederschlagswasser länger zurück als konventionelle Dächer.

Vor allem in Stadtteilen mit einem hohen Versiegelungsgrad in Osnabrück gilt das vor allem für die Innenstadt und den Fledder können grüne Dächer und grüne Wände verhindern, dass die Temperaturen an heißen Sommertagen unerträglich werden. Zuschüsse gibt es deshalb auch, wenn Fassaden begrünt und Höfe entsiegelt werden. Die Förderquote beträgt maximal 60 Prozent, und für Begrünungsprojekte in der Innenstadt gibt es einen Zuschlag von zehn Prozent.

Auffallend ist, dass fast ausschließlich Privatleute einen Antrag gestellt haben, dabei steht der Fördertopf ausdrücklich auch Unternehmen offen. Fachbereichsleiter Gerdts weist darauf hin, dass nicht nur Bienen und andere bedrohte Insekten von der Dachbegrünung profitieren, sondern auch der Mensch. Zum einen, weil der Anblick lebender Dächer um ein Vielfaches ästhetischer sei, zum anderen, weil die natürliche Dämmung im Winter die Heizkosten senke und im Sommer vor Überhitzung schütze. Außerdem, ergänzt Jennifer Hoelke, sei ein begrüntes Flachdach wesentlich langlebiger als eines mit konventionellem Aufbau.

Weil die Begrünungsoffensive so gut angenommen wurde, musste der Fachbereich Umwelt und Klimaschutz die ersten Antragsteller schon vertrösten. Sie kommen nun auf eine unverbindliche Warteliste und dürfen als Erste auf eine Förderung hoffen, falls das Programm noch einmal aufgelegt wird. Ob das geschieht, ist aber noch nicht sicher. Wenn der Rat zustimmt, könnten im Haushaltsjahr 2020 wieder Zuschüsse ausgezahlt werden.

Fachbereichsleiter Gerdts würde das begrüßen. Angesichts der großen Zahl von 35 000 Gebäuden in der Stadt sei das Begrünungsprogramm ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auf welchen Dächern ein Bewuchs mit Gräsern, Blumen und Sukkulenten möglich ist, verrät das Gründachkataster der Stadt Osnabrück auf der Internetseite geo.osnabrueck.de/ gruendach für jede einzelne Adresse.

Bildtext:
Gründächer sorgen für ein besseres Klima in dicht besiedelten Stadtvierteln. Außerdem halten sie das Regenwasser zurück. Und nicht immer sind sie grün, wie hier zu sehen ist.
Foto:
imago images/ Panthermedia

Kommentar
Grüne Tupfer

Die 100 000 Euro für das Begrünungsprogramm sind nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Gleichwohl lässt sich damit einiges bewegen. Deshalb sollte der Zu-schuss für Dach- und Fassadenbegrünungen zu einer festen Einrichtung gemacht werden. Doch auf Dauer reicht es nicht, ein paar grüne Tupfer zu verteilen.

Wenn die Stadt trotz der steigenden Durchschnittstemperaturen ein angenehmer Ort zum Leben bleiben soll, muss das, was jetzt gefördert wird, obligatorisch sein. Wir werden uns daran gewöhnen, dass Carports, Garagen und Flachdächer ganz selbstverständlich einen grünen Pelz bekommen und dass Höfe entsiegelt werden, weil sich über solchen Flächen sonst eine unerträgliche Hitze aufstaut.

Deshalb ist es konsequent, in neuen Bebauungsplänen schon jetzt verbindliche Vorgaben zu machen, die auf ein verträgliches Stadtklima abzielen. Das Förderprogramm Grün statt Grau″ sollte dennoch fortgeführt werden. Es motiviert auch dort, Gutes zu tun, wo keine neuen Bebauungspläne aufgestellt werden. Und gute Beispiele wirken ansteckend. rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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