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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück will Phosphor recyceln
 
CDU: Stadt soll eigene Phosphor-Anlage bauen
Zwischenüberschrift:
Rohstoff aus dem Klärschlamm zurückgewinnen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Entsteht in Osnabrück eine der ersten Phophor-Recyclinganlagen Deutschlands? Stadtverwatung und Stadtwerke prüfen, ob an der Kläranlage in Eversburg eine Anlage zur Rückgewinnung des Rohstoffes aus dem Klärschlamm machbar wäre. Der Anstoß kam aus dem Stadtrat, der in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause einem entsprechenden Antrag von CDU/ BOB geschlossen zustimmte. Das Bundesumweltministerium treibt die Entwicklung des Phosphorrecyclings mit Fördermitteln voran. Osnabrück hofft, auf diesen Zug aufspringen zu können. Jeder biologische Organismus braucht Phosphor zum Wachsen. 90 Prozent der weltweiten Nachfrage nach diesem Rohstoff werden unter schwierigen Umweltbedingungen in Afrika, Asien und Amerika abgebaut.

Osnabrück Es ist ein unappetitliches Thema, aber wichtig: Mit dem Material, das jeder Mensch täglich ausscheidet, verschwinden wertvolle Rohstoffe. Phosphor zum Beispiel. CDU und BOB wollen, dass Osnabrück zur Musterstadt der Phosphor-Rückgewinnung wird.

Ohne Phosphor keine Leben. Menschen, Tiere, Pflanzen jeder biologische Organismus braucht den Rohstoff zum Wachsen. Bei Menschen und Tier treibt er Stoffwechselprozesse an, sorgt für feste Zähne und Knochen. Phosphor ist aber nur begrenzt verfügbar. 90 Prozent des weltweiten Bedarfs werden in Bergwerken in Marokko, China, Südafrika, Jordanien und den USA abgebaut. Aber: Es muss immer tiefer gegraben werden, und der Abbau hinterlässt in den Fördergebieten gravierende Umweltschäden. Deshalb hat die Bundesumweltstiftung 2017 ihren Förderschwerpunkt auf die Phosphor-Rückgewinnung aus Klärschlamm gelegt und mehrere Projekte gefördert. Auch das Bundesumweltministerium unterstützt Modellprojekte mit Zuschüssen.

Es gibt unterschiedliche Verfahren. Der Phosphor kann aus dem nassen Klarschlamm extrahiert werden. Möglich ist auch, den Klärschlamm zu trocknen, zu verbrennen und aus der Asche die brauchbaren Rohstoffe zu recyceln. Die Bundesumweltstifung hat als Ziel ausgegeben, aus dem zurückgewonnen Phosphor umweltfreundlichen Dünger herzustellen, der die Kriterien des ökologischen Landbaus erfüllt.

Stadt und Stadtwerke sollten prüfen, ob der Bau einer Phosphor-Recyclinganlage am Klärwerk möglich wäre und welche Fördermittel dafür eingeworben werden könnten, sagte Verena Kämmerling (CDU) in der letzten Sitzung des Rates vor der Sommerpause. Ihr Vorschlag stieß im Rat auf volle Zustimmung. Jetzt liegt der Ball im Feld der Stadtwerke, die die Möglichkeiten prüfen und sich im Herbst inhaltlich dazu äußern wollen, wie eine Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion sagte.

Hamburg ist da schon viel weiter. Die Hamburger Wasserwerke haben im März dieses Jahres zusammen mit dem Recycling-Dienstleister Remondis den Grundstein für die nach eigenen Angaben weltweit erste großtechnische Anlage zur Phosphor-Rückgewinnung″ gelegt. 2020 soll die Anlage im Hamburger Klärwerk aus jährlich 20 000 Tonnen Klärschlammasche etwa 7000 Tonnen hochreine Phosphorsäure gewinnen.

Die kommunale Kläranlage in Lingen/ Emsland experimentiert seit Oktober 2016 mit dem Phosphor-Recycling. Etwa 30 Prozent des im Klärschlamm enthaltenen Stoffs werden dort zurückgewonnen. Würden alle deutschen Klärwerksbetreiber diesen Beispielen folgen, könnte Deutschland auf 60 Prozent der Phosphorimporte verzichten, heißt es im Antrag der Osnabrücker CDU.

Früher oder später muss Osnabrück ohnehin in die Phosphorrückgewinnung einsteigen. Zurzeit wird der Osnabrücker Klärschlamm zum größten Teil auf Äckern in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg als Biodünger verteilt. Die neue Klärschlammverordnung sieht vor, dass Kommunen mit mehr als 100 000 Einwohnern ab 2029 den Klärschlamm in den Stoffkreislauf einbringen müssen.

Das bedeutet konkret: Der Klärschlamm muss in der Kläranlage so aufbereitet werden, dass er zur Energiegewinnung verbrannt werden kann. Aus der Asche kann dann der Phosphor recycelt werden. Heinz-Werner Hölscher, Geschäftsführer der Netzgesellschaft der Stadtwerke, rechnete dem Finanzausschuss schon im vergangenen Jahr vor, dass in den nächsten Jahren 24 Millionen Euro in die Abwasserbehandlung in Eversburg investiert werden müssen.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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