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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Straßenkarneval in Osnabrück: Narren lassen sich Laune nicht verderben
 
Mit Drachen und Dreigestirn
Zwischenüberschrift:
Karnevalisten fordern: Ossensamstag gesetzlich verankern
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Der Ossensamstag hat an Anziehungskraft verloren. Die Zeiten, in denen 100 000 Narren zum Straßenkarneval in die Osnabrücker Innenstadt kamen, sind vorbei. Die Debatte um den Termin für den Umzug und schärfere Auflagen für die Beteiligten haben offenbar ihre Spuren hinterlassen. Die Resonanz hat sich mit 50 000 Besuchern auf dem niedrigen Vorjahresniveau eingependelt. Nur noch 75 Fußgruppen, Motivwagen und Tanzgruppen nahmen am Ossensamstag teil, in den Vorjahren waren es 90 und mehr. Von den negativen Vorzeichen ließen sich die Karnevalisten allerdings ebenso wenig die Feierlaune verderben wie vom grauen Himmel.
Foto:
Michael Hehmann

OSNABRÜCK. Der Himmel war grau. Das Treiben darunter bunt. 50 000 Narren feierten nach offiziellen Angaben den Ossensamstag. Nach dem Umzug registrierte die Polizei 37 Straftaten, 43 Betrunkene waren auf die Hilfe der Rettungsdienste angewiesen.

Die Karnevalisten mussten zwar auf Sonnenschein verzichten. Dennoch gab es entlang der Umzugsstrecke viele strahlende Gesichter. Angeführt von den vier Musketieren der Stadtwache, setztesich der Zug um 11.11 Uhr an der Johanniskirche in Bewegung. Wir kennen den Weg″, nannte Carsten Niemeyer von der Stadtwache scherzhaft den Grund, warum sie die Poleposition des Umzugs einnahmen.

Rund 50 Motivwagen

Hinter ihnen rollte die närrische Karawane durch die Innenstadt. Viele der rund 50 Motivwagen waren prächtig geschmückt. Es gab wenig Politisches, dafür waren viele Cowboys, Indianer und Vampire zu sehen. Die Zeit derSpielmannszüge scheint vorbei zu sein. Lediglich dreimal erklang ihr Tschingderassabum, das ansonsten von den wattstarken Anlagen auf den vielen Lkw übertönt wurde. Einer von ihnen war der Motivwagen der Sonderbar, die ihre Tanzveranstaltungen wegen des Lärms einstellen muss. Auf dem Ossensamstag-Umzug konnte dagegen ordentlich Krach gemacht werden.

Kaum Politikerschelte

Die von vielen erwartete Politikerschelte (etwa am ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg) blieb aber aus. Lediglich die Damen des Rot-Weiß-Clubs Georgsmarienhütte schossen in Richtung Berlin. Die Regierung saugt uns aus″ war neben dem Konterfei von Chef-Vampir Angela Merkel zu lesen.
Auch die Lokalpolitik kam weitgehend ungeschoren davon. Nur der Karnevalsverein KG Rot-Weiß Melle dichtete: Der OB hat es bald geschafft, der Ossensamstag wird systematisch abgeschafft″, und fragte: Ist heute das letzte Mal?
Wenn die Karnevalisten nicht über die Politiker lästern, machen die Politiker das eben selbst, dachten sich wohl Wulf-Siegmar Mierke und Nils Peters von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG). Sie marschierten in mittelalterlichen Ratsherren-Gewändern vor einem Trecker, auf dem geschrieben stand: Wir ziehen den Karren aus dem Dreck.″ Auf die Frage, ob die UWG jetzt eine Spaßpartei sei, antwortete Mierke: Wir sind dafür, dass die Tradition erhalten bleibt und der Bürgerausschuss Karneval die finanziellen Mittel bekommt, damit der Umzug weiter stattfinden kann.″ Diese Worte hören die Osnabrücker Karnevalisten gern. Seine Tollität Peter I. verkündete Ähnliches in seinem Regierungsprogramm, nach dem die Narren kurz nach 14 Uhr am Samstag das Rathaus gestürmt und Oberbürgermeister Boris Pistorius die Stadtschlüssel übergeben hatte.
Endlich kommt Freude in das Haus″, begann Peter I.seine Rede. Er könne zwar ins einer Regierungszeit, die bis Aschermittwoch dauert, nicht für die Sanierung des maroden Haushalts sorgen. Er forderte dennoch, dass alle Projektgelder in den Ossensamstag gesteckt werden. Großen Beifall von den Narren erhielt er für seinen Anspruch: Der Ossensamstag gilt für jeden und muss gesetzlich verankert werden.″ Er setzte noch einen drauf: Der Karnevalsumzug müsse den Stellenwert bekommen, den er verdiene, und von der Stadt finanziert werden.

Bilanz der Polizei

Aus Sicht der Polizei ist der Ossensamstag 2011 durchschnittlich verlaufen. Pressesprecher Georg Linke meldete bis zum Abend 43 Personen, die Hilfe der Rettungsdienste benötigten. Darunter waren 13 Jugendliche mehr Mädchen als Jungen. Sanitäter und Ärzte kümmerten sich um die Betrunkenen. Der Promillewert lag insgesamt zwischen 1, 2 und 2, 4.
Bis 15 Uhr sei die Lage recht ruhig gewesen, so die Polizei. Mit steigendem Alkoholpegel einzelner Besucher habe sich allerdings die Zahlder körperlichen Auseinandersetzungen erhöht.
Laut Polizeistatistik gab es (ähnlich wie im vergangenen Jahr) bis 19 Uhr 37 Strafanzeigen. Die Polizei zählte 15 Körperverletzungen, zwei gefährliche Körperverletzungen, sieben Widerstände gegen Vollstreckungsbeamte, acht Beleidigungen, eine Urkundenfälschung, zwei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und zwei Verstöße gegen das Waffengesetz.
Georg Linke betont, dass erst nach dem Umzug Straftaten verübt worden seien. Während des Umzugs sei ausgelassen und friedlich gefeiert worden.

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Bildtexte:
Das Dreigestirn mit Jungfrau Karla (alias Jürgen Neuhäuser), Bauer Dieter Kröner und Seiner Tollität Karnevalsprinz Peter I. Krasemann.
Widerstand zwecklos: Oberbürgermeister Boris Pistorius muss den Narren das Feld überlassen.
Augenweide: Viele Närrinnen kamen prächtig kostümiert.
Deutliche Worte: Einige Narren sehen den Ossensamstag in Gefahr.
Fotos:
Michael Hehmann
Autor:
Thomas Wübker


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