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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Müllabfuhr kommt mit dem E-Lkw
 
Fahren die Müllwagen bald elektrisch?
Zwischenüberschrift:
Es geht auch ohne Diesel: Auf Initiative von CDU und BOB prüft die Stadt
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Dass die Müllabfuhr auf leisen Sohlen kommt und keine Dieselabgase in die Luft entweichen lässt, können sich die meisten Stadtbewohner wohl kaum vorstellen. Aber eine Schweizer Firma hat mit Unterstützung der eidgenössischen Bundesregierung ein vollelektrisches Müllfahrzeug entwickelt. Daran erwacht jetzt auch in Osnabrück das Interesse. In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause hat der Rat die Stadtverwaltung und die städtischen Betriebe aufgefordert, sich mit der Problematik zu befassen. Bei diesem Prüfauftrag geht es um die Frage, ob in Osnabrück elektrische Müllfahrzeuge, Spülwagen oder Hubsteiger eingesetzt werden können. Die Stadt und die Stadtwerke haben bislang keine Erkenntnisse dazu, aber unsere Redaktion hat schon mal recherchiert.

Osnabrück Die Müllabfuhr kann auch piano. Und ohne Dieselabgase. Ein Schweizer Hersteller baut seine Müllwagen vollelektrisch. In Frankfurt hat die städtische Entsorgungs- und Service GmbH so ein Fahrzeug getestet und inzwischen fünf davon bestellt. Auch in Osnabrück regt sich Interesse. Nach dem Willen des Rates sollen die Stadtverwaltung und die Eigenbetriebe prüfen, ob sich hier ebenfalls die Verwendung elektrischer Lkw anbietet.

Die Diskussion über zu hohe Stickstoffdioxidwerte und Dieselfahrverbote spielt der Designwerk Products AG aus dem schweizerischen Winterthur in die Hände. Sie rüstet die schweren Trucks von Volvo auf Elektroantrieb um. Vier Motoren sorgen dabei für eine Gesamtleistung von 680 PS. Bisher hat das Unternehmen mit seiner E-Marke Futuricum nur ein halbes Dutzend Müllfahrzeuge gefertigt, die allesamt im Land geblieben sind. Aber das größte Potenzial sehen die Eidgenossen im Exportgeschäft, vor allem auf dem deutschen, französischen, niederländischen und skandinavischen Markt.90 Prozent Zuschuss

Da ist es kein Zufall, dass Ende Juni in einer Sitzung des Osnabrücker Rates das Stichwort Futuricum fiel. Die CDU/ BOB-Gruppe stellte die Frage, ob es machbar ist, teil- bzw. vollelektrische Wertstoffsammel-, Reinigungs- und Spülfahrzeuge oder Hubsteiger anzuschaffen, um einen weiteren Beitrag zur Emissionsminderung in Osnabrück zu erreichen″. Geprüft werden solle auch, ob für solche Anschaffungen Zuschüsse von Bund und Land eingeworben werden können.

So viel ist schon mal sicher: Mit dem Sofortprogramm Saubere Luft 2017–20″ und der Förderrichtlinie Elektromobilität″ hat das Bundesverkehrsministerium zwei Fördertöpfe bereitgestellt, auf die kommunale Unternehmen zugreifen können, wenn sie schwere Dieselfahrzeuge durch elektrische ersetzen wollen. In Aussicht stehen Förderquoten bis zu 90 Prozent, sofern es um kommunale Dienstleistungen geht.

Die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) gehört zu den ersten Antragstellern, die mit der Geldspritze aus Berlin ihre Mehrkosten abzufangen hoffen. Und die sind nicht unerheblich: Ein Müllwagen von Futuricum kostet je nach Ausstattung und Batteriekapazität zwischen 400 000 und 550 000 Euro doppelt so viel wie ein Fahrzeug mit konventionellem Antrieb.

Dabei ist noch keineswegs sicher, dass der Hersteller aus Winterthurn den Zuschlag aus Frankfurt bekommt, denn der Anschaffung geht eine europaweite Ausschreibung voraus. Immerhin hat das Müllfahrzeug aus der Schweiz im Frühjahr einen dreitägigen Test am Main problemlos bestanden, wie FES-Sprecherin Stephanie Pieper gegenüber unserer Redaktion bestätigt. Der vollelektrische 26-Tonner habe die gleiche Zuladung wie ein konventioneller Müllwagen, er sei leise und sauber – „ eine Supersache″, schwärmt die Frankfurterin.

Es gibt inzwischen mehrere Lkw-Hersteller, die vollelektrische Antriebe liefern. Futuricum verweist auf seine Erfahrung: Die sechs Fahrzeuge, die zum Teil seit zwei Jahren bei verschiedenen Schweizer Entsorgern im Einsatz sind, hätten ihre Bewährungsprobe exzellent bestanden, sagt Andreas Schimanski, der bei Designwerk Products für das Europageschäft verantwortlich ist. Inzwischen seien die schweren Stromer schon 150 000 Kilometer gefahren, aber am Antriebssystem habe es keine Ausfälle gegeben. Nur einmal sei ein Wagen auf der Autobahn liegen geblieben aber nur, weil der Fahrer nicht auf den Ladestand der Batterie geachtet habe. Bis zu 190 km soll ein Futuricum 26E mit der kleinsten Batterie zurücklegen können, im Arbeitseinsatz dürfte diese Zahl jedoch erheblich schrumpfen. Die Akku-Kapazität lässt sich aber auch verdoppeln, doch damit erhöht sich auch das Gewicht des Energiespeichers von 1, 1 auf 2, 3 Tonnen. Wie bei den neuen E-Bussen in Osnabrück werden bei den Elektrolastern NMC-Akkus verwendet, deren Innenleben aus einer Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt-Oxid-Legierung besteht.

Die Batterie ist das Teuerste″, sagt Europa-Manager Schimanski. Mit einem CCS-System soll auch die schwerste Batterie innerhalb von 2, 2 Stunden aufgeladen werden können, verspricht der Hersteller. In der Praxis habe sich das aber nicht als nötig erwiesen, weil über Nacht aufgeladen werde.

Moderne Elektromotoren können mit der Energie beim Bremsen oder Abwärtsfahren Strom erzeugen und ins System einspeisen ein Effekt, der Rekuperation genannt wird. Im schweizerischen Murten funktioniere das perfekt, erzählt Schimanski. Der Entsorgungsbetrieb liege im Tal, aber der Müll werde am Berg eingesammelt. Mit der schweren Ladung an Bord sei die Rekuperationsenergie so hoch, dass die Batterie kaum nachgeladen werden müsse.

Futuricum hat kürzlich auch einen vollelektrischen 40-Tonner vorgestellt, allerdings gibt es noch keine batteriebetriebenen Kehrmaschinen, Spülwagen oder Hubsteiger, also die Fahrzeuge, von denen sich die Initatoren des Ratsantrags in Osnabrück ebenfalls bessere Luft versprechen. Alles eine Frage der Zeit, lassen die Schweizer durchblicken.

Bildtext:
Vollelektrisch: Der Schweizer Hersteller Futurica baut Müllfahrzeuge, die ohne Dieselantrieb auskommen.
Foto:
Futuricum

Kommentar
E-Mobilität mit Nebenwirkungen

Kein Auspuff, kein Lärm, keine Abgase: Im Stadtverkehr sind E-Mobile eine saubere Sache. Wie sauber sie tatsächlich sind, ist vom Strommix, von der Batterieherstellung und der Wiederaufarbeitung der Akkus abhängig. Drei Baustellen, auf denen es noch viel zu tun gibt. Auch wenn sich für die Lebensqualität in den Städten eine große Chance auftut.

In der Diskussion sollte es nicht nur um die Luft in Osnabrück gehen, sondern auch um die Begleiterscheinungen, die mit dem Abbau seltener Erden für Batterien verbunden sind. Nicht hinzunehmen ist, dass für die Lithiumgewinnung in Bolivien großflächig das Trinkwasser verknappt wird, Dabei gibt es ein Verfahren, das ohne solche Begleitumstände funktioniert. Völlig unakzeptabel ist auch die Kinderarbeit für einen weiteren Rohstoff in den Batterien. Im Kongo holen sogar Zehnjährige unter ständiger Lebensgefahr Kobalt aus 40 Meter tiefen Erdlöchern. So etwas lässt sich wohl nur mit weltweitem Druck auf die Hersteller unterbinden.

Bleibt noch die Frage, wie schnell der Strom zu möglichst 100 Prozent aus regenerativen Quellen kommt. Fatal wäre es, wenn dreckige Braunkohlekraftwerke noch länger am Netz blieben, weil immer mehr E-Fahrzeuge unterwegs sind.

Dennoch wäre es falsch, aus all diesen Gründen die E-Mobilität pauschal zu verbannen. Ausprobieren, die Augen offen halten und keine Fragen ausklammern das ist allemal besser als weiterzumachen wie bisher.

rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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