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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Verträgt die Stadt noch mehr Hotels?
 
Zwei weitere Hotels in Osnabrück?
Zwischenüberschrift:
Masterplan warnt vor Preisdumping und Verdrängung
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Der Hotelmarkt in Osnabrück erreicht die Sättigung″, hat aber trotzdem noch Wachstumspotenziale in einigen Nischen. Das ist das Ergebnis des ersten Masterplans für das Hotelgewerbe in Osnabrück, den das Stadtmarketing in Auftrag gegeben hat. Anlass ist das dramatische Wachstum der Bettenkapazitäten seit 2014.

Das Münchner Fachbüro rät zu einer Qualitätsoffensive. Vor allem die privaten, mittelständischen Betreiber sollten ihre Häuser stärker regional profilieren, um sich von Hotelketten abzuheben. Potenziale habe Osnarück bei Langzeit-Modellen wie Campus-Hotels für Studierende und Boardinghäusern für Geschäftsreisende. Bemerkenswert: Der Masterplan beinhaltet zwei weitere Hotel-Standorte an der Möserstraße und am Berliner Platz.

Osnabrück Ist es noch nicht genug? Der erstmals erstellte Masterplan für das Hotelgewerbe in Osnabrück weist zusätzlich zu den aktuellen Neubauten zwei Standorte für weitere Hotels aus.

Osnabrück erlebt einen Hotelboom wie noch nie. Zwischen 2014 und 2016 sind acht neue Beherbergungsbetriebe an den Start gegangen. Die Zahl der Betten explodierte in diesen zwei Jahren um 32 Prozent. Vor wenigen Wochen hat das neue Holiday Inn am Alando Palais den Betrieb aufgenommen. Am Neumarkt sind zwei Hotels in Arbeit, auf dem ehemaligen Sinn-Leffers-Grundstück an der Johannisstraße wird ein weiteres Hotel mit Boardinghaus entstehen.

Kein Wunder, dass sich mittelständische Hoteliers in Stadt und Umland Sorgen machen und sich auch die Politik fragt: Ist diese Entwicklung ein Gewinn oder eine Gefahr? Die Marketing und Tourismus GmbH (OMT) gab diese Frage an das Beratungsbüro Projekt M″ in München weiter. Die Tourismusexperten erstellten den ersten Masterplan für das Hotel- und Beherbergungsangebot für die Stadt Osnabrück″.Die Zahlen

Die Experten attestieren dem Gastgewerbe in Osnabrück eine dynamische Entwicklung″ bei Angebot und Nachfrage. Die Zahl der Betten wuchs von 2009 bis 2018 um knapp 50 Prozent, gleichzeitig stieg die Zahl der Übernachtungen um 68 Prozent. Die Mischung von kleineren, individuellen Häusern und international agierenden Kettenhotels sei noch gut″.

Die statistische Bettenauslastung steigerte sich von 42 auf 47 Prozent und liegt damit auf dem Niveau vergleichbarer Städte. Die tatsächliche Auslastung ist höher, wie die städtische Marketingchefin Petra Rosenbachs sagt. Denn: Die Statistik zählt die belegten Betten, die Hoteliers zählen die belegten Zimmer.

Da Geschäftsreisende in der Regel ein Doppelzimmer allein nutzen, ergebe sich je nach Hotel eine Zimmerauslastung von 60 bis 80 Prozent, sagte Petra Rosenbach bei der Präsentation des Masterplans bei einer Fachtagung von Immobilien-Zeitung und Wirtschaftsförderung in Osnabrück. Wichtigste Zielgruppe der Hotellerie in Osnabrück sind die Geschäftsreisenden, die zwei Drittel der Kundschaft ausmachen. Ein Drittel kommt als Kultur- oder Aktivtouristen. Die Qualität

Die Studie zieht die Nutzer-Bewertungen auf der Buchungsplattform Trivago heran und kommt zu dem Ergebnis: Osnabrück braucht eine Qualitätsoffensive. Die Hotels in der Stadt liegen demnach in den Bewertungen deutlich hinter Häusern im Osnabrücker Umland zurück. Punkten können die innerstädtischen Hotels mit Service, Sauberkeit, Lage und Preis- Leistungs-Verhältnis. Beim Essen und Trinken sowie bei Komfort und Ausstattung der Zimmer laufen die ländlichen Häuser den Stadt-Hotels den Rang ab.

Der Markt habe eine Sättigung″ erreicht, heißt es in der Studie. Eine weitere Erhöhung der Bettenzahl würde zu Preisdumping und einer Verdrängung der Individualhotellerie führen.

Die Studie empfiehlt daher: 1. die bestehenden Betriebe stärker regional zu profilieren. Die Macher der Studie sprechen von einem Renovierungsstau″ in mittelständischen Hotels in Osnabrück, der unter Berücksichtigung der regionaltypischen Baukultur und Aufgreifen regionaler Themen″ aufgelöst werden sollte.

2. Künftige Investoren sollte die Stadt in zwei Nischenkonzepte steuern. Diese Nischen sind: Campus-Hotels und Boardinghäuser.

Zielgruppe eines Campus-Hotels sind Studierende und Dozenten, die für längere Zeit an der Hochschule tätig sind. Das Haus sollte in Uni-Nähe stehen und die Möglichkeit zum Arbeiten in Co-Working-Büros bieten. 50 bis 70 Wohneinheiten wären für Osnabrück geeignet, sagen die Experten. Zielgruppe eines Boardinghauses sind Geschäftsreisende. Das Haus sollte zentral liegen, eine gehobene Ausstattung haben und Platz für 60 bis 80 Wohneinheiten bieten. Das an der Johannisstraße geplante Boardinghaus erfüllt diese Kriterien.Noch mehr Hotels?

Ein Satz in der Studie lässt aufhorchen: Neben dem bereits gut verteilten Hotelangebot werden voraussichtlich 5 weitere Betriebe eröffnet und damit eine gewisse Angebotssättigung erreicht.″ Zu den fünf Projekten zählt die Studie die beiden Häuser am Neumarkt das Ninety-Nine″ (im Bau) und das Boutique-Hotel (Vorarbeiten begonnen). Konkret sind auch die Pläne für die Johannisstraße, wo am Standort des Sinn-Leffers Modehauses ein Budgethotel der Marke Super 8″ und ein Boardinghaus entstehen werden.

Zwei zusätzliche Hotelstandorte weist der Masterplan an Möserstraße und Berliner Platz aus, ohne Details zu nennen. Petra Rosenbach gibt Entwarnung: Es gebe nach ihrer Kenntnis derzeit keine konkreten Absichten, dort weitere Hotels zu bauen.

Bildtext:
Ganz neu: Das Hotel Holiday Inn hat im Juni seinen Betrieb aufgenommen.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Der Markt funktioniert

Die schlimmen Befürchtungen haben sich bislang nicht bestätigt. Der Osnabrücker Hotelmarkt hat den beispiellosen Zuzug von international agierenden Beherbungsketten in den vergangenen Jahren erstaunlich gut verkraftet. Mit der Zahl der Betten sind die Übernachtungszahlen gestiegen, die Auslastung hält sich nach einer leichten Delle auf gutem Niveau.

Dennoch: Der Markt ist extrem hart. Eine Übernachtung in einem Osnabrücker Mittelklassehotel kostet im Schnitt 94 Euro, wie aus dem Masterplan hervorgeht. Damit sind die städtischen Herbergen im Großen und Ganzen günstiger als vergleichbare Hotels in den Umlandgemeinden. Das lässt den Schluss zu: Die mittelständischen Betriebe stehen in der Stadt unter hohem Konkurrenz- und Preisdruck. Sie können zwar mit Individualität und Kundennähe auftrumpfen, haben es aber schwer neben den Ketten, die allein mit ihrem Namen ein klares Niveauversprechen geben können. Die privaten Betreiber müssen zusätzlich mit dem Preis argumentieren.

Das belastet die Hoteliers wirft sie aber nicht um. Einige haben schon reagiert und mutig investiert, um die Preiselastizität im höherem Segment auszuschöpfen. Der Markt ist hart, ja. Aber er funktioniert. w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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