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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der pure Wahnsinn
Zwischenüberschrift:
Gastspiel des Circus Flic Flac an der Halle Gartlage mit furioser Premiere gestartet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Kreativität und Virtuosität, gepaart mit Wahnsinn und Draufgängertum das beschreibt ungefähr das, was die Premiere des Circus Flic Flac am Donnerstagabend an der Halle Gartlage ausgemacht hat. Die Zuschauer sahen eine atemberaubende Show und erhoben sich am Ende für die Artisten von ihren Plätzen.

Nachdem das Publikum Platz genommen hatte und das Licht gedämpft worden war, stellten die Verantwortlichen des Circus in einer Durchsage erst einmal eine Sache unmissverständlich klar: Bei uns gibt es keinen Platz für Rassismus, Sexismus oder Homophobie! Daraufhin erhob sich ein Mann von seinem Platz und verließ das Zelt. Es war Donald Trump wenn auch natürlich nicht der echte. Zum ersten Mal an diesem Abend brandete tosender Applaus auf.

Nach dem Abgang des falschen US-Präsidenten sorgten echte Mexikaner für den ersten Knalleffekt des Jubiläumsprogramms Punxxx″. Und der hatte es in sich: Auf ihren Motorrädern flogen die Helldrivers buchstäblich durch die Manege. Sie nutzen den Eingang zum Block A als Rampe, katapultierten sich durch die Luft und drehten dabei Salti. Wie verrückt muss man sein, um das zu machen?

Die Verrücktheiten nahmen nicht ab im Gegenteil. Alex Michael zum Beispiel schaukelte ohne Netz am Trapez in mindestens zehn Meter Höhe unter dem Zeltdach, sprang dabei von einer Schaukel zur anderen und jodelte dabei. Komplett irre wurde seine Nummer, als er ungesichert und ohne Netz kopfüber an einer Stange durch die Luft marschierte, indem er seine Füße bei seinem Gang in Schlaufen steckte.

Den Gipfel der Verrücktheit erreichten die Helldrivers, als sie mit acht Motorrädern durch eine Stahlkugel rasten. Das war schon nicht mehr verrückt. Das war der pure Wahnsinn. Die Zuschauer rasteten schier aus, als sie das sahen.

Aber es waren nicht nur diese spektakulären Nummern, die das Publikum aus der Reserve lockte. Die aus drei zierlichen Frauen bestehende ukrainische Artistengruppe Three G bewies, das kraftvolle Equilibristik, also Balancierkunst, nicht nur von muskelbepackten Männern dargeboten werden kann. Sinnlich und erotisch war der Pole Dance von Olha Peresada, die tatsächlich im aus dem Zeltdach prasselnden lila Regen zu Prince′ Purple Rain″ an einer Stange tanzte.

Oder auch die Kontorsion von Shenea Booth, die ihren Körper auf einem überdimensionalen Stöckelschuh verbog. Dass sie dabei ausgerechnet zu Charles Aznavours Chanson Du lässt dich geh′n″ tanzte, war eine gelungenen ironische Brechung.

Das Premierenpublikum bewies ein Gespür für die feinen und herausragenden Fähigkeiten der Akrobaten. Es bejubelte nicht nur die spektakulären Darbietungen, sondern spendete auch bei den virtuosen Kunststücken viel Beifall. Liebling des Abends war Dustin Nicolodi, der als Sprücheklopfer und Comedyjongleur Coperlin im roten Samtanzug und weißem Rüschenhemd die Manege betrat. Er erzählte den Leuten, er sei ein Italo-Amerikaner, weil seine Mutter Italienerin und sein Vater ein guter Freund des Mannes seiner Mutter sei. Mit seinen (scheinbar) dilettantischen Zaubertricks trieb er Lachtränen in die Augen. Besonders, als er Friedhelm aus dem Publikum ein ums andere Mal ins Bockshorn jagte, gab es kein Halten mehr. Auch Guerilla-Comedian David Eriksson brachte die Zuschauer mit seiner exaltierten Komik zum Lachen, wenn er zum Beispiel mit Ping-Pong-Bällen jonglierte, die er aus seinem Mund schoss und auffing.

Das, was der Circus Flic Flac in seiner Jubiläumsshow bietet, ist wahrlich atemberaubend, spektakulär und auf einem sehr hohen Niveau. Das Osnabrücker Publikum ist durch die Roncalli-Gastspiele mittlerweile hohe circensische Kunst gewohnt. Es ist zwar nicht angemessen, beide Zirkusse miteinander zu vergleichen, da ihre Ausrichtung höchst unterschiedlich ist hier Herman van Veen, da Mötorhead. Dennoch hat der Circus Flic Flac die Latte nun noch einmal sehr hoch gelegt und übersprungen.

Und ganz am Ende, nachdem die Zuschauer den Artisten für die zweistündige und äußerst kurzweilige Show minutenlang Applaus gespendet hatten, gab es wie schon zu Beginn noch einmal eine politische Botschaft: Diese Show hätte ohne Ausländer nur fünf Minuten gedauert. Also: Haltet zusammen!

Der Circus Flic Flac gastiert noch bis zum 14. Juli an der Halle Gartlage. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20 Uhr, am 6., 10. und 13. Juli zusätzlich um 16 Uhr, am 7. und 14. Juli um 15 und 19 Uhr, Eintritt: 24 bis 54 Euro. Tickets in den Geschäftsstellen unserer Zeitung und auf deinticket.de.

Bildtexte:
Die Stunts der Helldrivers sorgten für ungezählte Gänsehaut-Momente.
Auch virtuose Kunststücke hat die Show zu bieten.
Schrill: Guerilla-Comedian David Eriksson.
Fotos:
Michael Gründel
Autor:
Thomas Wübker


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