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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Ehefrau galt offiziell als verschollen
Zwischenüberschrift:
Zwei neue Stolpersteine erinnern an die ermordeten Eheleute Edmund und Johanna Cohn
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. 1939 vertrieben die Nationalsozialisten Edmund und Johanna Cohn aus ihrer Wohnung in der Liebigstraße 11 a. Das Ehepaar musste in das sogenannte Judenhaus″ in die Heger Straße 24 ziehen. Das Hitler-Regime bereitete den millionenfachen Massenmord anden Juden vor. Jetzt erinnern Stolpersteine an diese beiden Opfer des Rassenwahns.
Nach der Machtübernahme 1933 nahm das Hitler-Regime den Juden ein Recht nach dem anderen. Edmund Cohn etwa durfte bald nicht mehr seinem Beruf als Auktionator nachgehen und musste sein Grundstücks-und Hypothekengeschäft aufgeben. Die drei Kinder von Edmund und Johanna Cohn verließen Osnabrück. Ihre älteste Tochter Renate zog nach Hannover. Ihre Söhne konnten sich frühzeitig in Sicherheit bringen: Werner emigrierte nach Kapstadt, Justus nach Palästina sie ahnten offenbar, dass die Gewalt gegen Juden eskalieren würde.
In Osnabrück bereiteten die Nationalsozialisten 1938 Zwangsumsiedlungen vor. 1939 setzten sie das neue Gesetz über die Mietverhältnisse der Juden″ um. Von da an wurden Mietverträge mit Juden aufgehoben. Die Zeit der sogenannten Judenhäuser″ begann. Die Juden mussten in immer weniger und bald überfüllten Häusern zusammenleben, sie waren ihres Eigentums und ihrer Privatsphäre beraubt es war die Vorstufe der Deportationen in die Konzentrationslager im Schatten des Zweiten Weltkriegs. Der Massenmord war längst beschlossen.
Edmund Cohn kam im Oktober 1940 in dem Judenhaus″ an der Heger Straße ums Leben. Er war 67 Jahre alt. Seine Frau Johanna wurde 1942 im Alter von 50 Jahren nach Theresienstadt verschleppt und später in das Vernichtungslager Auschwitz gebracht. Wann sie sterben musste, ist nicht überliefert. Offiziell galt sie als verschollen.
Die Patin für ihren Stolperstein ist die zwölfte Klasse der Fachoberschule Technik im Berufsschulzentrum am Westerberg. Mit ihrer Deutschlehrerin Ruth Brockmann hatten sie sich auf die Zeremonie zur Verlegung vorbereitet. Stellvertretend trugen die Schüler Larissa Herkenhoff und Martin Fritsche einen Text über die Bedingungen in Theresienstadt vor: Die Nationalsozialisten hatten das Lager als Altersheim getarnt. 1942 mussten dort 50 000 Juden auf engstem Raum leben. Die Fachoberschüler berichteten von Hunger, mangelnder Hygiene, Kälte und Ungeziefer. Krankheiten wurden nicht behandelt. An all dem starben täglich Menschen, die in Massengräbern verscharrt oder im Krematorium verbrannt wurden. Zigtausende, unter ihnen Johanna Cohn, wurden von dort in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und ermordet.

Bildtext:
Verschleppt: 1939 zwangen Nationalsozialisten Edmund und Johanna Cohn aus ihrem Haus an der Liebigstraße 11 a. Sie mussten sterben, weil sie Juden waren.
Foto:
Klaus Lindemann

Stolpersteine
Die in den Gehwegen verlegten Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn-oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich bisher etwa 600 Kommunen angeschlossen haben. Die Paten für diese Stolpersteine sind Peer Wilhelm (für Edmund Cohn) und die zwölfte Klasse der Fachoberschule Technik im Berufsschulzentrum am Westerberg (für Johanna Cohn). Für künftige Verlegungen nimmt das Bürof ür Friedenskultur Hinweise von Zeitzeugen auf Opfern des NS-Regimes entgegen unter Tel.05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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