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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Symphonieorchester trifft Morgenland All Stars
 
Klangkörper mit Leidenschaft
Zwischenüberschrift:
Mitreißendes Open-Air-Konzert beendet das Morgenland Festival 2019
 
Klassik unter den Sternen: Konzert des Osnabrücker Symphonieorchesters auf dem Domvorplatz
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Für den Anfang seiner Komposition Hemdem″ hat Komponist Wolf Kerschek einen geistreichen Einfall. Aus den Klangflächen des Osnabrücker Symphonieorchesters schält sich eine für unsere Ohren exotische Melodie für Trompeten und Holzbläser heraus und kündigt den Auftritt für Salman Gambarov, den Pianisten aus Baku, Aserbaidschan, an. Dann mischt Kerschek eine Bachfuge, Beethovens fünfte Symphonie und andere Zitate aus der abendländischen Musikgeschichte in die Partitur, worauf der deutsche Jazzpianist Florian Weber mit Wohnsitz in Osnabrück seine musikalische Visitenkarte abgibt.

Damit ist ein Hauptthema des Werks definiert: Es geht um Dialog. Brüder im Geiste″ lautet die Übersetzung des Begriffs Hemdem″, was sich natürlich zunächst auf die beiden Pianisten bezieht, die in der Vergangenheit so furiose Konzerte gespielt haben. Diesmal verlaufen die Dialoglinien keineswegs nur zwischen Baku und Osnabrück, Orient und Okzident. Auf der großen Open-Air-Bühne vor dem Osnabrücker Dom treffen Bodek Janke (Schlagzeug), Rony Barak (Darbouka), Andreas Müller (Bass) sowie Frederik Köster (Trompete) und Michel Godard (Tuba), veritable Jazzer also, auf ein klassisches Orchester; Symphonieorchester trifft Morgenland All Star Band″, steht als Motto über dem Konzert. Kerschek hat dafür Ost und West, Klassik und Jazz kompositorisch zusammengeführt und hält als Dirigent die Welten zusammen, und weil das Orchester so mitreißend und glutvoll spielt und die Jazzer so virtuose, hochinspirierte Soli entfalten, klingt es, als würden die Beteiligten nie etwas anderes tun. Dabei ist der wohlklingende Dialog keine Selbstverständlichkeit.

Eröffnungsreden und Grußworte bemühen gern den Mythos von der Musik als universeller Sprache. Doch so, wie uns die arabische Sprache, Farsi oder Azeri, die Sprache Aserbaidschans, fremd sind, so fremd ist uns das Tonsystem des Mittleren Ostens mit seinen Mikrotönen, so fremd ist uns die Philosophie hinter der Musik, so schwer erschließt sich uns ihr Reichtum. Trotzdem haben 15 Jahre Morgenland Festival immer wieder fabelhafte Beispiele dafür gegeben, wie inspiriert die Musikkulturen zusammengeführt werden können. Auch in diesem Jubiläumsfestival, das wie in einem Brennglas die besten musikalischen Entwicklungen präsentiert hat.

Einer der charismatischsten Gäste ist dabei sicher Alim Qasimov, der Meister des aserbaidschanischen Maqam-Gesangs. Er und der hochgradig sensible, vielseitige und virtuose Michel Godard haben beim Eröffnungskonzert in der Marienkirche vorgeführt, wie gut Ost und West auf Augenhöhe miteinander musizieren können. Dafür hat sich Godard, jener wandlungsfähige Grenzgänger zwischen Klassik und Jazz, penibel in die fremdartigen Tonsysteme eingearbeitet. Was zeigt: Ein gutes Gespräch fällt nicht vom Himmel, sondern setzt die Bereitschaft voraus, sich auf fremde Positionen einzulassen.

Das heißt nicht, das Spontaneität ausgeschlossen ist. So sprang ein eilig zusammengestelltes Trio aus Florian Weber, dem Klarinettisten Kinan Azmeh und dem unübertrefflichen Moslem Rahal an der Ney-Flöte ein, weil die deutschen Behörden einem Trio aus dem Iran das Visum verweigert hat. Zeit zu Proben war nicht, aber man kennt sich ja seit etlichen Jahren, und deshalb war dieses Freestyle-Konzert getragen von unglaublicher Energie.

Interessant ist dabei, dass ausgerechnet beim Morgenland Festival der Frauenanteil relativ hoch ist: Dima Orsho, die begnadete Sängerin aus Syrien, hat mit ihrem ersten eigenen Projekt, dem Releasekonzert für ihre CD Hidwa Lullabies in Troubled Times″ das beste Konzert des diesjährigen Festivals abgeliefert. Die kurdische Starsängerin Aynur hat sich, wenn auch etwas holprig, im intimen Format mit Salman Gambarov und Florian Weber an zwei Klavieren sowie Michel Godard am Serpent versucht, Yasamin Shahhosseini aus dem Iran schließlich spielt an der Oud mit sprechender Intensität wer würde das schon vermuten bei einem Festival, das sich mit Musik aus einer patriarchal geprägten Region beschäftigt.

Auch in solchen Momenten zeigt sich die Intuition, mit der Festivalleiter Michael Dreyer die richtigen Musikerinnen und Musiker zusammenbringt. Das prägt den Geist des Festivals, und beim Abschlusskonzert führen das die Osnabrücker Symphoniker unter dem türkischen Dirigenten Nagy Özgüç und Musiker des Festivals ebenso vor wie die Morgenland All Star Band. Kinan Azmeh, der Klarinettist mit dem wunderbar innigen Spiel und impulsiven Improvisationen, findet daher schließlich die richtigen Worte: Er dankt Mischa″, wie etliche Musiker vor ihm, für dieses Festival und der Stadt Osnabrück dafür, den Beteiligten ein Gefühl von Heimat zu vermitteln. Längst sind das Morgenland Festival und die Stadt zu einem Zentrum für diesen Dialog geworden, und welchen Zuspruch das gefunden hat, zeigen die vielen ausverkauften Konzerte und die Begeisterung, mit der das Publikum auf das reagiert, was dieses Festival und eben auch das Open-Air-Konzert bieten: erstklassige Musik.

Bildtexte:
Volle Bühne und ein ganzes Geflecht an musikalischen Beziehungen: Wolf Kerschek dirigiert beim Open Air mit dem Osnabrücker Symphonieorchester und der Morgenland All Star Band die Uraufführung seines Werks Hemdem″.
Best of: die Morgenland All Star Band.
Salman Gambarov, Wolf Kerschek und Florian Weber (v.l.).
Michel Godard, Alim Qasimov und Rauf Islamov (v.l.).
Fotos:
Michael Gründel

Osnabrück Beim Abschlusskonzert der Saison unter freiem Himmel griff das Osnabrücker Symphonieorchester der kommenden Jubiläumssaison 2019/ 20 voraus. Beim Open-Air-Konzert am Freitag auf dem Domvorplatz feierten die Musiker die Musik der Romantik also die Zeit, in dessen Spätphase das Orchester selbst im Jahr 1919 gegründet wurde.

Da passte die epische Suite des sechsfachen Oscarpreisträgers John Williams mit der Filmmusik aus Star Wars. Das Osnabrücker Symphonieorchester bewies, dass der berühmte Soundtrack auch ohne die dazugehörigen Filme überzeugt.

Kraftvoll schreitend erklang daraus der Imperial March″, der mit der Figur Darth Vader verbunden ist. Der eingängige, bekannte Marsch steckte einige Zuhörer im fast ausverkauften Publikum an. Da nickte mal ein Kopf, da wippte mal ein Bein zum schreitenden Rhythmus, der auch außerhalb des abgezäunten Zuschauerbereichs zu hören war. Eins wurde mit Blick auf die bunt gemischte Menge klar: Auch mit Klassik kann man eine große Menschenschar begeistern.

Nun hat die Science-Fiction-Saga, die 1977 im Kino ihren Anfang nahm, an sich nichts mit der Zeit der Romantik zu tun. Die spätromantische Programmmusik dient allerdings Filmkomponisten bis heute als Inspiration so auch John Williams.

Das zeigte sich gleich zu Beginn des Konzerts bei der Orchestersuite Die Planeten″ von Gustav Holst. Die beiden Sätze aus der 1914 bis 1917 geschriebenen Komposition weckten direkt die Vorfreude auf die bekannte Star-Wars-Filmmusik. Eindringliche Bläser, dazu ein marschierender Rhythmus vom Schlagwerk: Das erinnerte sehr stark an den bekannten Marsch von John Williams.

Das Osnabrücker Orchester versteht sich aber natürlich nicht nur mit lauten Tönen. Der zweite Satz, den Holst dem römischen Gott Jupiter, der Bringer der Fröhlichkeit″ gewidmet hat, versprühte direkt Leichtigkeit. Die feinen Flötentöne waren hinter dem Zaun aber vermutlich nicht so gut zu hören. Denn die Lautsprecherboxen zur Verstärkung der Akustik waren nur im vorderen Bereich des Zuschauerbereichs angebracht.

Die 1850 Plätze im Zuschauerraum waren nahezu ausverkauft. Weitere Besucher genossen die schöne Musik auf der Theatertreppe oder lugten am Rande der Absperrung mal über den Zaun. Manche Zaungäste konnten sich jedoch wohl weniger mit dem Programm anfreunden und störten mit Zwischenrufen. Sogar eine Bierflasche wurde geworfen. Doch das tat der wunderbaren Atmosphäre keinen Abbruch.

Für den Programmnamen Klassik unter den Sternen″ fehlten an diesem Abend mit klarem Himmel zwar die Sterne. Dafür gab es einen Star der Konzertliteratur. Der fanfarenartige Beginn mit starken Bläsern aus dem Klavierkonzert Nr. 1 von Peter Iljitsch Tschaikowski ist ähnlich bekannt wie Beethovens fünfte Sinfonie. Solist Tzimon Barto verlieh mit feinen Handgriffen dem berühmten Werk eigene Raffinesse.

Der US-amerikanische Starpianist wetteiferte nicht mit dem Orchester, wer lauter spielt. Stattdessen fügte er sich hervorrangend dem Klang ein. Mit mitfühlender Mimik blickte er in den langsamen Passagen auf seine Noten, blätterte selbst um. Seit etwa zehn Jahren spiele er nur noch mit Noten, dadurch spiele er besser, sagte Barto im Vorgespräch mit dieser Zeitung.

Der Bodybuilder stach nicht nur mit seiner Figur hervor. Als Solist griff er auch so energisch in die Tasten, dass das ganze Klavier wackelte. Dazu hüpfte Barto immer wieder auf seinem Stuhl auf und ab. Dahinter feuerte Dirigent und Generalmusikdirektor Andreas Hotz ebenso leidenschaftlich seine Musiker an.

Zwischenapplaus gab es nach dem ersten Satz des Tschaikowski-Konzertes, der etwa so lang dauerte wie die beiden folgenden Teile. Nach dem Finale war dann der letzte Schlusston noch nicht verklungen, als der kräftige Applaus einsetzte und Barto Dirigent Hotz in die Arme sprang. Es zeigte sich: Leidenschaft verbindet nicht nur in der Musik.

Bildtext:
Beim Open Air auf dem Domvorplatz am Freitag spielte das Osnabrücker Symphonieorchester vor fast ausverkauftem Publikum und zahlreichen Zaungästen.
Foto:
André Havergo
Autor:
Ralf Döring, Mareike Bader


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