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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Todesfalle Theresienstadt
Zwischenüberschrift:
Stolpersteine erinnern an Hermann und Rosa Roberg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Die Nationalsozialisten versprachen älteren Juden einen schönen Lebensabend in Theresienstadt. Tatsächlich handelte es sich um einen zigtausendfachen Betrug, mit dem sich das Hitler-Regime zunächst an dem Vermögen ihrer Opfer bereicherte und sie dann in den Tod trieb. Hermann und Rosa Roberg starben 1942 in Theresienstadt. Jetzt erinnern Stolpersteine in Osnabrück an sie.

Seit 1908 hatte das Paar ander Bohmter Straße 29 gelebt. 1933 wurde der Reichsbahnsekretär Hermann Roberg pensioniert. Und dann bedrängten die Nationalsozialisten ihn und seine Frau Rosa.

Besondere Heimtücke

Im Januar 1942 mussten die beiden in ein sogenanntes Judenhaus umziehen. Im Juli darauf wurden sie mit dem Zug nach Theresienstadt gebracht. Dort starb Hermann Roberg nur wenige Tage, seine Frau fünf Monate später.
Über dieses Ehepaar ist kaum mehr bekannt. Doch dass Hermann und seine Frau Rosa Roberg im Konzentrationslager Theresienstadt sterben mussten, deutet darauf hin, dass sie Opfer einer besonderen Heimtücke wurden.
Denn die Nationalsozialisten lockten viele ältere Juden mit sogenannten Heimeinkaufverträgen in die Falle. Ob monatliche Einzahlungen oder die Übertragung von Vermögen als Gegenleistung garantierten ihnen die Nationalsozialisten eine lebenslange Unterbringung mit Verpflegung und Krankenversorgung in Theresienstadt.
Es sollte sich um eine jüdische Mustersiedlung″ handeln, so hieß es in der Propaganda. Bezeichnungen wie Reichsaltenheim, Kurort mit Villen und Pensionen verhießen einen angenehmen Lebensabend.
So flossen Millionenbeträge doch die Gegenleistungblieb aus. Tatsächlich waren die Heimeinkaufsverträge als eine getarnte Enteignung geplant. Und Theresienstadt wurde zur Todesfalle. Erst nachdem sie aus den Zügen stiegen, bemerkten viele der Opfer, dass sie betrogen worden waren. Die Verträge, die sie vorzeigten, galten plötzlich gar nichts mehr. Die Zimmer, Villen und Pensionen, nach denen sie fragten, gab es nicht.

Eingepfercht

Stattdessen wurden sie eingepfercht in Massenunterkünften mit kaum mehr Platz, um sich hinzulegen, dem Hunger und der Kälteüberlassen. Viele wurden bereits nach wenigen Tagenkrank und starben bald, andere wurden weiter nach Auschwitz verschleppt.
Die Nationalsozialisten sprachen dabei von einer Veränderung der Unterbringungsform″ und ermordeten ihre Opfer im Vernichtungslager.
Paten der Stolpersteine für Hermann und Rosa Roberg sind die jetzigen Eigentümer des Hauses an der Bohmter Straße 29. Es sind die Geschwister Irmela und Wolfgang Mohsell. Es berührtuns ganz besonders, dass wir einen Beitrag leisten können, an unsere Geschichte zu erinnern″, sagte Irmela Mohsell bei der Verlegung der Gedenksteine vor ihrer Haustür: Wir werden jetzt oft an Hermann und Rosa Roberg denken.″

Bildtexte:
Sie mussten ihre Wohnung verlassen: Die Nationalsozialisten vertrieben Hermann und Rosa Roberg aus dem Haus an der Bohmter Straße 29 und deportierten sie.
An das in die Falle gelockte jüdische Rentnerehepaar erinnern die Stolpersteine an der Bohmter Str.29.
Fotos:
Klaus Lindemann

Stolpersteine Gedenken an NS-Opfer
Die in den Gehwegen verlegten Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich bisher etwa 600 Kommunen angeschlossen haben, auch in Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, den Niederlanden und der Ukraine. Schüler vom Berufsschulzentrum am Westerberg haben Gedenksteine für Hermann und Rosa Roberg verlegt: Pascal Aistermann, Simon Bartsch, Jannik Hollenborg, Maurice Hüpel, Sebastian Kemme und Francesco Russello. Für künftige Verlegungen nimmt das Büro für Friedenskultur Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von Opfern des NS-Regimes entgegen, Telefonnummer 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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