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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Sunglider soll den ÖPNV revolutionieren
 
Schwebebahn aus dem 3-D-Drucker
Zwischenüberschrift:
Wie eine Osnabrücker Firma mit ihrem „Sunglider″ den ÖPNV revolutionieren will
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Wenn auf der Straße kein Platz mehr ist für öffentlichen Nahverkehr, dann muss er eben ein Stockwerk höher rollen: Nach dieser Devise haben Osnabrücker Unternehmer ein Konzept für eine neuartige, regionale Schwebebahn entwickelt, die nicht nur völlig autonom fährt, sondern auch komplett mit Solarstrom betrieben wird. Die benötigte Energie soll das System namens Sunglider″ (deutsch: Sonnengleiter) selbst herstellen mithilfe eines Fotovoltaik-Dachs, das sich über die gesamte Trasse spannt. Die Fahrzeuge selbst kommen aus dem 3-D-Drucker. Der Sunglider revolutioniert den ÖPNV in mittleren Großstädten und schützt sie nachhaltig vor Staus, Umweltverschmutzung und Klimaschäden″, versprechen die Erfinder. Stadt und Stadtwerke sprechen von einerm spannenden Projekt″.

Osnabrück Ist das die Zukunft des ÖPNV in unserer Region und anderswo? Osnabrücker Unternehmer haben ein Konzept für eine fahrerlose Solarstrom-Schwebebahn entwickelt, deren Wagen aus dem 3-D-Drucker kommen. Ihr Sunglider″ sei eine echte Revolution, sagen sie. Stadt- und Verkehrsplaner zeigen sich offen.

Osnabrück Mitte des 21. Jahrhunderts: Über Autos, Lastwagen und die Köpfe der Menschen hinweg, durch Häuserreihen und vorbei an Wiesen und Wäldern schweben reihenweise elektrische Roboter-Züge durch die Stadt. Wie von Geisterhand geführt an einer schmalen Schiene aus Stahl, die auf Stelzen stehend und in dichten Abständen mit Haltestellen versehen unter einem Dach durchsichtiger Sonnenkollektoren entlang der großen Straßen bis weit ins Umland reicht. Am Boden sorgt eine Flotte vollautomatischer Mini-E-Busse für rasche Anschlüsse. Und überall stehen kostenlos aufladbare Pedelecs bereit.

Klingt wie Science-Fiction? Ist aber möglicherweise der ÖPNV von morgen.

So jedenfalls stellt ihn sich die Firma Sunglider vor eine vierköpfige Gruppe von Osnabrücker Unternehmern, die ein nach eigenen Angaben völlig neuartiges System smarter Übergrundmetros″ entwickelt hat. Ihr Ziel: den öffentlichen Nahverkehr zu revolutionieren. Eine ausführliche, auf die Region Osnabrück zugeschnittene Ideenskizze liegt unserer Redaktion exklusiv vor.250-Kilometer-Netz

Wir erfinden das Rad nicht neu, sondern führen nur verschiedene Innovationen zusammen″, sagt Sunglider-Mastermind Professor Dieter Otten. Das System vereine die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz und Fotovoltaik mit den fortschrittlichsten Produktionsmethoden der Industrie. Denn die Bahn der Zukunft fahre nicht bloß autonom. Sie versorgt sich laut Otten auch selbst komplett mit erneuerbarer Energie. Ihre kompakten Wagen werden im Internet entworfen, auf der Basis frei verfügbarer Shuttle-Baupläne des US-Autoherstellers Local Motors. Und lassen sich anschließend per Knopfdruck fertigen überall, schnell und preiswert im 3-D-Drucker.

Der entscheidende Vorteil von Sunglider (deutsch: Sonnengleiter) liegt jedoch buchstäblich in der Luft, wie Projektentwickler Ulrich Hartwig feststellt: Indem wir mit unseren Fahrzeugen eine Etage höher gehen, in die sogenannte Ebene plus eins, können wir gewaltige Veränderungen auf der Straße erreichen zur Verschönerung der Stadt, zum Nutzen der Bevölkerung.″

Für unsere Region schlagen die Erfinder ein 254 Kilometer langes Schwebebahn-Netz aus acht bis zehn Linien vor, auf dem sich entlang von 150 Haltestellen insgesamt 284 Personenzüge und 70 Güterzüge (für Paket- und Lieferdienste) bewegen: Sternförmig führt es von Osnabrück bis nach Melle, Bohmte, Bramsche, Recke/ Mettingen, Ibbenbüren, Lengerich und zum Flughafen Münster/ Osnabrück (FMO). Eine Ringlinie umschließt die Osnabrücker City, eine weitere verbindet Wallenhorst, Belm, Bissendorf, Georgsmarienhütte, Hasbergen und Lotte miteinander.Viel billiger als eine Tram

Durch vollständige Überdachung der Trasse mit Solarmodulen ist das System den Angaben zufolge in der Lage, unterm Strich deutlich mehr Ökostrom zu produzieren, als es selbst braucht. Der Sunglider ist eine echte Klima-Bahn″, werben die Erfinder. Im Vergleich zu einem Dieselbus-ÖPNV verursache die Schwebebahn zum Beispiel pro Jahr 112 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) und 1000 Tonnen weniger Stickoxid-Emissionen (NOX).

Und viel billiger als eine Straßenbahn″ sei der Sunglider auch. Auf 3, 15 Millionen Euro schätzt Professor Otten die Investitionskosten pro Kilometer Strecke in der Vollausbaustufe. Eine Tram ohne alles koste dagegen mindestens dreimal mehr.

Der öffentliche Nahverkehr ist in seiner jetzigen Form ein teurer Flop und muss unbedingt neu aufgestellt werden″, fordert Otten. Dazu müsse man mutige Schritte gehen″. Jahrelang hätten er und seine Mitstreiter an der Sunglider-Idee gefeilt, Trends beobachtet, Fakten gecheckt und Zahlen geprüft. Jetzt sei es an der Zeit, das Projekt der Öffentlichkeit vorzustellen und umzusetzen. Osnabrück biete dafür ideale Voraussetzungen nicht nur wegen der Verkehrssituation, sondern auch wegen des Know-hows der regionalen Wirtschaft.

Otten: Wir haben vor Ort und in der Nähe eine starke Automobilbranche, dazu einige der besten Softwareschmieden und Spezialisten für künstliche Intelligenz.″ Stahlbauer und Fotovoltaik-Firmen gebe es ebenfalls genügend. Das ganze Drumherum, speziell den 3-D-Druck der Fahrzeuge, will die Sunglider AG selbst übernehmen: Eine geeignete Halle am Unternehmenssitz in Lotte-Wersen hat das Start-up bereits angemietet.Pilotstrecke im Visier

Und was halten die obersten Stadt- und Verkehrsplaner in Osnabrück vom Sun-glider? Diese Idee hat auf den ersten Blick Charme″, findet Stadtwerke-Mobilitätsvorstand Stephan Rolfes. Die Mobilität der Zukunft müsse insbesondere im urbanen Raum neue Wege gehen und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur auf und unter dem Boden, sondern auch ein Stockwerk höher.″

Stadtbaurat Frank Otte stellt fest: Das ist ein spannendes Projekt! Die Stadt suche immer nach Möglichkeiten, den Verkehr besser zu verteilen. Noch seien aber viele Fragen zur Schwebebahn-Idee offen.

Antworten darauf versprechen sich die Entwickler von einer Machbarkeitsstudie, die laut Professor Otten schnellstmöglich in Auftrag gegeben werden soll. 2020 will Sunglider einen Prototyp ausstellen. Auch eine gut 3, 6 Kilometer lange Pilotstrecke in Osnabrück hat die Firma bereits im Auge: Sie führt von der Autobahn-Ausfahrt Hellern über Kurt-Schumacher-Damm und Martinistraße bis auf den Neumarkt.

Bildtexte:
Fahrerlos und solarbetrieben: So stellt sich die Firma Sunglider in Osnabrück und Umgebung ihr System aus Schwebebahn und Mini-E-Bus-Flotte vor.
Auf diesen Linien soll der Sunglider eines Tages die Region erschließen.
Erfindergeist trifft Unternehmertum: (von links) Ulrich Hartwig, Lea Mor, Heiner Gerbracht und Dieter Otten stecken hinter dem Projekt Sunglider.
Fahrzeuge aus dem 3-D-Drucker: Der US-Autohersteller Local Motors ist das Vorbild für die Sunglider-Entwickler aus Osnabrück.
Fotomontage:
Sunglider/ Dieter Otten
Grafik:
Sunglider
Fotos:
Michael Gründel, Local Motors

Kommentar
Verrückt? Genial!

Der Sunglider mag auf den ersten Blick erscheinen wie eine alberne Spinnerei zu abgefahren klingt das Konzept von einer fahrerlosen, solarbetriebenen Schwebebahn aus dem 3-D-Drucker. Doch bei näherem Hinsehen entpuppt sich die vermeintlich verrückte Idee durchaus als zukunftsträchtig, wenn nicht sogar als genial.

Denn nichts von dem, was die kleine Unternehmergruppe um den Osnabrücker Professor Dieter Otten vorschlägt, ist Science-Fiction, muss also erst noch erfunden werden. Im Gegenteil: Alles, was das von ihnen entwickelte System zum Funktionieren braucht, gibt es für sich genommen schon. Nur eben nicht in dieser Kombination.

Der Sunglider bringt auf dem Gebiet der Elektromobilität verschiedene Innovationen sinnvoll unter einen Hut. Künstliche Intelligenz, hocheffiziente Fotovoltaik, internetgestützte Fahrzeugfertigung in dezentralen Mikrofabriken: In diesem Verkehrsmittel steckt mindestens technologischer Fortschritt hoch drei. Beinahe drängt sich die Frage auf, warum da vorher keiner drauf gekommen ist.

Vor diesem Hintergrund verdient es der Sunglider-Vorschlag, ernsthaft diskutiert und auf seine Machbarkeit überprüft zu werden. s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker


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