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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Realschulen wehren sich
 
Diese Reform macht Bauchschmerzen
Zwischenüberschrift:
Keine Umwandlung bei Schulreform
 
Realschulen wollen sich nicht in Oberschulen umwandeln lassen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Osnabrücker Schullandschaft soll reformiert werden. Neue Schulen sollen enststehen und neue Schulformen. Eine davon wird die Oberschule sein, die es in Osnabrück zwar gibt, aber noch nicht in kommunaler Trägerschaft.

Erklärtes Ziel von Politik und Verwaltung ist die Umwandlung aller städtischen Realschulen in Oberschulen zum Schuljahr 2020/ 21. Für Osnabrücks Realschulleiter stehen hinter der geplanten Reform aber noch viele Fragezeichen. Mit dem Konzept, das am kommenden Dienstag im Rat verabschiedet werden soll, sind sie nicht einverstanden.

Osnabrück Die Politik hat für den Umbau der Osnabrücker Schullandschaft gemeinsam mit der Verwaltung einen Kompromiss gefunden. Aber nicht alle sind damit einverstanden. Die Schulleiter der Realschulen sehen ihre Interessen nicht gewahrt.

Sie seien keineswegs gegen Oberschulen (OBS), sagen Birgit Kaiser (Leiterin der Erich-Maria-Rermarque- Realschule), Sabine Heller (Konrektorin der Bertha-von-Suttner- Realschule) und Dirk Ebrecht (Leiter der Wittekind-Realschule). Gleichzeitig sprechen sie sich vehement für den Erhalt der schulischen Vielfalt in Osnabrück aus, und dazu gehören ihrer Meinung nach auch die Realschulen. Zudem fühlen sie sich von der Entwicklung überrollt und kreiden Verwaltung und Politik eine unzureichende Kommunikation an.

Den Unmut der drei Schulleiter hat das jüngst im Schulausschuss beschlossene Grundsatzpapier ausgelöst, demzufolge im Zuge der Umstrukturierung der Mittelstufenlandschaft (Sekundarstufe I) die drei Realschulen in Oberschulen zum Schuljahr 2020/ 21 umgewandelt werden sollen. Zeitgleich soll aus der Hauptschule Innenstadt, der Möser-Realschule und der Förderschule an der Rolandsmauer eine weitere Oberschule entstehen. Zusätzlich ist eine Schulneugründung im südlichen Stadtbereich geplant, möglicherweise am Standort der Käthe-Kollwitz-Schule, um den steigenden Schülerzahlen der kommenden Jahre gerecht zu werden.

Noch am 21. Mai habe es ein Treffen aller Sek-I-Schulleiter gegeben, bei dem ein anderes Modell vorgestellt worden sei, so Ebrecht. Vorgesehen gewesen seien da noch eine Neue Oberschule Innenstadt und die OBS-Neugründung. Dass ihre Schulen im selben Atemzug ebenfalls in Oberschulen umgewandelt werden sollen, habe bei diesem Treffen niemand gesagt. Das sei erst sechs Tage später deutlich geworden, als die Verwaltung einen Ablaufplan für die Umgestaltung der Schullandschaft verschickt habe. In der Entscheidungsphase wurde nicht mehr kommuniziert″, so der Vorwurf der Schulleiter. Mobilklassen

Es sei ein Fehler, den bestehenden Realschulen eine neue Schulform überstülpen″ zu wollen, so Ebrecht, zumal, wenn die baulichen Voraussetzungen dafür noch nicht einmal geschaffen seien. In der Tat sieht der Plan vor, den Oberschulbetrieb zunächst in Mobilklassen aufzunehmen, während parallel die Bauarbeiten laufen, mit denen der räumliche Mehrbedarf einer dann jeweils vierzügigen OBS an den jeweiligen Standorten gedeckt werden kann.

Eine neue Schule in Containern entstehen zu lassen, das geht nicht″, sagt Ebrecht. Außerdem sei die Zeit für die Erstellung neuer Schulkonzepte viel zu knapp bemessen. Politik und Verwaltung sehen in der Einrichtung von nur zwei Oberschulen bei Beibehaltung der Realschulen hingegen die Gefahr, dass die Oberschulen zu Restschulen″ verkommen, in denen sich allein die schwächeren Schüler sammeln. Kaiser hält dem entgegen, dass die Gefahr bei zwei komplett neuen, topeingerichteten″ und damit äußerst attraktiven Schulen nicht gegeben sei. Die Schulleiter wissen aus ihren Kollegien, dass auch dort die Pläne nur auf wenig Gegenliebe stoßen. Schule lebe aber eben nicht allein vom Unterricht, sagt Heller. Tragendes Moment einer jeden Schulgemeinschaft sei das Engagement der Lehrer, das oftmals weit über die reine Wissensvermittlung hinausgehe. Ebrecht, Heller und Kaiser sehen die Gefahr, dass diese Motivation bei den derzeitigen Planungen auf der Strecke bleibe, fürchten gar eine Welle von Versetzungsanträgen. Ebrecht hat im Zuge der Reformdiskussion schon jetzt eine potenzielle Lehrkraft verloren, die sich eigentlich für seine Schule entschieden hatte, dann mit Blick auf die mögliche Umwandlung in eine OBS nach seinen Worten aber ein anderes Realschulangebot angenommen hat.

Wir haben unterschiedliche Schüler und brauchen deswegen auch unterschiedliche Schulen″, spricht sich Kaiser klar für das dreigliedrige Schulsystem aus. Sie sieht ein Absinken des Lernniveaus an den integrierenden Oberschulen. An vielen Oberschulen würden die integrierenden Systeme deshalb bereits zurückgefahren und wieder Real- und Hauptschulzweige eingerichtet. Kaiser: Wir brauchen unterschiedliche Schulformen, weil wir auch unterschiedliche Kinder haben.″Zu großzügig geplant

Heller zweifelt zudem die Berechnungen der zukünftigen Schülerzahlen an. Zwei fünfzügige und drei vierzügige Oberschulen seien zu großzügig geplant, ist sie sich sicher. Die Leiter der drei kommunalen Realschulen erachten es als sinnvoller, zunächst einmal Geld in die Neue Schule Innenstadt und die Schulneugründung zu investieren. Danach könne eine Umwandlung ihrer Schulen in Oberschulen neu gedacht werden. Grundlegende Voraussetzung sei dann aber eine Abfrage des Elternwillens vor allem in den Grundschulen und dass eine Umwandlung erst erfolgt, wenn die dafür notwendigen Bauarbeiten abgeschlossen und somit die äußeren Voraussetzungen geschaffen sind.

Die Schulelternräte der drei Realschulen haben sich ebenfalls geäußert. Sie lehnen eine Umwandlung ihrer Schulen klar ab. Gleichzeitig bemängeln sie eine unzureichende Informationspolitik von Politik und Verwaltung. Die Eltern der Realschüler hätten sich bewusst für diese Schulform entschieden, weil sie in den homogenen Lerngruppen einer Realschule bessere Lernbedingungen sehen als in den heterogenen Gruppen einer Oberschule, heißt es in einem Schreiben an die Mitglieder des Rates.

Bildtext:
Die Realschulen melden sich zu Wort: Sie bezweifeln die Tragfähigkeit der Konzepts zur Reform der Schullandschaft.
Foto.
dpa

Kommentar
Berechtigte Einwände

Dass die Realschulen ihre Umwandlung zu Oberschulen nicht einfach so hinnehmen würden, war absehbar. Die Argumente der drei Schulleiter haben Gewicht und sind nicht so einfach vom Tisch zu wischen. Allerdings sollten sie nicht den Weg zur Mittelstufenreform versperren.

Das jüngst im Schulausschuss vorgestellte und in der Ratssitzung am kommenden Dienstag zu beschließende Papier zur Sek-I-Reform ist ein nach vielen Jahren quälender Diskussionen mühsam ausgehandelter Kompromiss. Das feingliedrige Konstrukt einer seltenen parteiübergreifenden bildungspolitischen Einigkeit ist äußerst fragil. Aber das sind die Probleme einer ideologiegetriebenen Parteipolitik und hat die Schulleiter nicht zu interessieren.

Und so sind ihre Einwände gegen die Planungen berechtigt, weil fachlich gut begründet. In der Tat scheint es nicht praktikabel, eine neue Schulform im Chaos einer völlig unzureichenden Containerunterbringung an den Start zu bringen. Ebenso fraglich ist es, ob Schule gelingen kann, wenn die Akteure in diesem Fall die Lehrer nicht hinter dem stehen, was sie tun sollen. Die Frage nach dem Elternwillen hat ebenfalls ihre Berechtigung. Da allerdings sind wohl mehr die gefragt, deren Kinder noch vor der Entscheidung stehen, welche Schulform sie besuchen wollen.

Ob zwei fünfzügige Oberschulen zu Restschulen″ verkommen, wenn drei Realschulen zunächst weiter bestehen? Die Gefahr besteht. Letztendlich kann diese Frage nur in der Praxis beantwortet werden.

Politik und Verwaltung haben ihren gemeinsamen Beschlussvorschlag als Grundlagenpapier für alle weiteren Überlegungen bezeichnet. Das heißt aber auch, dass Änderungen im Vorgehen möglich sind. Dabei sollten Schulen und Eltern einbezogen werden, denn den viel gepriesenen Schulfrieden kann es nur geben, wenn alle Beteiligten sich in der Reform wiederfinden.

d.kroeger@ noz.de
Autor:
Dietmar Kröger


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