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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bürger bieten Hilfe beim Neumarkt an
 
Frust versus Freude nach Center-Flop
 
Modekette auf Standortsuche
 
Tür zu für den Sport-Aldi?
Zwischenüberschrift:
Nach Investoren-Rückzug am Neumarkt: Johannisstraße resigniert, Krahnstraße jubelt
 
Was das Center-Aus für Ankermieter Sinn bedeutet
 
Was das Center-Aus für Ankermieter Decathlon bedeutet
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Der Center-Flop hat am Wochenende eine breite Diskussion um die Zukunft des Neumarktes und der Johannisstraße ausgelöst. Die Konzeptgruppe Plan B″, die 2017 in ehrenamtlicher Arbeit eine Alternative zum Einkaufszentrum mit Kulturzentrum, Wohnungen und Freiräumen vorgelegt hatte, bietet der Stadt ihre Hilfe an. Die Konzeptgruppe wünsche sich von der Stadt, gemeinsam mit der Bürgerschaft gute zukunftsfähige Lösungen″ zu entwickeln, heißt es in einer Erkläräung von Reinhard Richter, der die Initiative ins Leben gerufen hatte. Politik und Verwaltung sollten kreative Zwischennutzungen″ wie Pop-up-Läden, Künstlerateliers oder Start-up-Unternehmen ermöglichen. Er gehe davon aus, dass auch der Centerinvestor ein Interesse daran habe, ein Quartier in hoher Qualität und Verantwortung für die Stadtentwicklung zu realisieren″. Während Gewerbetreibende der Krahnstraße das Center-Aus bejubeln, herrscht in der Johannisstraße tiefe Frustration. Es ist eine Katastrophe, was hier in der Johannisstraße passiert″, sagt Geschäftsinhaber Ahmet Taskan.

Osnabrück Nur 750 Meter Fußweg liegen zwischen der Osnabrücker Krahnstraße und der Johannisstraße. Doch der Kontrast könnte größer kaum sein. Die Geschäftsleute der Krahnstraße sind froh, dass das Einkaufszentrum am Neumarkt nicht kommt und in der von Baustellen gebeutelten Johannisstraße herrscht Resignation.

Optiker Udo Exner hat an diesem Samstag die Tür seines Brillengeschäftes geöffnet: Heute erschallt dank des Wochenendes endlich einmal kein Baulärm vom Baulos 2″ vor H& M, wo noch bis Ende Juli unter großem Lärm 22, 5 Meter tiefe Löcher in den Boden gebohrt werden. Auch direkt gegenüber von Brillen Lünetta ist der Boden aufgerissen, damit die Stadtwerke dort neue Leitungen verlegen können, bevor die Straße erneuert wird.

Dahinter ragt das baufällige Kachelhaus empor. Der Klotz wird dort wohl noch eine geraume Zeit stehen bleiben, denn die Pläne für den Abriss des Kachelhauses und den Bau eines Einkaufszentrums sind mit dem Rückzug des Pariser Investors Unibail Rodamco Westfield geplatzt.

Wenn Kunden ihn fragten, ob er für das Einkaufszentrum sei oder dagegen und was er von einer Sperrung des Neumarktes für Autos halte, habe er zuletzt immer geantwortet: Ich bin froh, wenn hier überhaupt etwas passiert, Hauptsache hier kommt etwas Neues hin″, berichtet Augenoptikermeister Udo Exner. Und jetzt ist wieder Stillstand.″ Beziehungsweise Baustelle. Die Straße wird seit Mai 2018 erneuert. Ich kann diese rot-weißen Baken nicht mehr sehen″, sagt Exner. Noch bis voraussichtlich Ende 2020 müssen die Geschäftsleute der Johannistraße die Baustelle ertragen.

Mit den Center-Plänen ist auch die Hoffnung geplatzt, dass die Kundenströme in die Straße gezogen werden. Wir waren erst optimistisch″, sagt Ottmar Sorg, Filialleiter von Foto Erhardt in der Johannisstraße. Osnabrück hätte mit dem Center eine gewisse Magnetkraft bekommen. Jetzt ist es eher eine abstoßende Wirkung.″ An diesem Samstagvormittag sind er und eine Kollegin alleine im Laden. Früher waren wir schon mal zu acht.″

Ahmet Taskan, der zusammen mit seiner Schwester den Citykiosk neben der Stadtbäckerei, den Friseursalon Diana und seit Kurzem auch den Kiosk 24 gegenüber von Brille Lünetta betreibt, spricht von Umsatzeinbußen in Höhe von bis zu 30 Prozent durch die Baustelle und den Wegfall der Busse während der Bauphase. Es ist eine Katastrophe, was in der Johannisstraße passiert″, sagt er. Auch er bedauert, dass das Neumarkt-Center nicht kommt. Das hätte mehr Menschen in die Innenstadt gezogen.″

Völlig entgegengesetzt sind die Reaktionen aus der Krahnstraße. Die Nachricht vom endgültigen Aus für das Einkaufscenter am Neumarkt erfülle die Herzen der Mitglieder der 2011 gegründeten Initiative Lebendiges Osnabrück″ mit mehr als klammheimlicher Freude, schreibt Herlinde Fohs von der gleichnamigen Weinhandlung in der Krahnstraße in einem Nachruf auf den Neumarkt″. Sie will darin nicht von Besserwisserei sprechen, dennoch habe die Initiative viel früher als der Investor, aber auch als die damalige Stadtverwaltung die Gefahren durch und für das Center vorausgesehen.

Auch Uta Westerholt vom Prelle-Shop in der Krahnstraße hat die Entscheidung mit positiven Gefühlen aufgenommen. Natürlich haben wir uns in den vergangenen Jahren große Sorgen gemacht, welche Auswirkungen so ein Center auf die Krahnstraße haben kann.″ Sie hoffe, dass der Schandfleck am Neumarkt irgendwann verschwinde. Für Besucher unserer Stadt ist die aktuelle Situation eine Katastrophe.″

Durch die Nachricht vom Center-Aus und den zumindest für die Krahnstraße positiven Zahlen des kürzlich vorgestellten Handelsmonitors verspürt Westerholt durchaus Rückenwind. Wir hoffen, dass die Kunden dem Einzelhandel in Osnabrück treu bleiben″, so Uta Westerholt.

Die Anlieger der Johannisstraße sehen da eher schwarz. Für sie verzeichnete der Handelsmonitor 2018 erneut einen Passantenrückgang um 25 Prozent nach einem Minus um 20 Prozent 2017. Wir kämpfen hier ja gegen Windmühlen″, sagt Udo Exner. Seit Jahren setzen er, Sorg und weitere Anlieger der oberen Johannisstraße sich für eine Verbesserung ihrer Lage ein. Zuerst war es vor allem die Alkohol- und Drogenszene vor ihren Geschäften, mit der sie sich von der Stadt alleingelassen fühlten. Im Herbst vor zwei Jahren beschwerten sie sich schriftlich bei der Stadt über die Verwahrlosung der Johannisstraße ein Jahr später startete die Straßensanierung. Da sich nichts verbesserte, beschwerten sie sich erneut, jetzt haben sie aufgegeben. Kein einziges Ratsmitglied habe sich bei ihm blicken lassen, sagt Exner; Sorg berichtet, dass nur einer von der FDP mal in sein Geschäft gekommen sei.

Die frühere Alkohol- und Drogenszene, die vor vier Jahren vom Salzmarkt Richtung Neumarkt gewandert war, ist mittlerweile einer neuen Klientel gewichen, beobachtet Exner. Vor Edeka Kutsche sitzt eine junge Frau auf dem Boden, in der einen Hand ein Foto, das Kinder zeigt, und in der anderen Hand ein Pappbecher. Das sind organisierte Bettler″, sagt der Augenoptiker. Mittlerweile wird im Baustellenbereich auch offen mit Drogen gedealt, stecken sich junge Männer kleine Tütchen zu. Hier herrscht von morgens bis abends Randale″, so Exner. Die Bäckerei Schäfer hat die Johannisstraße verlassen, die Modekette Sinn hat die Johannisstraße 41 Anfang des Jahres verlassen, um einem Hotelkomplex Platz zu machen. Das wird eine Bauruine″, vermutet der Optiker.

Aufgeben will er trotzdem nicht. Diesen Standort hier gibt es seit mehr als 100 Jahren″, sagt Udo Exner. Viele Stammkunden halten dem Brillengeschäft die Treue und der Optiker ist froh, dass seine Mitarbeiterinnen die Situation mit ertragen. Wir wollen die Straße irgendwann noch in Schön erleben″, sagt Exner. Ottmar Sorg von Foto Erhardt ist da weniger optimistisch. Ich kämpfe weiterhin aber vielleicht umsonst.″

Bildtext:
Es kommt kein Einkaufszentrum, das Kunden in die Johannisstraße ziehen könnte.
Fotos:
Michael Gründel, Sandra Dorn

Kommentar
Die Johannisstraße ist jetzt an der Reihe

Die Hauseigentümer und Gewerbetreibenden in der Johannisstraße sind die Verlierer des Center-Flops. Sie haben einen Anspruch darauf, dass sich die Politik jetzt dieses extrem benachteiligten Quartiers mit höchster Priorität zuwendet.

Vor ziemlich genau sechs Jahren, im Juli 2013, begann der Abriss des Neumarkttunnels. Seither erdulden die Anlieger der Johannisstraße Baulärm, Schmutz, Provisorien, Sperrungen, Umleitungen und die Trostlosigkeit leer stehender Schaufenster. Sie haben all das ertragen, weil ihnen ein Investor und die Stadt versprochen hatten, dass an der Johannisstraße etwas Neues entstehen wird. Etwas Großes, das die Straße mit nach oben ziehe.

Alle Ratsfraktionen haben nun in ersten Reaktionen versichert, möglichst schnell einen neuen Bebauungsplan und kluge Nutzungskonzepte auf den Weg bringen zu wollen. Fast alle Fraktionen liebäugeln schon mit dem Gedanken, dass die Stadt die Liegenschaften erwirbt, um die Entwicklung selbst in die Hand nehmen zu können.

Wir dürfen gespannt sein, ob der Rat dazu am Ende den Mut und die Entschlossenheit aufbringt. Denn die Millionen dafür müsste sich die Stadt leihen genauso wie die Millionen für die Theatersanierung, die Schulneubauten, die Kapitalausstattung der zu schaffenden Wohnungsgesellschaft oder die Modernisierung des VfL-Stadions.

w.hinrichs@ noz.de

Osnabrück Das Ende der Center-Pläne in Osnabrück trifft Ankermieter Sinn hart, aber nicht unvorbereitet. Es hat sich angedeutet″, sagt der Generalbevollmächtigte der Modekette, Friedrich-Wilhelm Göbel. Die Suche nach einem vollwertigen Filialstandort in der Innenstadt beginnt für ihn damit von vorne.

Seit Sinn (früher Sinn Leffers) Ende 2018 sein angestammtes Haus in der Johannisstraße wegen eines geplanten Hotel-Neubaus räumen musste, ist von dem einstmals großen Osnabrücker Traditionsgeschäft nur noch ein Mini-Laden in der Krahnstraße übrig geblieben. Dort, wo sie sich eingangs der Theaterpassage eingenistet hat, um später als Ankermieter ins neue Einkaufszentrum Oskar umzuziehen, bietet die Modekette eine Auswahl von Wäsche und Dessous an. Für das volle Sortiment reicht das Lokal nicht aus. Wie nach der offiziellen Beerdigung der Center-Pläne am Freitag für Sinn auch am Neumarkt kein Platz mehr ist vorerst.

Die Entscheidung des Investors, das Center doch nicht zu bauen, muss man respektieren″, sagt Sinn-Chef Göbel. Auch wenn sich dadurch die Zukunftspläne seines Unternehmens vor Ort zunächst in Luft auflösten, sei sie nicht falsch, im Gegenteil: Es ist eine vernünftige, weitsichtige Entscheidung, die gut ist für den Einzelhandelsstandort.″

Unibail-Rodamco-Westfield (URW) habe erkannt, dass die Shopping-Mall (Arbeitstitel Oskar″) mit einer vorgesehenen Verkaufsfläche von 16 500 Quadratmetern zu groß gewesen wäre. Das hätte den Markt in Osnabrück komplett aus dem Gleichgewicht geworfen.″ Außerdem, so Göbel, sehe der Investor an seinen jungen Centern etwa in Recklinghausen (Palais Vest) und Mönchengladbach (Minto), wie schwer es sei, solche Konsumtempel heutzutage wirtschaftlich zu betreiben.

Für Sinn und andere designierte Mieter stellt sich mit dem Rückzieher von URW nun die Niederlassungsfrage neu. Ganz aufgeben will Göbel die Option Neumarkt aber noch nicht.

Nach der am Freitag verlautbarten Absicht von URW-Deutschlandchef Andreas Hohlmann, in Osnabrück statt des Projekts Oskar fortan die Entwicklung einer gemischt genutzten Immobilie″ mit Wohnungen und Einzelhandel anzustreben, geht der Sinn-Generalbevollmächtigte davon aus, dass der Investor seinen bisherigen Vertragspartnern demnächst überarbeitete Pläne für das millionenschwere City-Areal vorlegt. Die Modekette würde sich in einem solchen Mixed-Use-Konzept gerne wiederfinden, so Göbel. Wir sind gerne in Osnabrück, haben dort treue Kunden und erwirtschaften gute Erträge.″ Deswegen werde Sinn auch am Provisorium in der Theaterpassage festhalten.

Bildtext:
Von der Zwischen- zur Dauerlösung? Die Modekette Sinn wollte eigentlich später aus der Theaterpassage in das Neumarkt-Center ziehen.
Fotos:
Sebastian Stricker, Jörn Martens

Osnabrück Seit über zehn Jahren sucht Decathlon in Osnabrück nach einem Standort. Im Neumarkt-Center wurde der Sport- und Campingartikel-Gigant endlich fündig, hatte bereits einen Mietvertrag. Doch nach dem Aus von Oskar″ ist die Tür erst mal wieder zu.

Die Stadt will uns nicht!″, klagt ein Topmanager. Decathlon gilt in der Branche als Sport-Aldi″. Das Geschäftsmodell: große Auswahl, kleine Preise. Im Sortiment befinden sich mehrere Zehntausend Produkte aus vielen Dutzenden Sportarten, außerdem jede Menge Campingartikel. Die allermeisten Waren stellt das Unternehmen selbst her und verkauft sie als Eigenmarken.

1986 fasste Decathlon, das in seinem Stammland Frankreich mit mehr als 300 Läden den Markt beherrscht und auch in Südeuropa und Asien sehr erfolgreich ist, erstmals Fuß in Deutschland. Aus einer Filiale in Dortmund-Kley sind inzwischen bundesweit knapp 70 geworden. Der Großteil davon eröffnete in den vergangenen drei Jahren. Nur in Osnabrück konnte Decathlon bislang nicht landen.

Und das dürfte auch eine Weile noch so bleiben. Denn mit dem Ende aller Center-Pläne am Neumarkt hat auch der Mietvertrag, den Decathlon für die Shopping-Mall Oskar besaß, seine Gültigkeit verloren.

Osnabrück ist kein einfaches Pflaster für uns″, sagt Ludger Niemann, Sprecher der Unternehmensentwicklung bei Decathlon Deutschland. Wir suchen schon seit über zehn Jahren nach einem passenden Standort, und wir werden das auch weiterhin tun.″ Das städtische Märkte- und Zentrenkonzept, in dem genau festgelegt ist, wer sich wo mit welchem Angebot ansiedeln darf, mache es dem Konzern jedoch schwer, ein Geschäft in geeigneter Lage zu eröffnen. Die Stadt will uns nicht, und sie ist auch nicht gesprächsbereit.″

Am liebsten, so der Topmanager, würde Decathlon sich dort niederlassen, wo Kunden gut mit dem Auto hinkommen können und es bereits andere Fachmärkte gibt, an der Hannoverschen Straße oder Pagenstecherstraße zum Beispiel″. Insofern sei auch das Neumarkt-Center kein Traumstandort″ gewesen, sondern eher ein Kompromiss″, der nötig schien, um überhaupt in Osnabrück präsent zu sein.

Niemann erklärt: Wir verlieren immer Umsatz in Innenstadtlagen.″ Und die rund 2000 Quadratmeter, die Decathlon im Oskar zur Verfügung gestanden hätten, seien eigentlich 1000 zu wenig für das Vollsortiment″.

Was der Sprecher aber auch feststellt: Sobald wir mit einem Geschäft vor Ort sind, kaufen unsere Kunden weniger in unserem Online-Shop, sondern im Laden.″

Bildtext:
Decathlon will unbedingt nach Osnabrück, fand aber bislang keine passende Immobilie oder scheitert an den städtischen Regeln.
Foto:
dpa/ Roland Weihrauch
Autor:
Sandra Dorn, Wilfried Hinrichs, Sebastian Stricker


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