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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Investor weg – was nun am Neumarkt?
 
„Oskar″ fliegt endgültig in die Tonne
 
„Das ist ein Schlag in die Fresse . . .″
Zwischenüberschrift:
Einkaufszentrum wird nicht gebaut / Stadt droht jahrelanger Stillstand
 
Wie geht es nach dem Aus fürs Neumarkt-Center weiter? Reaktionen der Ratsfraktionen
 
So kommentieren Osnabrücker Akteure das Aus für das Shoppingcenter am Neumarkt
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Am Neumarkt wird kein Einkaufscenter entstehen. Diese Nachricht löste gestern eine Schockwelle aus, weil auf Osnabrücks zentralem Platz nun ein langer Stillstand droht.

Nach 16 Jahren Vorarbeit, hitzigen politischen Auseinandersetzungen, langem Hinhalten des Investors und vielen Spekulationen über die Wirtschaftlichkeit herrscht jetzt Gewissheit: Der französische Konzern Unibail Rodamco Westfield (URW) verabschiedet sich von dem Plan, am Neumarkt das versprochene Einkaufsparadies zu realisieren. Wie aus informierten Kreisen verlautet, sind die Baukosten von ursprünglich kalkulierten 130 Millionen auf über 175 Millionen gestiegen. Eine Refinanzierung über Mieteinnahmen erscheint unmöglich.

URW strebe statt eines Centers die Entwicklung einer gemischt genutzten Immobilie an″, teilte URW-Vorstandsvorsitzender Andreas Hohlmann mit. Nach sorgfältiger Analyse″ habe das Unternehmen den Schluss gezogen, dass die steigenden Baukosten am überhitzten deutschen und europäischen Baumarkt die Umsetzung des Projekts weder im Sinne von URW noch der Stadt Osnabrück möglich machten.

Co-Investor Theodor Bergmann äußerte sich sehr enttäuscht über den Rückzug des Geschäftspartners. Das Verhalten des Investors empfinde er als Schlag in die Fresse aller, die sich für das Projekt starkgemacht haben″.

Was mit den Schrottimmobilien passiert, die der Centerinvestor in den vergangenen Jahren für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag gekauft hat, ist derzeit ungewiss. Für den Weltkonzern mit Sitz in Paris ist Osnabrück nur ein kleiner Fisch. Es steht die Befürchtung im Raum, dass der Schwebezustand weitere Jahre anhält und die Immobilien an dieser zentralen Stelle der Stadt zusehends verfallen.

Für den Bereich gibt es seit 2014 einen rechtskräftigen Bebauungsplan, der eigens für das Einkaufszentrum aufgestellt worden ist. Die Stadt muss nun den Planungsprozess neu starten, was wahrscheinlich Jahre in Anspruch nehmen wird. Offen ist, ob Unibail Rodamco Westfield selbst in alternative Konzepte investiert oder zum Verkauf von Teilflächen bereit ist.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) sagte, nun gelte es nach vorn zu blicken und nicht zu kritisieren, dass große Teile des Rates wohl zu blauäugig waren und auch der Investor sich verrechnet hat″. Er werde viel Wert darauf legen, dass eine große Anzahl bezahlbarer innerstädtischer Wohnungen geschaffen wird″. Es sei richtig gewesen, unabhängig von der Centerplanung die Umgestaltung des Neumarktes zu starten. Die Abkehr vom Center hat keinen Einfluss auf die Frage, ob in Zukunft Autos über den Neumarkt fahren dürfen. Aus der Politik wurden Stimmen laut, die Stadt sollte sich die Grundstücke sichern, um die Entwicklung selbst in die Hand nehmen zu können.

Vor genau einem Jahr hatte die Spitze von Unibail Rodamco Deutschland vor laufenden Kameras den Bauantrag an Griesert übergeben. Andreas Hohlmann versicherte damals: Wir haben nie wirklich an dem Projekt , Oskar′ gezweifelt. Wir sind nach wie vor fest vom Einzelhandelsstandort Osnabrück überzeugt.″ Der Centerinvestor nimmt nun die letzte mögliche Ausfahrt, denn solange die Baugenehmigung nicht erteilt ist, greifen die vertraglich mit der Stadt vereinbarten Fristen zum Bau des Centers nicht. Die Baugenehmigung scheiterte bisher an Unterlagen zum Brandschutz, die Unibail schuldig geblieben ist. Deshalb ist Unibail auch nicht verpflichtet, die Pläne umzusetzen.

Bildtext:
Endgültig gestoppt: Der Centerentwickler zieht sich vom Projekt Oskar″ am Osnabrücker Neumarkt zurück.
Foto:
Jörn Martens

Kommentar
Mies behandelt

Endlich herrscht Gewissheit. Das ist das Gute an der Nachricht vom Ausstieg des Centerinvestors. Die Hängepartie ist vorüber, die Stadt weiß jetzt, woran sie ist. Höchst ärgerlich ist das Ganze trotzdem, denn der Pariser Konzern hat die kleine Stadt an der Hase ziemlich mies behandelt.

2014 erlangte der Bebauungsplan Rechtskraft. Seither blickten alle erwartungsvoll auf den Investor, dessen Millionen dabei helfen sollten, das städtebauliche Elendsgebiet in ein modernes Quartier zu verwandeln. Aber es passierte nichts.

Politiker und Medien, die immer wieder penetrant nachfragten, ließ Unibail mit den immer gleichen Floskeln ins Leere laufen. Noch vor einem Jahr posierte die deutsche Unibail-Spitze mit den Aktenordnern, die den Bauantrag enthielten, vor den Kameras. Der Konzern hat nicht offen und ehrlich kommuniziert. Er hat geblendet, die Lage schöngeredet und die Stadt zum Narren gehalten. Hätte der Investor früher die Ausstiegsoption avisiert, hätte die Stadt an die Arbeit für den Plan B gehen können. Es wäre nicht weitere Zeit nutzlos verstrichen.

Vor diesem Hintergrund darf Osnabrück vom Investor erwarten, dass er bei der Neuplanung kooperativer agiert. Es wäre fatal für Osnabrück, wenn der Weltkonzern sich jetzt nicht intensiv um die Schrottimmobilien kümmerte. Wohnungen, Hochschuleinrichtungen, Nahversorger, Kultur und Dienstleistungen es gibt viele gute Ideen für das Quartier.

Sie müssen jetzt in konkrete Formen gegossen, ein neuer Bebauungsplan aufgestellt und Investoren gefunden werden. Unibail Rodamco sollte dabei aktiv mitwirken, denn der Konzern hat etwas gutzumachen in Osnabrück.

w.hinrichs@ noz.de

Osnabrück Wohnungen stehen mit auf der Ideenliste der Osnabrücker Ratsfraktionen für eine Zukunft des Neumarktes ohne Einkaufszentrum. Das Problem: Der Rat kann bei den Planungen nicht einfach so bei null anfangen, denn die Stadt hat gar keinen Zugriff auf die Flächen. Die gehören weiterhin Center-Investor Unibail Rodamco Westfield. Am 25. Juni will Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) in der Ratssitzung über den aktuellen Stand der Dinge informieren.

Allgemein herrscht bei den Parteien Konsens darüber, jetzt in die Zukunft zu blicken und konstruktiv zusammenzuarbeiten auch wenn die, die es schon immer gewusst haben wollen, noch etwas nachtreten: CDU und BOB waren gegen das Einkaufszentrum am Neumarkt. Die Reaktionen auf das Center-Aus im Einzelnen:

Griesert: Leider bestätigen sich mit dieser Entscheidung [des Center-Investors, Anm. d. Red.] meine frühzeitigen Zweifel an der Realisierung des Centers, für deren Grundstücke der Rat schon vor fünf Jahren den Bebauungsplan Nr. 600 beschlossen hat. Ich war allerdings nach Abschluss des Durchführungsvertrages gehindert, meine Zweifel öffentlich zu machen, auch wenn ich dem Vertrag im Rat nicht zugestimmt habe.″ Die Stadt müsse nun sehr kurzfristig″ mit Unibail Rodamco-Westfield sprechen, was auf und mit diesen zentralen Flächen in Osnabrück geschehen soll″, so Griesert. Dazu wird der Rat dann auch einen neuen Bebauungsplan aufstellen müssen.″

Festhalten müssen wir aber daran, dass wir den Neumarkt als zentralen innerstädtischen Platz seiner Bedeutung entsprechend herrichten müssen. Es ist aus heutiger Sicht umso richtiger, dass wir schon vor Längerem entschieden haben, unabhängig vom Investor mit der Umgestaltung der Verkehrsflächen am Neumarkt schnellstmöglich zu beginnen. Ich hoffe, dass Rat und Verwaltung mit dieser neuen Situation ebenso konstruktiv umgehen, wie das in den vergangenen Jahren schon geschehen ist.″

CDU: Die Zeit für eine neue Chance ist gekommen″, sagt CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde. Wir haben jetzt Gewissheit und müssen zusammen einen Plan B ausarbeiten. Wir reichen den anderen Fraktionen die Hand und stehen für Gespräche bereit.″ Jetzt sei vor allem wichtig, dass Eigentümer und Stadt ehrlich über die Zukunft des Neumarktes reden müssen″, so Brickwedde. Aus Sicht der CDU seien von Wohnungen über eine Nutzung durch die Universität bis hin zu Dienstleistungen und Handel alle Nutzungen denkbar. Wenn erforderlich, könne die Stadt auch Teile der Immobilie, die bisher immer in privater Hand gewesen seien, erwerben, um somit die Jahre des Stillstands zu beenden.

Trotz ausgestreckter Hand an SPD, Grüne, FDP, Linke und UWG/ Piraten, die seinerzeit für die Center-Pläne gestimmt hatten, kritisiert die CDU, die Nähe dieser Parteien zu dem globalen Konzern sei zu eng gewesen. Die Skepsis der CDU habe sich zu 100 Prozent bestätigt. Jetzt gilt es aber, den Blick nach vorne zu richten. Es bleibt keine Zeit für Streitereien und Gezanke″, so CDU-Ratsfrau Anette Meyer zu Strohen.

SPD: Der Rückzug des Centerbetreibers ist bedauerlich″, schreibt die SPD-Fraktion. Nun gilt es nach vorne zu schauen, nach alternativen Bebauungen und Nutzungsmöglichkeiten zu suchen. Wir müssen die Grundstücke von Unibail Rodamco Westfield zurückkaufen, um das Areal in städtische Hand zu bekommen.″ Oberbürgermeister und Verwaltung seien jetzt gefordert, alle rechtlichen Möglichkeiten eines Rückkaufs zu prüfen und möglicherweise vorhandene Vorkaufsrechte der Stadt zu nutzen″.

Grüne: Auch die Grünen können sich vorstellen, dass die Stadt das Grundstück selbst erwirbt und entwickelt. Die Fläche sei aufgrund der zentralen Lage grundsätzlich geeignet für Wohnen, für Erweiterungen der Uni oder andere öffentliche Zwecke. Das ist eine lebendige Citylage, wo sich Menschen treffen sollen und auch was zusammen machen können. Auch Kultur und Gastronomie wären sinnvoll″, sagt Fraktionschef Volker Bajus. Wir sollten umgehend alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen, um den Bebauungsplan aufzuheben. Schließlich hat der Investor sein Versprechen nicht gehalten″, so Bajus weiter. Aus Grünen-Sicht gibt es jetzt für die Stadt die Riesenchance, selber die Initiative zu ergreifen und auf der Fläche Projekte zu entwickeln, die sich positiver auf die Innenstadtentwicklung auswirken, als es ein Einkaufscenter getan hätte.″

FDP: Fraktionschef Thomas Thiele sieht Unibail jetzt in der Pflicht, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Sein Vorschlag: Die Stadt solle einen Vorvertrag über einen Kaufpreis mit Unibail schließen, um sich die Planungshoheit zurückzuholen. Ich erwarte vom Investor, dass er das mit uns macht″, so Thiele. Egal ob die Stadt die Center-Fläche dann selbst zurückkauft oder an einen anderen Investor vermittelt, hätte Osnabrück so eine richtige Chance, da etwas zu entwickeln″, Sobald die Stadt die Planungshoheit über die Fläche habe, könnten die alten Ideen wieder hervorgeholt werden, die teilweise aus Bürgerforen hervorgegangen seien: Ich habe immer schon gesagt: Wir brauchen dort Wohnungen″, so Thiele. Auch eine Erweiterung der Uni könne er sich gut vorstellen, ebenso Lebensmittel und kleinere Läden, eventuell eine kleine Grünfläche.

Linke: Als die Linken den Center-Plänen seinerzeit im Rat mit zugestimmt hatten, seien sie noch der Meinung gewesen, es sei eine gute Lösung für den Neumarkt, sagt Fraktionsvorsitzende Giesela Brandes-Steggewentz. Jetzt jedoch sehe sie die allgemeine Skepsis der Linken gegenüber privaten Investoren bestätigt. Jetzt müssen wir das Zepter wieder selbst in die Hand nehmen″, so Brandes-Steggewentz. Ein so zentraler Platz muss dem Gemeinwohl dienen″, sagen sie und ihre Fraktionskollegin Heidi Reichinnek. Eine Kooperation mit dem Land sollte ebenfalls in Erwägung gezogen werden.″

BOB: Zu verdanken haben wir dies einer politischen Mehrheit im Stadtrat, die in der Vergangenheit lieber mit falschen Abrissanzeigen um Wählergunst gebuhlt hat, statt ihrer Verantwortung nachzukommen″, schreibt die BOB-Ratsfraktion. Fraktionschef Ralph Lübbe betont aber auch, dass BOB bereit sei, gemeinsam mit den anderen Fraktionen eine Alternative mitzugestalten. Wichtig sei, dass während der Entwicklung eines Planes B der verkehrstechnische Umbau des Neumarktes ruhe, so Lübbe.

UWG: Wulf-Siegmar Mierke geht davon aus, dass sich der Prozess der Neugestaltung des Neumarktes über einige Jahre hinziehen wird″. Die Stadt sei angewiesen auf Investoren. Eventuell sind Osnabrücker Firmen und Privatleute bereit, zusammen etwas zu entwickeln.″

Piraten: Nils Ellmers sieht ebenfalls die Gefahr eines jahrelangen Stillstandes. Wir sollten die Chancen, die sich uns jetzt bieten, nutzen, um für die Stadt ein lebendiges Quartier zu schaffen″, so Ellmers. Dabei sollten nicht nur kommerzielle Angebote im Fokus stehen, sondern ein zentraler Ort mit Aufenthaltsqualität geschaffen werden mit zum Beispiel Wohnungen, Altenheim und Stadtbücherei.″

Kritik am Oberbürgermeister: Die Nachricht über das Aus fürs Einkaufszentrum nach langer Hängepartie hatte am Freitag zwar niemanden so recht überrascht, doch die kleinen Ratsfraktionen übten harsche Kritik an der Informationspolitik von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. FDP, Linke, UWG und Piraten werfen ihm vor, dass sie erst am Freitagmorgen aus der Presse davon erfahren haben und nicht schon am Donnerstag nach Grieserts Telefonat mit Center-Investor Unibail-Rodamco-Westfield. Schlechter Stil der Verwaltungsspitze″, findet die FDP.

Bildtext:
Dieses Einkaufszentrum wird am Neumarkt nicht gebaut aber was stattdessen?
Foto:
Gert Westdörp

Osnabrück Immobilienkaufmann Theodor Bergmann empfindet den Rückzug des Centerentwicklers als Riesenenttäuschung″ und Schlag in die Fresse aller, die sich für das Projekt starkgemacht haben″.

Bergmann ist zusammen mit Unibail Rodamco Westfield Gesellschafter der Firma Neumarkt 14 Projekt GmbH″, die das Einkaufszentrum bauen wollte. Er sei am Freitagmorgen um 7.15 Uhr per Mail von Unibail über das Aus des Einkaufszentrums informiert worden. Bergmann lässt tiefe Enttäuschung durchblicken: Der Miteigentümer erfährt es nach dem Oberbürgermeister...″

Zweifel am Projekt hatte Bergmann nach eigenen Angaben nicht. Nach einer Gesellschafterversammlung im Februar hätten die Zeichen ganz klar auf Grün gestanden, sagte Bergmann unserer Redaktion. Erst vor wenigen Tagen habe er Kontakt mit den Unternehmen gehabt, weil offenbar noch Unterlagen zum Schallschutz für den Bauantrag gefehlt hätten.

Und nun das Ende. Ich distanziere mich in aller Form von Unibail Rodamco″, sagte Bergmann. Der Ausstieg sei ein Schlag in die Fresse aller, die sich für das Projekt starkgemacht haben″. Seine Enttäuschung sei nahezu grenzenlos″. Für Osnabrück sei die Entscheidung richtig traurig″.

Bergmann äußerte sich auch irritiert über die Alternativpläne, die der französische Konzern am Freitagmorgen in einer Presseerklärung angedeutet hatte. Darin ist von einer gemischt genutzten Immobilie″ die Rede, ohne die mögliche Mischnutzung näher zu beschrieben. Bergmann erwartet jetzt einen langen und mühsamen Prozess, bis klar ist, wie das Centergebiet künftig genutzt werden soll.

Für L& T-Chef Mark Rauschen kam die Nachricht am Freitagmorgen nicht ganz überraschend″ angesichts der langen Hängepartie. Allerdings verblüffte ihn die Klarheit, mit der Unibail einen Strich zieht″. Fühlt er sich als Sieger? Nein, ich fühle mich bestätigt″, antwortete Rauschen, dessen Unternehmen 2012 drei Immobilien in der Johannisstraße gekauft hat, um Einfluss auf die Centerplanungen nehmen zu können. Ich freue mich, dass wir jetzt Klarheit haben.″

Die Ungewissheit habe wie eine Investitionsbremse gewirkt, sagte Rauschen. Viele Unternehmen hätten mit Investitionsentscheidungen gewartet, um Klarheit zu haben, wohin sich der Schwerpunkt in der Innenstadt entwickele. Den Ausstieg von Unibail empfinde er nun als Signal des Aufbruchs″. Rauschen: Wir haben genug Hausaufgaben zu machen, um den Handelsstandort weiter zu stärken.″

Als Pläne zum Bau eines Einkaufszentrums am Neumarkt öffentlich wurden, hatte das Modehaus L+ T eine große Modernisierung und Erweiterung des eigenen Hauses gestartet. Inzwischen hat L& T die Größe des geplanten Neumarkt-Centers schon überschritten. Die Frage, ob die L& T-Expansion das Neumarkt-Projekt letztlich verhindert hat, wollte Rauschen nicht beantworten. Wir sehen den Wettbewerb sportlich, aber schauen vor allem auf uns selbst, und wir kümmern uns um unsere eigenen Dinge″, so Rauschen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf kommentierte das Center-Aus mit diesen Worten: Eine viel zu lange Hängepartie ist heute zu Ende gegangen. Die städtebauliche Situation rund um den Neumarkt war keine Visitenkarte für Osnabrück und hat die Attraktivität der Innenstadt seit Jahren beeinträchtigt. Das hat insbesondere dem Handel geschadet. Es bleibt zu hoffen, dass die Beteiligten der Eigentümer wie die Politik nun schnell eine bessere Alternative finden.″

Erleichtert zeigte sich Petra Rosenbach. Die Chefin der Osnabrück Marketing und Tourismus (OMT) wertet die Entscheidung als große Chance und weist auf Veränderungen im Handel hin: Das Credo lautet momentan, die Verkaufsflächen nicht zu vergrößern, sondern sie aufzuwerten.″ Mittlerweile habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Zeit der großen Einkaufszentren vorbei sei. Einen attraktiven Erlebnisraum Innenstadt kann man auch und vielleicht sogar besser ohne ein Center am Neumarkt schaffen.″ Daher sei sie aus Sicht des Stadtmarketings froh über die Entscheidung. Und nun? Ein modernes Quartier mit einer Mischung aus Wohnen, Dienstleistungen, Gastronomie und Co-Working-Space das hätte etwas.″ Wichtig sei, dass die Stadt nun schnell handele: Die Energie, die jetzt entsteht, muss man nutzen.″

Wenig überrascht zeigte sich auch Ira Klusmann als Chefin der Osnabrücker City Marketing (OCM). „ Ein Center in dieser Größe ist vollkommen überflüssig für Osnabrück.″

Bildtext:
Ein Anblick, der vorerst bleibt: Das Shopping-Center am Neumarkt wird nicht verwirklicht.
Foto:
Jörn Martens

(K) ein Einkaufscenter am Neumarkt ein Rückblick

Juni 2003

Der Hamburger ECE-Konzern meldet Interesse an, im Justizviertel ein Einkaufszentrum zu bauen. Größe: 25 000 bis 30 000 qm Verkaufsfläche (Bild 1). Landgericht, Amtsgericht und Gefängnis sollen umziehen. Geplante Fertigstellung: 2008.

August 2003:

Der Einzelhandel positioniert sich gegen ein Einkaufscenter.

Januar 2004

L& T-Chef Dieter Rauschen vergleicht die Wirkung eines Einkaufszentrums mit der einer Atombombenexplosion″.

Februar 2004

Das Land sieht einen Umzug der Justiz skeptisch: zu teuer.

Juni 2004

Das Cima-Gutachen über die Verträglichkeit eines Einkaufszentrums erscheint. Ergebnis: Ein Center mit Ausstrahlungskraft auf die Region wäre verträglich, hätte aber Folgen für die Randlagen in der City.

September 2004

ECE gibt das Justizviertel auf und nimmt den Wöhrl-Komplex ins Visier.

März 2011

Mfi AG aus Essen meldet öffentlich Interesse am Standort Osnabrück an. Geplant ist ein Center mit 20 000 qm im ehemaligen Wöhrl-Komplex.

August 2011

Osnabrücker Einzelhändler gründen die centerkritische Initiative Lebendiges Osnabrück″.

September 2011

OB Boris Pistorius diktiert dem Centerinvestor mfi Bedingungen: kleineres Parkhaus, begrenzte Fläche, nur bestimmte Sortimente.

Januar 2012

Mfi und der Osnabrücker Unternehmer Theodor Bergmann gründen die Neumarkt 14″ GmbH zum Bau des Centers.

März 2012

Der Rat beschließt, dass das Center im ersten Bauabschnitt maximal 16 500 qm Verkaufsfläche haben darf. Im zweiten Abschnitt sollen 23 000 möglich sein.

Juni 2012

Der Rauschen-Coup″: L& T kauft drei wichtige Immobilien im geplanten Center

gebiet.

Oktober 2012

Der Schuhgroßhändler Hamm und ECE melden Interesse an, an der Möserstraße/ Georgstraße ein Center zu bauen.

Juli 2013

Die Initiative Lebendiges Osnabrück″ stellt Pläne für eine Neue Mitte″ mit Busbahnhof statt Einkaufszentrum vor (Bild 2).

Juli 2013

mfi kauft das Wöhrl-Parkhaus. Damit sind alle Flächen für das geplante Center in Besitz von mfi.

September 2013

Mfi stellt Fassadenentwürfe für Oskar″ vor.

Juli 2014

Der Rat beschließt einen Durchführungsvertrag mit mfi. Gegenstimmen kommen von der CDU.

Dezember 2014

Der Rat beschließt den B-Plan 600.

August 2015

Unibail Rodamco übernimmt mfi. Die Klage eines Anliegers stoppt die Fristen zum Center-Bau.

Januar 2016

Unibail Rodamco präsentiert ein Konzept für die Innengestaltung des Centers (Bild 3).

Februar 2016

Vertreter einer bunten Ratsmehrheit präsentieren die Abrissanzeige von Unibail für den Wöhrl-Komplex (Bild 4). Unibail: Wir fangen in diesem Jahr an.

Juni 2018

Unibail stellt Bauantrag.

Juni 2019

Alt-OB Hans-Jürgen Fip: Center nicht mehr zeitgemäß.″
Autor:
Wilfried Hinrichs, Sandra Dorn, Sebastian Philipp


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