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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Fip: Center am Neumarkt nicht bauen
 
„Center nicht mehr zeitgemäß″
Zwischenüberschrift:
Osnabrücks Ex-Oberbürgermeister Fip stellt Pläne am Neumarkt infrage
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Es ist still geworden um das geplante Einkaufszentrum am Neumarkt. Der Investor Unibail-Rodamco-Westfield und die Stadt Osnabrück betonen, dass noch nicht alle Detailfragen für die Baugenehmigung geklärt seien. Zu spät, meint der frühere Osnabrücker Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip. Der Zeitgeist sei über das Projekt hinweggegangen, erklärt der langjährige SPD-Politiker und Unternehmer. Noch vor wenigen Jahrzehnten habe vor allem das Einzelhandelsangebot die Menschen in die Stadt gezogen, aber mit der Digitalisierung, dem Online-Handel und dem gesellschaftlichen Wandel hätten sich die Anforderungen verändert. Fip empfiehlt, besser in gute Kitas, Bildung und Kultur zu investieren. Das Quartier am Neumarkt biete sich auch für Uni-nahe Nutzungen an.

Osnabrück Es gibt noch keine Baugenehmigung und keinen Termin für den ersten Spatenstich, aber die Zweifel am geplanten Einkaufszentrum für den Neumarkt nehmen zu. Osnabrücks ehemaliger Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip (SPD) warnt vor einer Fehlinvestition. Das Center sei nicht mehr zeitgemäß, lautet sein Kommentar. Die Stadt solle lieber auf Bildung setzen und Wohnungen bauen.

Über das Einkaufszentrum wird in Osnabrück seit mehr als acht Jahren gestritten. Entstehen soll es im Karree zwischen Neumarkt, Johannisstraße und Großer Rosenstraße. Schon Ende 2014 wollte der damalige Investor mfi eigentlich starten. Inzwischen gehört das Unternehmen zur Unibail-Rodamco-Westfield Group, dem weltweit führenden Entwickler und Betreiber von Flagship Shopping Destinations″, wie es in der Eigenwerbung heißt. Der Planungsprozess zog sich in die Länge, die Verantwortlichen für das Projekt wechselten mehrfach, betonten aber stets ihre Entschlossenheit, das Center zu realisieren.

Wir warten auf die Erteilung der Baugenehmigung″, heißt es in der Antwort von PR-Manager Julian Kalcher auf eine Anfrage unserer Redaktion. Der Genehmigungsprozess dauere weiterhin an. Vonseiten der Stadt hört sich das ein wenig anders an: Es fehlten noch Unterlagen von Unibail-Rodamco-Westfield, die für die abschließende Bearbeitung der Baugenehmigung erforderlich seien, teilt Abteilungsleiter Claas Beckord vom Referat Strategische Steuerung und Rat mit.

Ob das Warten auf die Baugenehmigung ein paar Wochen oder sogar Monate dauert, ist für Alt-Oberbürgermeister Fip aber nicht die entscheidende Frage. Er findet es so oder so zu spät für ein Center am Neumarkt. Darüber ist der Zeitgeist hinweggegangen″, lautet seine Einschätzung. Noch vor wenigen Jahrzehnten habe vor allem das Einzelhandelsangebot die Menschen in die Stadt gezogen, aber mit der Digitalisierung, dem Online-Handel und dem gesellschaftlichen Wandel hätten sich auch die Anforderungen verändert.

Heute könne eine Stadt mit Bildung und Kultur punkten, mit guten Kindertagesstätten und Schulen, vermerkt der 78-jährige Unternehmer, der seit 1972 dem Rat angehörte und von 1991 bis 2006 Oberbürgermeister war. Der verengte Blick auf möglichst viele Quadratmeter Verkaufsfläche sei nicht die Antwort auf die Zukunftsfragen einer Stadt. Wenn schon ein Einkaufscenter, dann müsse es zugeschnitten sein auf das Oberzentrum, mit einem eigenen Gesicht und einem Blick in den Himmel″, wie es Fip ausdrückt.

Markenkleidung gebe es inzwischen auch in Sulingen oder Greven zu kaufen, gibt der Alt-OB zu bedenken. Wer heute noch in Konsum investiere, könne nicht mehr auf langfristige Mietverträge bauen, sondern allenfalls mit Ausstiegsklauseln über die Runden kommen. Die Folge sei, dass sich am Ende nur Billiganbieter halten könnten. Statt Trading up″ heiße es dann Trading down″, warnt Fip.

Der langjährige SPD-Politiker ist der Ansicht, dass der Standort Neumarkt/ Johannisstraße prädestiniert ist für Nutzungen durch die Universität, für Wohnungen, Nahversorgung und Dienstleistungen. Für die Stadt komme es jetzt darauf an, dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung zu tragen und sich neu zu orientieren. Nur so könne sie ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihre Arbeitsplätze sichern.

In dieselbe Richtung gingen die Überlegungen der Konzeptgruppe Neumarktquartier″, die vor knapp zwei Jahren mit Fachleuten und Laien einen Plan B″ für das Einkaufscenter ausgearbeitet hat. Anders als bei Fip sollte dabei auch eine neue Bibliothek möglichst direkt am Neumarkt entstehen. Initiator Reinhart Richter ist mehr denn je davon überzeugt, dass sich das Konzept für ein Einkaufszentrum überholt hat.

Wer heute ein solches Center plane, müsse auf Wohlfühlatmosphäre, auf gediegene Architektur und Aufenthaltsqualität setzen, sagt der Kulturberater. Er glaubt kaum noch, dass Unibail-Rodamco das Center in Osnabrück realisieren wird. Die Stadt habe mehr davon, wenn sie sich von der Planung verabschiede und auf ein zeitgemäßes Konzept setze, meint Richter gemeint ist natürlich der von seiner Gruppe vorgelegte Plan B″.

Bildtext:
Bildung statt Konsum: Der frühere OB Hans-Jürgen Fip ist der Ansicht, dass sich die Stadt von ihrer Planung für ein Einkaufszentrum am Neumarkt verabschieden sollte.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Neu denken

Warten kann Freude bereiten wenn es der Anlass wert ist und die Wartezeit in einem angemessenen Verhältnis zu dessen Bedeutung steht. Beim Einkaufszentrum am Neumarkt haben die Manager von Unibail-Rodamco den richtigen Zeitpunkt dafür verpasst.

Das geplante Center ist weit davon entfernt, eine Strahlkraft zu entwickeln wie das L& T-Imperium. Mit Sinn als Ankermieter hat man sich gleich für die Zweite Liga entschieden und ausgeblendet, dass längst ein Wandel eingetreten ist, der das ganze Konzept alt aussehen lässt. Die Stadt sollte ihrem ehemaligen Oberbürgermeister dankbar sein, dass er diese unbequeme Wahrheit ausspricht.

Wahrscheinlich beginnt jetzt ein Eiertanz. Es geht um Vertragstreue und Glaubwürdigkeit in einer festgefahrenen Situation aber letztlich um die Einsicht, dass zu lange an einer überholten Idee festgehalten wurde. Da helfen nur klare Gedanken und klare Worte. Noch länger warten macht alles noch schwieriger. Es ist Zeit, neu zu denken! rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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