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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zu wenige Busfahrer für das neue Netz
 
Liniennetz-Reform verschoben
Zwischenüberschrift:
Wie der Mangel an Busfahrern den Osnabrücker Verkehrsbetrieb in Not bringt
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Den Stadtwerken Osnabrück und ihrer Tochterfirma Osnabus gehen die Busfahrer aus. Bis 2030 verabschieden sich fast drei Viertel in den Ruhestand, der Arbeitsmarkt ist schon heute leer gefegt und Nachwuchs rar. Das hat auch Auswirkungen auf die geplante Reform des Liniennetzes.

Statt wie vorgesehen im Oktober 2019 kann diese erst im nächsten Jahr umgesetzt werden. Laut Stadtwerken fehlen mindestens 35 Busfahrer, um die vom Rat bestellten Mehrleistungen im ÖPNV erbringen zu können. Das neue Busnetz ist gekennzeichnet durch einen dichteren Takt insbesondere auf den Hauptachsen sowie eine Ringlinie, die künftig mehrere Stadtteile direkt miteinander verbindet. Im Gespräch mit unserer Redaktion wirbt Verkehrsbetriebsleiter André Kränzke für den Job als Busfahrer.

Osnabrück Im Oktober 2019 hätte Osnabrück ein neues Busnetz bekommen sollen mit dichteren Takten und einer zusätzlichen Ringlinie. Daraus wird nun nichts mehr. Die Stadtwerke haben die Reform um vier Monate verschoben. Wichtigster Grund: Dem Verkehrsbetrieb fehlen die nötigen Busfahrer.

Der Rat hatte einen langen Bestellzettel, als er vor einem knappen Dreivierteljahr über das künftige ÖPNV-Angebot der Stadt entschied. Die Politiker wollten mehr Busfahrten morgens und abends, außerdem eine Ringlinie, die anders als die übrigen Verbindungen um weite Teile der City herumführt. Alles um die Qualität des Nahverkehrs in Osnabrück zu erhöhen und möglichst viele neue Fahrgäste zu gewinnen.

Für die Stadtwerke bedeutete die Order eine Mammutaufgabe: Auf gut 750 000 Kilometer jährlich addieren sich die Fahrleistungen, die der kommunale Verkehrsbetrieb fortan mehr erbringen muss. Im Vergleich zu heute ein Plus von zehn Prozent.

Für das verbesserte Angebot und die Extraleistungen benötigen wir aber auch mehr Fahrer″, stellt Stadtwerke-Mobilitätsvorstand Stephan Rolfes fest, und das ist unser Knackpunkt.″

20 zusätzliche Busfahrer fehlen nach seinen Angaben allein dem Osnabrücker Verkehrsbetrieb, weitere 15 nach Informationen unserer Redaktion den am städtischen Liniennetz beteiligten Partnern der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS). Hinzu kommen gut 15 Busfahrer, die in diesem Jahr altersbedingt aus dem Dienst scheiden und sowieso von den Stadtwerken bzw. ihrer Tochterfirma Osnabus hätten ersetzt werden müssen. Unterm Strich zu viele, um die Busnetz-Reform wie geplant im Oktober 2019 in Kraft treten zu lassen. Per Mitteilung räumen die Stadtwerke jetzt ein, dass der Mangel an Fahrpersonal nicht rechtzeitig behoben sein wird.Schwierige Personalsuche

Darüber hinaus dauere die Festlegung von Haltestellen-Standorten etwa auf der neu eingeführten Ringlinie länger als angenommen. Hier gibt es unterschiedliche Anforderungen und Vorgaben zu beachten″, erklärt Rolfes. Die Verschiebung des Starttermins auf den 5. Februar 2020 ermögliche es jedoch, sowohl die nötigen Fahrer zu rekrutieren als auch alle erforderlichen Abstimmungen und Prozesse endgültig abzuschließen.

Aber was macht die Suche nach Busfahrern bloß so schwierig? Es seien wohl in erster Linie die speziellen Arbeitsbedingungen, die viele abschrecken würden, meint Verkehrsbetriebsleiter André Kränzke im Gespräch mit unserer Redaktion. Einsätze im Drei- oder Vierschichtsystem, das an 365 Tagen im Jahr beinahe rund um die Uhr funktionieren müsse, das lange Sitzen hinterm Steuer eines riesigen Fahrzeugs voller Menschen und der Stress auf den Straßen gerade zu Stoßzeiten seien nicht jedermanns Sache. Dabei habe der Job in Osnabrück viel zu bieten.

Kränzke: Wir zahlen nach dem niedersächsischen Spartentarifvertrag Nahverkehrsbetriebe TV-N. Das Anfangsgehalt beträgt knapp 15 Euro die Stunde und steigt stufenweise. Es gibt Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und Bonusleistungen mehr kann man in dieser Branche nicht verdienen.″ Auch bei der Wochenarbeitszeit sei das Unternehmen total flexibel″ und komme jedem Wunsch der Beschäftigten nach. Ob Vollzeit oder Teilzeit: Bei uns im Verkehrsbetrieb kann jeder so viel arbeiten, wie er will.″ Nicht einmal einen Busführerschein müssten die Bewerber mitbringen, betont der Chef. Den spendieren wir bei Bedarf auch.″ Wert: rund 10 000 Euro.

Allein geholfen hat′s bislang wenig. Wir haben alles versucht, um bis zum Herbst genügend Busfahrer einsatzbereit zu haben leider erfolglos″, bedauert Kränzke. Auf die zahlreichen Anwerbungsversuche hätten sich zwar mehrere Hundert Interessenten gemeldet. Schon beim ersten Aussieben sei die Menge an potenziellen Kandidaten aber gewaltig geschrumpft. Und weil sich die Löcher in der Fahrpersonal-Decke auch nicht mehr mit eigenen Azubis stopfen ließen, müsse die Suche extern fortgesetzt werden. Wenn auch unter Zeitdruck.

Denn die neue Deadline für die Busnetz-Reform ist laut den Stadtwerken unumstößlich.

Bildtext:
Mit solchen Plakaten wie hier am Berliner Platz in Osnabrück werben die Stadtwerke um Busfahrer.
Foto:
Sebastian Stricker

Kommentar
Sorgfalt vor Tempo

Hinter vorgehaltener Hand wurde schon länger gemunkelt, dass es für die Stadtwerke Osnabrück schwierig bis unmöglich werden würde mit der fristgerechten Umsetzung der Busnetz-Reform im Oktober 2019. Je näher der Termin rückte, desto mehr erwies sich der Zeitplan als zu ehrgeizig insbesondere weil die drei Dutzend zusätzlich benötigten Busfahrer dem Verkehrsbetrieb und seinen Partnern im Moment nicht gerade die Bude einrennen. Doch auch die Vorbereitung von gut 40 Haltestellen, welche allein die neu eingeführte Ringlinie erfordert, lief nicht so flüssig wie von den Verantwortlichen gedacht.

Dass das verbesserte Liniennetz jetzt vier Monate später kommt als ursprünglich vorgesehen, ist aus Kundensicht schade, aber kein Beinbruch. Sorgfalt geht auch hier vor Geschwindigkeit. Viel schlimmer wäre es schließlich gewesen, mit einem nur halb fertigen, instabilen ÖPNV-System an den Start zu gehen. Das hätte die Bürger wohl eher verprellt als für den öffentlichen Nahverkehr gewonnen.

E-Mail: s.stricker@ noz.de

Das Busfahrer-Problem in Zahlen

Die Stadtwerke Osnabrück beschäftigen nach eigenen Angaben zurzeit insgesamt 240 Busfahrer . Davon sind 60 Prozent bei der 2001 zur Reduzierung der Personalkosten gegründeten Tochterfirma Osnabus angestellt. Die Mitarbeiter dort werden von den Stadtwerken ausgeliehen und nach anderen Maßstäben entlohnt als die Stammbelegschaft der Muttergesellschaft. Rund ein Fünftel aller Busfahrer im Osnabrücker Verkehrsbetrieb sind Frauen ein für diese Branche außergewöhnlich hoher Anteil. Ein großes Problem liegt jedoch in der demografischen Entwicklung. Bis 2030 scheiden 70 Prozent des gesamten Fahrpersonals altersbedingt aus. Mit einer vielseitigen Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb (Fif) versucht die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück gegenzusteuern.
Autor:
Sebastian Stricker


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