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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück stärkt den Radverkehr
 
Radfahren soll sicherer werden
Zwischenüberschrift:
Osnabrück will in die Top Fünf der radverkehrsfreundlichsten Städte Deutschlands aufsteigen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Stadt Osnabrück hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Mit einem Elf-Punkte-Programm will sie es bis zum Jahr 2030 in die Top Fünf der radverkehrsfreundlichsten Städte Deutschlands schaffen. Dies beschloss der Rat der Stadt in seiner jüngsten Sitzung einstimmig. Unter anderem soll der Radverkehr auf dem Wall sicherer werden. Die Sprecher aller Ratsfraktionen dankten einander für diesen Konsens denn bislang waren sich die Parteien alles andere als einig.

Der Kompromiss sei ein Beispiel für das Gelingen der repräsentativen Demokratie, lobte CDU-Ratsherr Marius Keite. Grünen-Ratsherr Michael Kopatz jubelte: Leute, wir lösen die Probleme mit Lärm, Schadstoffen und tödlich Verletzten! Auslöser der Einigung war der Streit um den Superradweg am Heger-Tor-Wall.

Osnabrück Man könne durchaus von einem Osnabrücker Fahrradkonsens″ sprechen, sagte CDU-Ratsmitglied Marius Keite in der jüngsten Ratssitzung. Und Grünen-Fraktionschef Volker Bajus ging nach dem einstimmigen Grundsatzbeschluss sogar so weit, auf der Internetplattform Twitter″ den Radwegfrieden von Osnabrück″ zu feiern.

Elf Punkte beinhaltet das Maßnahmenpaket, das der Rat jetzt beschlossen hat einstimmig und ohne Diskussionen. Das Ziel: Osnabrück soll bis 2030 unter die Top 5 der radverkehrs-freundlichsten Städte Deutschlands vorstoßen und dort bleiben. Hohe Sicherheit und Komfort auf Radwegen, ausreichend Platz für unterschiedliche Zweiräder und Geschwindigkeiten und ein lückenloses Netz sind entscheidende Faktoren für den Erfolg von Radverkehr″, heißt es in dem Beschluss. Unterzeichnet ist der entsprechende Antrag aus der Feder des Grünen Jens Meier von den Fraktionschefs von CDU, SPD, Bündnis 90/ Die Grünen, FDP, UWG-Piraten und Die Linke. So einig sind sie sich bei verkehrspolitischen Themen selten. Streit um Superradweg

Ein Auslöser für den Kompromiss sei die Debatte um das Stückchen Superradweg am Heger-Tor-Wall gewesen, erläuterte Marius Keite. Der 168 Meter lange geschützte Radweg („ Protected Bike Lane″) wurde 56 Prozent teurer als geplant und kostete die Stadt am Ende 430 000 Euro. Die CDU kritisierte den Radweg ebenso wie Kampagnen für Radfahrer und Stadtbaurat Frank Otte, die Grünen und die SPD schlugen zurück und der Bund Osnabrücker Bürger (BOB) forderte Otte zum Rücktritt auf. Kurz darauf befeuerte das schlechte Abschneiden Osnabrücks beim Fahrradklimatest die Diskussion weiter. Bei der nicht repräsentativen Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hatte Osnabrück von 559 Umfrageteilnehmern lediglich die Schulnote 4, 2 erhalten.

Jetzt herrscht im Rat plötzlich Einigkeit. Nur BOB taucht namentlich in dem fraktionsübergreifenden Antrag mit dem Titel Radverkehr stärken Infrastruktur ausbauen″ nicht auf, die beiden BOB-Vertreter meldeten sich in der Sitzung am Dienstag aber auch nicht zu Wort.

Und das soll passieren: Die Verwaltung legt einen Plan vor, wo sie mehr Personal einstellen könnte, um das Ziel, den Radverkehr zu verbessern, schnell zu erreichen. Bis 2020 legt die Verwaltung einen Plan für den Ausbau der Radwege am Wallring bis zum Jahr 2025 vor.

Radfahren auf dem Wall sei absolut lebensbedrohlich, betonte Ratsherr Michael Kopatz (Grüne). „ Wir beklagen pro Jahr ungefähr zwei tote Radfahrer in der Stadt.″ Er bat darum, nicht um jeden Parkstreifen zu kämpfen und CDU-Mann Keite sagte, der Ausbau am Wallring solle für alle Verkehrsteilnehmer verträglich ausgestaltet werden. Ein Wegfall von Parkplätzen muss ebenso möglich sein wie der Wegfall von Bäumen″, so Keite. SPD-Ratsherr Heiko Panzer befand: Wir haben so lange eine autodominierte Politik in der Stadt gemacht, dass ein langer Aufholprozess nötig ist.″ Mehr Abstellplätze

Die Stadt soll außerdem Gespräche mit den Umlandgemeinden über weitere Radschnellwege intensivieren. Neue Park-and-Ride-Parkplätze sollen optimal ins Radwegenetz eingebunden werden. Fahrradstraßen wie die Katharinenstraße sollen gestärkt und Abstellplätze, zum Beispiel Fahrradgaragen, geschaffen werden. Zur Finanzierung all dessen soll die Schaffung eines Sonderfonds geprüft werden und gleichzeitig unterstreicht der Rat die Notwendigkeit einer Verbesserung des ÖPNV-Angebots und der Busbeschleunigung.

All diese elf Punkte sollen dazu dienen, die Umsetzung des 2017 beschlossenen Radverkehrsplans 2030 zu beschleunigen. Konkret für dieses Jahr beschloss der Rat zudem, bis zu 1, 08 Millionen Euro in die Verbesserung der Radwege zu stecken. CDU und BOB stimmten auch diesem Radverkehrsprogramm 2019 zu machten aber ihre Ablehnung von weiteren Radzählsystemen für 38 000 Euro und der Prüfung eines Baus von weiteren geschützten Radwegen deutlich.

Bildtext:
Vier Spuren für Autos, eine für Fahrräder. Kurz vor der Kreuzung am Natruper-Tor-Wall in Osnabrück müssen die Verkehrsteilnehmer besonders gut aufeinander achten.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Gut für alle

In der Verkehrspolitk sind sich die Osnabrücker Ratsfraktionen selten einig. In der Regel kochen bei diesem Thema die Emotionen am stärksten hoch, werden die Interessen von Radfahrern, Autofahrern und Fußgängern gegeneinander ausgespielt. Umso bemerkenswerter ist nun der von allen Fraktionen getragene Kompromiss zur Radverkehrspolitik, der durchaus als historisch bezeichnet werden darf.

Für alle Radfahrer ist es eine gute Nachricht, dass mit diesem Grundsatzbeschluss nun tatsächlich vieles unternommen wird, um das Radeln in Osnabrück sicherer zu machen. Und bevor sich nun Autofahrer darüber aufregen, dass ihnen womöglich etwas Platz auf der Straße genommen wird, sollten sie einen Schritt weiterdenken: Wenn das beschlossene Maßnahmenpaket dazu führt, dass mehr Osnabrücker vom Auto aufs Rad umsteigen, haben am Ende auch diejenigen gewonnen, die aus welchen Gründen auch immer aufs Auto angewiesen sind.

Denn mehr Radfahrer bedeuten weniger Autos und weniger Autos bedeuten weniger Stau.

s.dorn@ noz.de
Autor:
Sandra Dorn


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