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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrücker bringt uraltes Steinwerk auf Vordermann
Zwischenüberschrift:
Ehemaliges „Manolo″-Haus in der Hasestraße saniert
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Von außen ist es für viele Osnabrücker nur das Manolo-Haus″. Doch hinter der Fassade des Gebäudes an der Hasestraße 26 verbirgt sich Stadtgeschichte.

Das historische Gebäude an der Ecke zur Turmstraße kennt fast jeder Osnabrücker. Schließlich besitzt es eine jahrzehntelange Tradition als Standort für Gastronomie. Älteren Semestern wird das Bratwurstgewölbe noch ein Begriff sein. In den 1960er- und 1970er-Jahren war es die Deele″, die gemütliche Gastlichkeit an der Hasestraße versprach. Später machte sich das Manolo″ einen Namen als mexikanisches Restaurant, ehe dieser Stern vor zwei Jahren eher schmachvoll unterging.Nicht nach Haus gesucht

Dann kam Peter Ackermann ins Spiel. Der Osnabrücker war nicht wirklich auf Immobiliensuche, als das Haus vom Vorbesitzer angeboten wurde. Wir haben auf jeden Fall nicht genau nach diesem Haus gesucht. Aber als wir gesehen haben, dass es zu haben ist, war das Interesse definitiv sofort da″, sagt Ackermann.

Klar war von Beginn an, dass so einiges in dem Gebäude passieren muss und zwar unter Einbeziehung des Denkmalschutzes. Was für viele Investoren eher abschreckende Wirkung hätte, hat Ackermann zusätzlich gereizt: Man muss schon Interesse an schwierigen Dingen haben, wenn man sich auf so etwas einlässt. Das habe ich.″

Ackermann ist quasi von Berufs wegen technikaffin. Dem Inhaber eines Ingenieurbüros wurde schnell bewusst, dass es Kreativität braucht, um das Gebäude auf Vordermann zu bringen. So war das Problem der letzten Manolo″-Betreiber auch, dass die Küchensituation räumlich gesehen nicht gerade optimal war. Ackermann ließ im Erdgeschoss kein Stein auf dem anderen: Mehrere Wände mussten weichen, Sanitäranlagen und Küche wurden verlegt, der Gastraum vergrößert. Stets nah dran an den Umbauarbeiten war die Denkmalschutzbehörde der Stadt. Um den individuellen Charakter des Baudenkmals zu erhalten, schalteten sich die Fachleute ein und begleiteten den Umbau. Dass eine Sanierung unter Denkmalschutzgesichtspunkten auch ins Detail geht, ist beispielsweise bei den Fenstern im Erdgeschoss ersichtlich. So war viel Fingerspitzengefühl nötig, um die richtigen Fenstersprossen zu finden.

Angesichts der durchaus ambitionierten Maßnahmen habe er sich anfangs gefragt, ob eine weitere gastronomische Nutzung überhaupt sinnvoll sei, gibt Ackermann zu: Ich bin mir aber der Kneipengeschichte des Hauses bewusst. Seit 100 Jahren gibt es hier Gastronomie. Das wollte ich unbedingt weiterführen.″

Ackermann ist zwar in Essen geboren, fühlt sich aber als richtiger Osnabrücker, auch wenn ich vielleicht immer zum tolopen Volk gehören werde″. Vor etwa einem Jahr starteten die Sanierungsarbeiten Schritt für Schritt. Zunächst wurde der Bereich für die Gastronomie im Erdgeschoss fertiggestellt, in dem seit November das Restaurant Bei Tony″ untergebracht ist.

Von den Restaurantbesuchern fast unbemerkt gingen im hinteren Bereich des Hauses die Arbeiten weiter. Dort befindet sich ein richtiges Osnabrücker Original: Durch einen Seiteneingang an der Turmstraße oder eine Tür am hinteren Ende betritt man ein Steinwerk, das Ackermann ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz sanieren ließ. Dabei traf der Bauherr auf so manche Überraschung, manche waren sogar positiv. Dazu gehört ein altes Windenrad, das offenbar jahrzehntelang ein tristes Dasein auf dem Dachboden des Hauses fristete vermutlich stammt es aus dem 17. Jahrhundert. Heute ist es der Blickfänger in einen Raum, den Ackermann gerne als Bürofläche vermieten würde.

Das Windenrad bildet dort ein Ensemble mit den alten Balken des Hauses, von denen einige nachweislich im Jahr 1616 eingebaut wurden. Wahrscheinlich noch älter ist der Gebäudeteil gleich nebenan: Fast schon wie eine kleine Kirche wirkt das Steinwerk, das seine Ursprünge wohl im 13. Jahrhundert hat. Rund sieben Meter hoch ist das Gewölbe, das einst von Kaufleuten errichtet wurde und als Speicher für ihr Hab und Gut diente. Weil im Mittelalter Feuersbrünste die zum Großteil aus Holz errichteten Städte heimsuchten, bauten die Menschen ihre Lagerräume aus Stein.

Dieser Raum braucht sicherlich einen Liebhaber″, sagt Ackermann angesichts der doch eher ungewöhnlichen Bürofläche. Auch beim Steinwerk arbeitete Ackermann eng mit dem Denkmalschutz zusammen. Für die Umsetzung holte sich der Bauherr spezialisierte Handwerker mit ins Boot.

Ein Jahr haben die Sanierungsarbeiten gedauert, Ackermann hat dem Gebäude auch gleich eine neue Bezeichnung gegeben, die an der Fassade entlang der Turmstraße zu sehen ist. Im Kontor Hasestraße″ will der Eigentümer wie früher verschiedene Nutzungen etablieren. Neben Gastronomie und Bürofläche gibt es auch noch eine Wohnung.

Reserven hat das Gebäude auch noch. Im Dachgeschoss eröffnen sich viele Möglichkeiten für kreative Bauherren. Ackermann ist fasziniert von der Bauweise und den verwendeten Materialien, sagt aber auch: Ein Dachausbau wäre noch einmal ein forderndes Projekt. Das muss auf jeden Fall warten.″ Auch im Dach finden sich Zeugen der Vergangenheit. An den Holzbalken sind noch heute Eisenhaken vorhanden, die einst der Fleischerei Unnewehr dazu dienten, Fleisch aufzuhängen und zu trocknen.

Ackermann ist sich bewusst, dass ein Projekt wie die Sanierung eines jahrhundertealten Hauses nicht jedermanns Sache ist. Viele Freunde haben gesagt: , Du bist verrückt! Aber das ist ja bekannt″, scherzt der Bauherr.

Bildtexte:
Peter Ackermann hat das alte Steinwerk hinter dem ehemaligen Manolo″-Haus aufwendig sanieren lassen. Dabei wurde auch ein altes Windenrad freigelegt, das nun als Blickfang dient.
Das alte Steinwerk ist rund sieben Meter hoch und wirkt mit seinen bunten Fenstern auf die Besucher wie eine kleine Kapelle.
Der Standort an der Hasestraße ist vielen Osnabrückern seit Jahrzehnten ein Begriff für Gastronomie.
Fotos:
Gert Westdörp

Steinwerke in Osnabrück

Aufgrund der Tatsache, dass es in fast keiner anderen deutschen Stadt so viele noch erhaltene Bauwerke dieser Art gibt, gilt Osnabrück heute als Stadt der Steinwerke. Üblicherweise wurden sie aus Bruchstein errichtet meist der gelbliche Muschelkalk vom Westerberg.

Die erste bekannte Erwähnung eines Steinwerks in Osnabrück datiert aus dem Jahre 1177.

Anders als man vermuten könnte, dienten sie nicht als Gebäude mit Wehrfunktion, sondern vielmehr als Speicherbau. Meist schlossen sich die steinernen Bauten rückwärtig an Wohn- und Geschäftsgebäude an.

In der Regel waren sie mit den Fachwerkhäusern verbunden und dienten in erster Linie der Lagerung von Waren und Lebensmitteln.

Als Baumaterial wurde Stein verwendet, damit das Gebäude und die gelagerten Gegenstände vor möglichen Bränden geschützt wurden, die im Mittelalter eine große Gefahr für die eng und vornehmlich aus Holz gebaute Altstadt darstellten.

Das Haus

13. Jahrhundert: Errichtung Steinwerk

17. Jahrhundert: Errichtung Wohn- und Geschäftshaus

1900 bis 1960: Schlachterei Unnewehr, Gaststätte Imke/ Bratwurstgewölbe

1962 bis 1979: Gaststätte Deele

1979 bis 1984: Hasedorf, Musikgaststätte

1984 bis 1990: China Restaurant und mexikanisches Restaurant

1990 bis 2011: Steakrestaurant Manolo

2011 bis 2016: Restaurant Manolo

seit 2018: Umfangreiche Renovierung
Autor:
Sebastian Philipp


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