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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Es ist zum Verzweifeln!
Zwischenüberschrift:
Leserbrief
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Kein Krieg um Vorgärten″ (Ausgabe vom 22. Mai).

Natürlich bieten solche Hardcore-Schottergärten mit Findling, Konifere und Marmor-Gabione eher den Anblick eines Heldengrabes als den eines mit Leben gefüllten biodiversen Außenwohnzimmers. Auch weitläufig gepflasterte Stellplatzanlagen oder scharf geschorene und unkrautfrei gespritzte Rasenflächen sind Faltern, Hummeln und Dompfaffen öde unwirtliche Lebensräume. Selbst aufwendig mit nicht heimischen Edelstauden und Zuchtblüten vollgestopfte Prachtgärten nutzen der Natur wenig, weil sie für die vorgenannte Fauna gar nicht nutzbar sind. Andererseits: Der lustige verwilderte Bio-Garten kommt auch oft nicht gut an, weil manchem Nachbarn der böse Samenflug des Un- besser: Wildkrautes missfällt. Natürlich sind Schotterwüsten recht langweilig und hässlich. Aber muss hier schon wieder gesetzesmäßig scharf geschossen werden? Moden auch im Garten kommen und gehen, und mit Verlaub: Ich bezweifele, dass in einer Urbanisation selbst hundert versprengte , grüne′ Reihenhaus-Vorgärtchen die dortige Insekten- und Vogelwelt merklich retten helfen können. Viel wichtiger wäre eine Renaturierung der ausgeräumten, monokulturell genutzten Feldflur, Düngeeinschränkungen, Pestizidvermeidung und intelligentes Brachlandmanagement. Hier sollten die Kommunen auch mit ihren Flächen als gutes Beispiel vorangehen und vielleicht sogar Anreize für die Anlage biodiverser Privatflächen bieten. Manche tun das bereits. Dies müsste nur positiv-offensiver kommuniziert werden. Vielleicht würden dann auch mehr Schottergarten- und Maisfeldbesitzer nachdenklich werden.″

Klaus Schafmeister
Georgsmarienhütte

Die Initiative der Grünen, in Osnabrück Aktivitäten gegen die Zunahme der Schottergärten zu unternehmen, ist begrüßens- und unterstützenswert, und wenn es im Rahmen bestehender Rechtsverordnungen bereits Möglichkeiten gibt, gegen solche Entgleisungen vorzugehen, sollte das dringend passieren. Aber es ist wie (fast) immer: Außer hohlem Geschwätz passiert bei uns, wenn es um die biologische Vielfalt geht, nichts oder nur Einfältiges. Wie naiv muss man eigentlich sein zu glauben, man könne dieser Entwicklung mit Anreizen erfolgreich begegnen? Und wie sollen solche Anreize denn aussehen? Vielleicht ein Gutschein für einen Mähroboter, der dann auf der ehemals geschotterten Fläche den einförmigen Rasen kontinuierlich niedermetzelt und nebenbei mal einen Igel anschreddert? Das Problem beginnt ja nicht erst bei Gärten, die durch Schotter und eingefärbten Kies ihre Lebensfeindlichkeit dokumentieren, sondern bei Gärten, die zwar grün, aber so überpflegt und steril sind, dass Insekten und andere wildlebende Mitgeschöpfe keinerlei Chancen haben, dort zu existieren. Mein Fachkollege Prof. Peter Berthold, ehemals Leiter des Max-Planck-Institutes für Ornithologie (Vogelwarte Radolfzell), nennt sie treffend Psychopathengärten. Es gibt übrigens noch eine weitere Entwicklung, die für heimische Organismen eine Katastrophe ist, nämlich die Beete unter einer dicken Decke von Rinden- und Holzmulch zu ersticken, und die greift nicht nur in Privatgärten, sondern auch auf öffentlichen Flächen und an Hochschulstandorten um sich. Was nutzen Konferenzen des Weltbiodiversitätsrates mit allen daraus resultierenden Schreckensmeldungen und Appellen, wenn im Großen wie im Kleinen nichts wirklich Durchgreifendes passiert?! Es ist zum Verzweifeln!

Prof. Dr. Herbert Zucchi
Osnabrück

Bildtext:
Pflegeleicht, mehr nicht: ein typischer Schottergarten.
Foto:
Carmen Jaspersen/ dpa
Autor:
Klaus Schafmeister, Prof. Dr. Herbert Zucchi


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