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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zukunft des früheren „la vie″ wieder offen
 
Die Zukunft steht wieder in den Sternen
Zwischenüberschrift:
Neuer Eigentümer des Hauses Tenge sucht Pächter für das ehemalige „la vie″
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Alles schien klar zu sein nach dem Aus für das international gefeierte Osnabrücker Drei-Sterne-Restaurant la vie″ im vergangenen Sommer sollte in das historische Haus Tenge in der Altstadt ein neues Lokal einziehen. Der Inhaber der Immobilie plante dort eine ambitionierte, zugleich aber deutlich niedrigschwelligere Gastronomie unter der Leitung von Ex- la vie″-Küchenchef Timo Fritsche. Diese Pläne für ein Restaurant für alle″ wurden im Herbst bekannt gegeben und sind inzwischen Makulatur, wie eine in dieser Woche erschienene Annonce im Branchenmagazin Rolling Pin″ zeigt. Darin wird ein Pächter für das Haus Tenge gesucht. Das denkmalgeschützte Gebäude an der Krahnstraße soll demnach ein Restaurant bleiben. Welche Art von Restaurant, bleibt unklar.

Osnabrück Eigentlich sollte im ehemaligen la vie″ in der Altstadt in diesen Tagen ein neues Restaurant eröffnen. Doch nun steht fest: Daraus wird so bald nichts. Der Eigentümer der Immobilie sucht seit dieser Woche per Annonce nach einem Pächter für das historische Haus Tenge.

Wann geht es denn nun los im ehemaligen la vie″? Viele Osnabrücker haben sich das gefragt, als sie in den vergangenen Wochen durch die Krahnstraße schlenderten. So mancher blickte auch neugierig durch ein Fenster des historischen Hauses Tenge, nur um im Inneren leere Räume zu erspähen. Tatsächlich hat sich dort in den zurückliegenden sechs Monaten wenig getan zumindest nichts, was von außen sichtbar wäre.

Dabei sollte eigentlich in diesen Tagen neues Leben in das seit vergangenem Sommer verwaiste historische Gebäude einziehen. Die neuen Inhaber der Immobilie, die Familie Heinrich W. Risken aus Bad Rothenfelde (Firma Heristo), hatten Timo Fritsche, den ehemaligen Küchenchef von Thomas Bühners weltbekanntem Gourmettempel, für ein eigenes Restaurantkonzept gewonnen. Anfang Mai solle es losgehen, hieß es im vergangenen Herbst, als Fritsche die Pläne der Öffentlichkeit vorstellte.

Wie genau die Strukturen des neuen Ladens aussehen sollten, war zum damaligen Zeitpunkt zwar noch nicht klar, der Fokus allerdings schon: Das neue Lokal sollte ein Restaurant für alle″ werden, also hochwertige Küche in einem finanziell erschwinglichen Rahmen bieten. Die Schwellenangst, die viele Osnabrücker empfanden, wenn sie am hochdekorierten Gourmettempel la vie″ mit seinem uniformierten Portier vorbeigingen, sollte überwunden werden.

Seither ist mehr als ein halbes Jahr vergangen von neuem Leben im Haus Tenge″ gibt es jedoch keine Spur. Stattdessen erschien am Mittwoch eine Anzeige im Branchenmagazin Rolling Pin″, aus der hervorgeht, dass nach einem Pächter für das wunderschöne klassizistische Wohn- und Geschäftshaus im Zentrum von Osnabrück″ gesucht wird, wie es in der Annonce heißt. Als Ansprechpartner wird der ehemalige la vie″-Patron Thomas Bühner genannt.

Der Drei-Sterne-Koch hatte sich nach dem la vie″-Aus selbstständig gemacht und ist seitdem international als Gastkoch und gastronomischer Berater unterwegs. In dieser Funktion betreue er auch die Familie Risken, erklärt Bühner auf Nachfrage unserer Redaktion: Aufgrund der räumlichen Nähe und meiner Kontakte hat der neue Eigentümer mich gebeten, ein Auge auf die Immobilie zu haben.″ Außerdem kenne er die Räume, die beiden Küchen und die verschiedenen Gasträume, die das Haus Tenge zu bieten habe. Es gibt bereits einige Ideen, aber uns ist es wichtig, alles gehört und gesehen zu haben″, nennt der Starkoch die Beweggründe dafür, die Immobilie in einem gastronomischen Fachmagazin zur Pacht auszuschreiben. Wir haben eine wirklich sehr spannende Location und suchen nun auch ein genauso spannendes Konzept mit Zukunft.″Pläne sind Geschichte

Und was ist aus den ursprünglichen Planungen Riskens geworden, im Haus Tenge in Eigenregie eine Gastronomie zu betreiben? Das besagte Restaurant für alle″ mit Timo Fritsche an der Spitze? Das ist Geschichte. Während der weiteren Konzeptplanung habe sich der Investor aus diversen Gründen doch noch gegen ein eigenes Konzept entschieden, erklärt Bühner im Namen der Investorenfamilie, die nicht selbst mit der Presse sprechen möchte. Stattdessen suche Risken nun einen Pächter, der im Haus Tenge auf eigene Rechnung ein Restaurant betreibe.

Für Timo Fritsche bedeutet das zumindest vorerst ein Ende seiner Planungen für den Standort Osnabrück. Ich finde das sehr schade, ich hätte mich gefreut, an dieser Stelle mit einem neuen Konzept weiterzumachen″, sagt Bühners frühere rechte Hand. Er verstehe und akzeptiere aber, dass es nun einmal äußere Faktoren geben könne, die dazu führten, dass Ideen letzten Endes nicht verwirklicht würden.

Was genau diese Faktoren sind, sagt Bühner auf Nachfrage nicht. Es habe einfach Gründe gegeben, die bei den Inhabern auf dem Weg der Planung zu einer Neuorientierung geführt hätten, erklärt der Spitzenkoch.

Timo Fritsche hätte gerne in Osnabrück weitergekocht, wird der Stadt jetzt aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erhalten bleiben. Schon unmittelbar nach der la vie″-Schließung hatte er zahlreiche Anfragen und Angebote aus aller Welt. Als langjähriger Küchenchef eines Drei-Sterne-Hauses kann er mehr oder weniger frei entscheiden, wo auf der Welt er gerne arbeiten möchte.

Ob es für die Neubesetzung des Hauses Tenge konkrete Vorstellungen und Wünsche gibt, lässt Bühner offen: Wir wollen ein spannendes Konzept, das ist das Wichtigste″, sagt er. So ist derzeit auch völlig unklar, ob die Krahnstraße künftig wieder Spitzengastronomie mit Sterne-Ambitionen beherbergen wird.

Fakt ist aber: Je höher die Ambitionen sind, umso höher sind die notwendigen Ausgaben für das Personal und die eingesetzten Produkte. Ohne einen potenten Investor oder Mäzen im Hintergrund ist das ab einem bestimmten Niveau kaum noch zu stemmen. Das zeigt nicht zuletzt das Beispiel la vie″, das nur deshalb überleben konnte, weil es am finanziellen Tropf der Georgsmarienhütte hing bis das Stahlwerk die Finanzierung im vergangenen Sommer urplötzlich einstellte und die Immobilie Haus Tenge den Besitzer wechselte.

Viele deutsche Zwei- und Drei-Sterne-Lokale funktionieren nur deshalb, weil sie Teil eines Luxushotels sind und über die Beherbergungspreise mitfinanziert werden. Im Gegenzug trägt ein vom Michelin oder Gault & Millau ausgezeichnetes Restaurant zum Renommee des Hauses bei, weshalb es aus betriebswirtschaftlicher Sicht verkraftbar sein kann, wenn es rote Zahlen schreibt.

Denn rote Zahlen sind durchaus nicht selten obwohl ein Sechs-Gänge-Menü in einem Spitzenrestaurant gerne mal zwischen 150 und 250 Euro kostet, was im internationalen Vergleich zwar eher günstig ist, hierzulande aber schnell als überteuert gilt. Dabei decken auch solche dreistelligen Beträge kaum die Kosten: Die aufwendige und detailreiche Küche in der gastronomischen Spitzenliga erfordert einen Personalschlüssel, der dazu führen kann, dass ein Koch, statistisch gesehen, pro Abend für zwei oder drei Gäste kocht. Hinzu kommen Kosten für hochwertige Produkte, den hochprofessionellen Service und ein angemessenes Ambiente.

Viele Menschen sind nicht in der Lage, einen Besuch in einem Sternelokal zu bezahlen und anders als etwa in Frankreich oder Belgien sind in Deutschland viele auch nicht dazu bereit, selbst wenn sie es sich leisten könnten. Auf der anderen Seite wird der Wunsch nach hochwertiger, nachhaltiger und auf hervorragende Produkte fokussierter Küche lauter. Mit diesem Dilemma müssen Spitzenküchen zurechtkommen, was nicht allen gelingt so wie dem international gefeierten la vie″ im Haus Tenge, dessen Zukunft nun erst einmal wieder in den Sternen steht.

Bildtext:
Der Blick durch das Fenster verrät: Im Haus Tenge hat sich nichts weiter getan. Eigentlich sollte hier schon in diesem Monat ein neues Restaurant eröffnen.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Alles wieder auf Anfang

Für die einen war das la vie″ ein fast schon überirdisch anmutender Ort höchster kulinarischer Genüsse. Andere beäugten das Haus Tenge mit Argwohn und nahmen das darin untergebrachte Drei-Sterne-Restaurant als exklusiven Club wahr, zu dem Normalsterbliche keinen Zutritt haben und auch gar nicht haben wollen.

Die neuen Eigentümer der Immobilie und der renommierte Spitzenkoch Timo Fritsche wollten deshalb im Haus Tenge ein Restaurant eröffnen, das zwar auf hohem Niveau arbeitet, aber weit weniger polarisiert. Das klang vernünftig. Warum diese Pläne gescheitert sind? Darüber kann nur spekuliert werden Heristo-Vorstand Heinrich W. Risken ist kein Mann, der sich gerne in die Karten schauen lässt. Anzunehmen ist aber, dass Geld eine Rolle gespielt hat und die Erkenntnis, dass dieses in der gehobenen Gastronomie nicht gerade leicht zu verdienen ist.

Bleibt zu hoffen, dass der Unternehmer aus dem Südkreis neben dem nachvollziehbaren Wunsch nach einer guten Rendite für sein Investment auch an die Geschichte des Hauses und seine Bedeutung für die Altstadt denkt. Nichts gegen Pizzerien, Burgerläden, Bierschwemmen oder Schnitzelhäuser aber gerade in dieser exponierten Lage könnte Osnabrück durchaus ein weiteres ambitioniertes Restaurant mit moderner, raffinierter Küche vertragen. Und sei es eines ohne Sterneambitionen.

Optimistisch stimmt, dass Risken für die Suche nach einem Betreiber auf den bestens vernetzten kulinarischen Weltstar Thomas Bühner setzt, der Osnabrück auch ohne das la vie″ bis heute treu geblieben ist. Einen Besseren dürfte es für diesen Job nicht geben. a.koehler@ noz.de
Autor:
Stefanie Hiekmann, Arne Köhler


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