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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Endlich die Experten und Uneitlen ranlassen
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Calmeyer-Haus ohne Calmeyer? (Ausgabe vom 24. April) und dem Leserbrief von Oliver Altmann Stadt droht einmalige Chance zu verpassen″ (Ausgabe vom 27. April).

Als ich 1988 die erste Biografie von Peter Niebaum über Hans Georg Calmeyer gelesen hatte, war ich beeindruckt von der Kraft, der Disziplin und dem bedingungslosen Humanismus, der von ihm ausging. , Buitenbentje′ nannten ihn die Niederländer einen Außenseiter im positiven Sinne, der sich in einer Zeit, als alle Menschenrechte außer Kraft gesetzt waren, dafür einsetzte, dass Tausende von Juden , gecalmeyert′ wurden also vor den Vernichtungslagern gerettet. Und das unter ständiger Lebensgefahr.

Herr Griesert sollte sich meines Erachtens dafür persönlich einsetzen, dass das Haus diesem Ansatz gerecht wird. Alle Querelen sollten unterlassen werden. Parteipolitische Süppchen haben hier nichts zu suchen, es muss ein Haus für (uns) alle werden.

Wissenschaftlich ist die Calmeyerforschung abgeschlossen: vollständige Akteneinsich seiner Arbeit von 1942–45 in Den Haag durch Petra van den Boomgaard und die aktuellen Biografien von Dr. Castan und Dr. Middelberg. Jetzt geht es darum, diese Personen, die diese Forschungen erabeitet haben, bedingungslos in Vorbereitung und Konzeption einzubinden. Vor allem in der Hans-Calmeyer-Initiative (HCI) gibt es genügend Experten, die den Ansatz auch multimedial und sinnlich umsetzen können.

Noch einige Anmerkungen: Wir stehen kurz vor der Europawahl. Ein Abgeordneter des Deutschen Bundestages kann von der Hitlerei als , Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte′ sprechen. Eine Ungeheuerlichkeit kaum widersprochen. Überall in Europa macht sich der Populismus breit: Orbán in Ungarn, die Lega in Italien, Kaczynski in Polen und viele andere mehr.

Was für eine Chance böte sich hier für das Calmeyer-Haus, seinen bedingungslosen Einsatz für Menschlichkeit, gegen Nationalismus, für einen internationalen Ansatz. Es ist alles da, um ein , Friedenslabor′ umzusetzen: ein Ratsbeschluss, Fördergelder, ein Haus (damit ein Gegenpol zum ehemaligen , Braunen Haus′), Expertenwissen und erfahrene Kuratoren, auch Anregungen von Bürgerninnen und Bürgern sollten angehört werden. Es darf keine halbe Sache werden. [...]

Nur so kann regional, überregional und international ein Zeichen für die Friedensstadt Osnabrück gesetzt werden. Peter Niebaums Lebenswerk wäre damit erfolgreich gewürdigt.″

Günter Gall
Osnabrück

„, Wer bin ich, dass ich über Leben und Tod entscheide? Diese Selbstreflexion von Hans Calmeyer zeigt die große Seelenqual des Osnabrücker Judenretters. Und sie wirft ihren langen Schatten von Verantwortung auf die musealen und politischen Macher: Es geht um die würdevolle Umgestaltung einer Villa, die einst Hauptquartier der Osnabrücker NSDAP war.

Ich frage mich [...] schon: Ist den Verantwortlichen im Kulturbereich und hinzugezogenen Experten von außen eigentlich klar, welches Projekt sie umzusetzen und wissenschaftlich zu begleiten haben? Sie haben eine kreative Vorarbeit vor sich, nachdem die Initiatoren über jetzt mehr als zwei Jahrzehnte durch Kärrnerarbeit und profundes Fachwissen einen großen Waggon für Osnabrück aufs Gleis gesetzt und dann angeschoben haben! Eine Steilvorlage darf nicht versemmelt werden.

Dazu passt es jedenfalls nicht, dass in einer sogenannten Expertendiskussion im Rahmen des wissenschaftlichen Beirats vom Dezember 2018 eine Debatte quasi um die Neuerfindung des Rades eröffnet wurde. Es blieb nahezu unwidersprochen, als die steile These vorgetragen wurde: Das Rettungswerk von Calmeyer sei , ambivalent′. Nur die ausgewiesene Calmeyer-Expertin Dr. Petra van den Boomgaard und der auch auf dem Feld Calmeyer erfahrene Ausstellungsmacher Dr. Joachim Castan widersprachen deutlich. Diese Debatten sind bereits vor langer Zeit und noch zu Lebzeiten Peter Niebaums beendet worden. Der hatte durch seine Recherchen über lange Jahre und aufgrund eindeutiger wissenschaftlicher Erkenntnisse die Ambivalenzthese, die auch im , Spiegel′ zum Besten gegeben worden war, widerlegt. Wissenschaftlich war er vor allem durch die Forschungsergebnisse der angeführten holländischen Wissenschaftlerin und wissenschaftlich-juristisch durch die Arbeit von Dr. Mathias Middelberg unterstützt worden. Und passt es angesichts dieser Sachlage in eine Realisierungsphase für das Calmeyer- Haus und für ein Ausstellungskonzept , mit Ausstrahlung auf Deutschland, die Niederlande und darüber hinaus′, wenn sich der , Beirat zur Schaffung eines Calmeyer-Hauses′ nach Vorschlag des Wortführers der Dezember-Sitzung umbenannte in , Beirat zur Neugestaltung der Villa Schlikker′? Sind hier etwa Böcke zu Gärtnern gemacht worden?

Das Calmeyer-Projekt hätte das Zeug, als Teil einer Perlenkette mit Nussbaum, Remarque [und] Gestapo-Keller/ Augustaschacht [...] zu einem geschlossenen Panoptikum Osnabrücker Erinnerungskultur zu wachsen. Dazu gehört allerdings ein erinnerungspolitisches Händchen [...]. Modische Floskeln wie , soziokulturelles Begegnungszentrum′, allzu rituelles Feiern der , Friedensstadt Osnabrück′ und ein Verständnis von Kultur eher im Sinne von , Event′ werfen Zweifel auf. Lasst endlich die Experten und Uneitlen an Calmeyer ran!

Harald Klausing
Osnabrück

Bildtext:
Das Museum in der Villa Schlikker soll zum Hans-Calmeyer-Haus werden.
Foto:
Archiv/ G. Westdörp
Autor:
Günter Gall, Harald Klausing


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