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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Rekord bei Wegwerfstrom
 
Bau von Windrädern an Land lahmt
Zwischenüberschrift:
Überschüssige Öko-Energie wird zum Problem / Verbraucher zahlen kräftig drauf
 
Viele Bürger-Projekte werden nicht realisiert / Klagen verzögern Vorhaben
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Hamburg Die Betreiber von Wind- und Solarparks in Niedersachsen mussten ihre Anlagen im vergangenen Jahr so oft abschalten wie noch nie. Gut 1500 Gigawattstunden Strom konnten sie nicht produzieren, weil andernfalls eine Überlastung der Netze gedroht hätte. Damit gab es fast 40 Prozent mehr Wegwerfstrom″ im Land als im Jahr zuvor mit knapp 1100 Gigawattstunden. Die für das Abregeln gesetzlich verankerten und von den Verbrauchern über die Netzentgelte zu tragenden Entschädigungsansprüche stiegen in Niedersachsen sogar noch stärker, um fast 60 Prozent von 157 Millionen Euro auf 250 Millionen. Das geht aus dem Jahresbericht der Bundesnetzagentur für 2018 hervor.

Der Grund für die deutlich gestiegenen Abschaltungen in Niedersachsen liegt laut Bundesnetzagentur vor allem darin, dass die Windparks in der Nordsee ihren Strom oft nicht im Netz loswerden können. In Niedersachen fällt zunehmend die Abregelung von Offshore-Windenergie-Anlagen ins Gewicht, die in 2018 rund 25 Prozent der gesamten Abregelung und 42 Prozent der Entschädigungsansprüche ausmachte″, heißt es im Jahresbericht der Netzagentur.

Bundesweit sank die abgeregelte Strommenge zwar minimal auf 5400 Gigawattstunden doch stiegen die Entschädigungsansprüche trotzdem um vier Prozent auf 635 Millionen Euro, weil vor allem teurer Strom aus Meereswindparks nicht produziert werden konnte. Hinzu kommen die noch höheren Kosten für erforderliche Eingriffe auch bei konventionellen Kraftwerken. Sie lagen letztes Jahr laut Netzagentur bei gut 800 Millionen Euro.

Die Entwicklung der Windenergie in Deutschland liefert zurzeit gegensätzliche und widersprüchliche Signale. Zum einen hat die Produktion von Windstrom einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Auf den anderen Seite werden an Land so wenig neue Windräder errichtet wie seit vielen Jahren nicht mehr.

In diesem Jahr wurde bis zum 7. Mai nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE annähernd die Hälfte des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Quellen hergestellt, genau 46, 8 Prozent. Den größten Anteil unter den verschiedenen Energieträgern lieferte der Windstrom an Land und auf See mit 27 Prozent. Am Ostermontag, einem sonnen- und windreichen Feiertag, kamen mehr als drei Viertel des Stroms aus erneuerbaren Quellen; der Wind-Anteil an der Gesamtproduktion betrug 40 Prozent. Das war ein neuer Rekordwert.

Gleichzeitig ist der Ausbau der Windenergie an Land fast zum Erliegen gekommen. In den ersten drei Monaten des Jahres gingen nur 41 Windräder mit einer Leistung von 134 Megawatt ans Netz, wie die Fachagentur Windenergie an Land mitteilte.

Kommentar
Windkraftausbau rasch beenden

Die Windstromproduktion in Deutschland hat am Ostermontag einen neuen Rekordwert erreicht und 40 Prozent des Strombedarfs gedeckt! Jubelmeldungen wie diese sind in einiger Regelmäßigkeit zu lesen und sollen Optimismus verbreiten: Läuft doch mit der Energiewende.

Was gern unterschlagen wird: Nur einen Tag zuvor, am Morgen des Ostersonntags, trug die Windkraft deutschlandweit läppische 1, 5 Prozent zur Stromerzeugung bei. Bei Flaute müssen Kraftwerke einspringen. Windräder und Solaranlagen stellen keine gesicherte Leistung bereit und können daher auch keine Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerke permanent ersetzen. Speicherkapazitäten zu vertretbaren Kosten und in ausreichender Menge sind weit und breit nicht in Sicht. Der Zappelstrom aus Wind und Sonne stiftet aber Unruhe im Netz und kostet die Verbraucher Milliarden. Je mehr Solar- und Windanlagen errichtet werden, umso schwieriger und teurer wird es, Leistungsspitzen auszugleichen.

Nicht nur wegen der Widersprüche der Energiewende sollte die Politik zumindest den Ausbau der Windkraft an Land rasch beenden. Es geht auch um Landschaftsschutz. Bis zu 240 Meter ragen die höchsten Windräder in den Himmel. Wollen wir wirklich auch die letzten schönen Kulturlandschaften in Deutschland mit solchen Ungetümen entstellen?

m.glasfort@ noz.de

Hamburg Während immer mehr Strom aus Windkraft ins Netz drängt, ist der Zubau an Land beinahe zum Erliegen gekommen. Wir geben einen Überblick über die Faktenlage.

Wie hoch ist der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion? Am Ostermontag kamen mehr als drei Viertel des Stroms aus erneuerbaren Quellen; der Wind-Anteil an der Gesamtproduktion betrug 40 Prozent. Das war ein neuer Rekordwert, sagt aber noch nichts aus über die Bilanz am Jahresende, da die Produktionsleistungen der Wind- und Solarkraftwerke stark schwanken. Doch hoffen die Anhänger der Energiewende, dass die erneuerbaren Energien zum Ende des Jahres die 50-Prozent-Marke bei der Stromproduktion knacken. Im vergangenen Jahr lag ihr Anteil bei 40, 6 Prozent. Das bezieht sich auf die Nettostromproduktion. Oft wird der Anteil am Bruttostromverbrauch angegeben, der um einige Punkte niedriger liegt, zuletzt bei 37, 8 Prozent. Im Bruttoverbrauch sind Netzverluste und Eigenverbrauch der Kraftwerke enthalten. Zudem werden Verbrauch und Erzeugung durch Stromimporte und - exporte ausgeglichen.

Wie steht es um den Ausbau der Windenergie an Land? Er ist fast zum Erliegen gekommen. In den ersten drei Monaten des Jahres gingen lediglich 41 Windräder mit einer Leistung von 134 Megawatt ans Netz, wie die Fachagentur Windenergie an Land mitteilte. Das waren fast 90 Prozent weniger als im gleichen Quartal des Vorjahres und so wenig wie zuletzt im vergangenen Jahrhundert, als der Ausbau der Windenergie begann. In 9 von 16 Bundesländern wurden gar keine neuen Windräder errichtet. Das ist der vorläufige Tiefpunkt einer Entwicklung, die bereits seit einem Jahr andauert.

Welche Gründe gibt es für den Stillstand? Ursache für den starken Rückgang sind die Ausschreibungen und Zuschläge im Jahr 2017. In dem Jahr gingen mehr als 90 Prozent aller Förderzusagen an Bürger-Windprojekte, die emissionsrechtlich noch nicht genehmigt waren. Viele dieser Windparks, die eine gesetzliche Vorzugsbehandlung gegenüber professionellen Investoren genießen, werden voraussichtlich nicht gebaut. Von den 2, 7 Gigawatt Leistung, die auf diese Weise einen Zuschlag erhielten, hatten bis April erst 167 Megawatt eine Genehmigung, sodass sie überhaupt in Angriff genommen werden können. Von 730 Anlagen, die 2017 einen Zuschlag erhielten, sind erst 35 am Netz.

Gibt es weitere Faktoren? Zahlreiche Klagen verzögern nach Angaben der Fachagentur den Bau von Windrädern. Zwar gebe es keine Statistik, doch hätten stichpunktartige Recherchen ergeben, dass der Ausbau von mindestens 750 Megawatt Leistung brachliege, weil dagegen Klagen anhängig seien.

Was bedeutet das alles für die Ausbauziele der Bundesregierung? Die Flaute beim Ausbau der Windenenergie trifft auf einen absehbaren Verlust von Windrädern. Viele ältere Windkraftwerke fallen von 2020 an aus der Förderung heraus und sind oft nicht mehr wirtschaftlich. Etwa 14 000 Megawatt, rund ein Viertel der installierten Leistung, steht bis 2023 auf der Kippe und müsste ersetzt werden. Das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 rund 65 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen zu decken, rückt damit in weitere Ferne.

Bildtext:
Windkraft hat längst den Spitzenplatz unter den Energiequellen in Deutschland.
Foto:
dpa/ Armin Weigel
Autor:
dpa, Henning Baethge, Manuel Glasfort


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