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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Geschäft flieht vor Chaos am Neumarkt
 
Rohlfing nimmt Reißaus
Zwischenüberschrift:
Warum Deutschlands ältestes Klavierhaus in der Innenstadt keine Zukunft sieht
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Knapp 25 Jahre lang hat sich das Osnabrücker Traditionsgeschäft Rohlfing Musikland″, dessen Wurzeln bis 1790 zurückreichen, am Neuen Graben wacker geschlagen. Doch jetzt zieht es die Reißleine. Noch im Sommer will Deutschlands ältestes Klavierhaus seinen Laden samt Werkstatt im Zentrum aufgeben und an den Stadtrand nach Haste umziehen.

Als Grund nennt Inhaber Wilfried Tammen vor allem die Verkehrssituation am Neumarkt. Immer häufiger würden Kunden fernbleiben und zum Beispiel ins Internet abwandern, weil sie wegen der großen und lang andauernden Baustellen nicht mehr nah genug an seinem Geschäft parken könnten. Für Rohlfing selbst sei das Be- und Entladen nahezu unmöglich geworden. Wir halten es in der City einfach nicht mehr aus.″

Osnabrück Deutschlands ältestes Klavierhaus, das Rohlfing Musikland″ in Osnabrück, zieht sich in Kürze vom Neumarkt zurück. Es kapituliert damit vor einer aus seiner Sicht kundenfeindlichen Verkehrssituation und der nahenden Jahrhundert-Baustelle in der City. Am nördlichen Stadtrand sollen die Geschäfte weitergehen.

Wilfried Tammen, Chef und Inhaber des 1790 gegründeten Traditionsunternehmens, sagt es frei heraus: Wir hauen ab aus der Innenstadt. Wir halten es hier einfach nicht mehr aus.″ Schon in wenigen Monaten werde Rohlfing nach Haste umziehen. Unweit des Autobahnzubringers habe man ein tolles neues Domizil″ gefunden. Wo, anders als am Neumarkt, keine ruinösen Groß- und Dauerbaustellen vor der Tür stehen, sondern im Gegenteil Kunden mit ihren Autos.Alles viel zu eng

Jahrzehntelang habe sein Geschäft am Neuen Graben 17 dem schleichenden Niedergang des größten und wichtigsten Platzes der Osnabrücker City getrotzt, konkret seit 1985. Vom Glanz früherer Zeiten, als das Kaufhaus Wöhrl die Menschen täglich zu Tausenden zum Neumarkt lockte, sei kaum etwas geblieben. Was uns heute besonders zu schaffen macht, ist die Verkehrssituation″, erklärt Tammen.

Mal sei der Neumarkt für Autos gesperrt, mal geöffnet. Ab August, wenn die Umgestaltung beginnt, ist er wieder dicht, dann sogar für mehr als ein Jahr. Ringsum und mittendrin würden neue Hotels hochgezogen. Und wer weiß schon, welche Beeinträchtigungen der Bau des geplanten Einkaufszentrums mit sich bringt?

Tammen schwant Böses. Zwar gilt sein Laden trotz starker Konkurrenz im Internet bei vielen in Stadt und Region, die ein Klavier kaufen möchten, als erste Adresse: Rohlfings Einzugsgebiet reicht von Cloppenburg bis Münster, von Bielefeld bis Bad Bentheim. Doch schon jetzt würden Kunden, erst recht die auswärtigen, immer häufiger abwandern, weil sie ihr Ziel im Zentrum von Osnabrück angeblich nur noch schlecht erreichen. Bei euch kann man ja nicht parken″, heiße es dann oft zur Begründung, berichtet Tammen. Eine Katastrophe″ sei das. Schließlich könne er seine Kunden nicht umerziehen und sagen: Kommt doch mit dem Bus! Wer von weit her anreise, nehme eben meist das eigene Auto. Parkplätze vor der Tür sind uns deshalb sehr wichtig.″

Ein weiteres Ärgernis aus Sicht des Klavierhauses: die neue, rot markierte Fahrradspur an der Ecke Lyrastraße, wo sich Schaufenster und Seiteneingänge des Geschäfts befinden. Wir dürfen da jetzt nicht mehr be- und entladen″, klagt der Chef. Sondergenehmigung? Fehlanzeige. Leider sei es auch hinterm Haus für Last- und Lieferwagen oft viel zu eng″, um die sperrigen, zentnerschweren Musikinstrumente von der Seminarstraße aus schnell und unkompliziert anzuliefern bzw. abzutransportieren. Überhaupt der Platzmangel: Damit habe Rohlfing bereits in der gut einen Kilometer entfernten Schepelerstraße zu kämpfen, wo sich seit 1992 die Klavierbau-Meisterwerkstatt befindet das wichtigste Standbein der Firma.

Doch ein Ende der Probleme scheint nah. Am 14. September schließt Deutschlands ältestes Klavierhaus am Neumarkt um nur eine Woche später am nördlichen Stadtrand neu zu eröffnen. Und zwar im früheren Manor House″ an der Bramscher Straße 251: einem üppig bemessenen, geradezu herrschaftlich wirkenden Gebäude, in dem bislang englische Stilmöbel verkauft wurden. Dort kann Rohlfing endlich alle Geschäftsbereiche unter ein Dach bringen. vor dem Haus: Parkplätze für mindestens 25 Autos. Von der guten Verkehrsanbindung durch B 68 und A 1 ganz zu schweigen.

Es ist, man muss es so deutlich sagen, eine Flucht″, bringt Tammen die Sache auf den Punkt. Für Rohlfing in der Innenstadt sei es kurz vor zwölf″ gewesen, der Absprung gelinge gerade rechtzeitig″. Nun könne er nächstes Jahr mit Mitte 60 beruhigt in Rente gehen und Sohn Andreas, einem von vier Klavierbaumeistern in der Familie, ein Geschäft mit Perspektive übergeben.

Bildtexte:
Als Reaktion auf die Entwicklung am Neumarkt verlagern Rohlfing-Geschäftsführer Wilfried Tammen und sein Sohn Andreas das traditionsreiche Klavierhaus nach Haste.
Unter dem Dach des früheren Manor House″ in Haste fasst Rohlfing Werkstatt und Verkauf zusammen.
Fotos:
Gert Westdörp

Kommentar
Gefahr fürs Geschäft

In seiner bald 230-jährigen Firmengeschichte hat das Klavierhaus Rohlfing schon viele Krisen gemeistert, ja sogar Kriege überstanden. Und mit etwas Glück und Geschick wird es auch jener gegenwärtigen Bedrohung entkommen, die einerseits der boomende Onlinehandel darstellt, andererseits die politisch gewollte Entwicklung im Zentrum.

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft des Traditionsunternehmens scheinen jedenfalls optimal nach dem Umzug an den Stadtrand. Denn am neuen Standort in Haste findet Rohlfing alles vor, was es braucht: ein repräsentatives Gebäude, gelegen an einer der wichtigsten Ein- und Ausfallstraßen Osnabrücks und mit so viel Platz, dass Werkstatt und Verkauf nicht länger getrennt bleiben müssen. Außerdem kann das für seine große Handwerkskunst und exzellente Beratung weit und breit bekannte Geschäft seinen Kunden dort verlässlich das bieten, worauf es selbst nicht verzichten will: Platz für Autos direkt vor der Ladentür.

E-Mail: s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker


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