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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Von Calmeyer gerettet
Zwischenüberschrift:
Anne-Frank-Freundin Laureen Nussbaum in Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Deutliche Worte für ein unverwässertes Hans-Calmeyer-Haus in Osnabrück fand die Holocaust-Überlebende Laureen Nussbaum, die als sogenannte Calmeyer-Jüdin″ dem Osnabrücker Rechtsanwalt Hans Georg Calmeyer (1903–72) ihr Überleben verdankt.

Ihrer Stadt stünde es gut an, neben Remarque und Nussbaum als Dritten im Bunde auch Calmeyer entsprechend herauszustellen″, sagte die 91-jährige Germanistikprofessorin aus Seattle/ USA bei ihrem Kurzbesuch am Freitag in Osnabrück.

Die frühere Freundin von Anne Frank bezog sich mit ihrer Äußerung auf die jüngst publik gewordenen Querelen um die konzeptionelle Ausgestaltung eines Calmeyer-Hauses in der zum Museumsquartier gehörenden Villa Schlikker. Die Hans-Calmeyer-Initiative (HCI), 1995 gegründet und das Erbe des Calmeyer-Entdeckers″ Peter Niebaum verwaltend, fühlt sich dabei übergangen von dem durch die Stadt einberufenen wissenschaftlichen Beirat.

Laureen Nussbaum war auf der Durchreise nach Berlin, wo sie anlässlich einer Neuausgabe der Anne-Frank-Tagebücher sprechen wird. Auf Einladung der HCI legte sie einen Zwischenstopp in der Heimatstadt ihres Lebensretters Calmeyer ein. Im Kleinen Saal des Hauses der Jugend, der sich für die mehr als 120 Zuhörer als viel zu eng herausstellte, sprach sie zunächst über ihr freundschaftliches Verhältnis zu Anne Frank. Nussbaum, die damals noch Hannelore Klein hieß, wuchs wie Anne Frank in Frankfurt auf. Unter dem Druck der antijüdischen Maßnahmen floh Familie Klein 1936 nach Amsterdam, und zwar in die Nachbarschaft der Familie Frank, die zwei Jahre zuvor dort eingetroffen war. Ich habe mehr mit Annes älterer Schwester Margot gespielt, weil ich ihr altersmäßig näherstand″, berichtete die Germanistikprofessorin, die seit 65 Jahren in den USA lebt. Die zwei Jahre jüngere Anne Frank habe sie aber auch gut gekannt, erklärte Nussbaum.

Die jüdischen Kinder in Amsterdams Emigrantenviertel rückten näher zusammen, nachdem die Deutschen 1940 die Niederlande besetzt hatten und nun auch hier den jüdischen Bevölkerungsteil drangsalierten. Die Kinder mussten die Schulen verlassen und durften keinerlei öffentliche Einrichtungen mehr besuchen kein Kino, kein Schwimmbad, kein Museum. Auf das Private zurückgeworfen, organisierten die Kinder eine Theateraufführung in Kleins Wohnung: Die Prinzessin mit der langen Nase″. Hannelore Klein führte Regie, Anne Frank spielte die Prinzessin. Auch sonst legten die Eltern großen Wert darauf, die deutsche Sprache und kulturelle Herkunft zu pflegen.Arischen Opa erfunden

Mit einem Mal war die Familie Frank verschwunden. Man habe sich keine großen Gedanken darüber gemacht. Es sei öfters vorgekommen, dass eine jüdische Familie eine Ausreisemöglichkeit gefunden habe. Erst viel später erfuhr Familie Klein davon, dass sich die Franks in einem Hinterhaus der Prinsengracht versteckt hatten. Ganz ähnlich verfuhr Hannelore Klein mit ihrem Freund und späteren Ehemann Rudi Nussbaum (1922–2011), der im Übrigen nicht mit dem Osnabrücker Maler Felix Nussbaum verwandt war.

Im Juli 1942 bekam Hannelores Schwester Susi den gefürchteten Aufruf″, sich für den Abtransport zurück nach Deutschland zu einem Arbeitseinsatz, wie es hieß, registrieren zu lassen. Gleichzeitig lief ein Antrag an das für Abstammungsfragen zuständige Judenreferat in Den Haag. Wir hatten tatsächlich eine arische Großmutter. Den arischen Großvater haben wir hinzuerfunden″, erzählte Nussbaum. NS- Rassereferent″ Calmeyer ließ sich Zeit, die vorgelegten Beweise″ zu prüfen Zeit, in der Susi nicht behelligt werden konnte. Im Januar 1943 kam die erlösende Nachricht, dass die Kleinkinder als nicht meldepflichtige Mischlinge eingestuft waren. Sie wurden entsternt″, durften also den gelben Judenstern ablegen.

Für sie, Laureen Nussbaum, sei Calmeyer ein stiller Held″, der mehr Juden gerettet habe als Oskar Schindler, und ein Vorbild an Mitmenschlichkeit″ gerade für die nachkommenden Generationen. Er habe bewiesen, dass es auch unter einer mörderischen Diktatur alternative Handlungsmöglichkeiten gegeben habe. Sie halte es für ausgesprochen wichtig, dass in Osnabrück ein Haus seines Namens entstehe, das dauerhaft an ihn und an sein Wirken erinnere, und das nicht nur halbherzig″.

Bildtext:
Laureen Nussbaum berichtete in Osnabrück über ihr Leben. Eingeladen hatten sie Ralf Steiner (links) und Joachim Castan (rechts) von der Hans-Calmeyer-Initiative.
Foto:
André Havergo
Autor:
Joachim Dierks


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