User Online: 1 | Timeout: 22:26Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Eklat bei Debatte über Schulneubau
 
Lauter Jubel bei Schülern und Lehrern
Zwischenüberschrift:
Ratsgymnasium bekommt den ersehnten Solitärbau / Diskussion im Rat mit Gift und Galle
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Lehrer, Eltern und Schüler des Ratsgymnasiums haben ihr Ziel erreicht: Die Schule wird durch einen Solitär erweitert und nicht durch einen Anbau an das denkmalgeschützte Schulgebäude. Das hat der Rat der Stadt am Dienstag mit den Stimmen von CDU, BOB, FDP, Linkspartei, UWG/ Piraten und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert beschlossen. SPD und Grüne hatten die Anbau-Variante bevorzugt. Der Abstimmung vorausgegangen war eine außergewöhnlich emotionale Debatte, bei der es zu einem Eklat kam: Lothar Wehleit, der Schulleiter des Gymnasiums, stand auf und drehte dem Grünen-Ratsherrn Thomas Klein bei dessen Wortbeitrag demonstrativ den Rücken zu. Klein hatte zuvor behauptet, das Ratsgymnasium werde im Vergleich zu anderen Osnabrücker Schulen häufig bevorzugt.

Osnabrück Mit Pauken und Trompeten machten Lehrer, Schüler und Eltern des Ratsgymnasiums vor der Ratssitzung am Dienstagabend auf ihren Wunsch nach einem Solitärbau als Erweiterung ihrer Schule aufmerksam. Jubelnd verließen sie später den Sitzungssaal: Die Schule bekommt das gewünschte Gebäude.

Mehr als drei Stunden hatte sich die Abordnung der Schule gedulden müssen, bis die neue Ratsvorsitzende Rita Feldkamp endlich ihren Tagesordnungspunkt aufrief nachdem der Fraktionsvorsitzende der CDU, Fritz Brickwedde, den Antrag gestellt hatte, das Thema vorzuziehen, damit Lehrer und Schüler nicht länger warten mussten. Dieser Antrag wurde noch einstimmig verabschiedet. Danach war es dann mit der Einmütigkeit vorbei. Was folgte, war eine zum Teil emotional aufgeladene Diskussion, die Schulleiter Lothar Wehleit sogar dazu veranlasste, dem grünen Ratsherren Thomas Klein während dessen Wortbeitrag demonstrativ den Rücken zuzukehren.

Insgesamt hatte die Verwaltung der Politik drei Varianten für die durch die Umstellung von G8 auf G9 notwendig gewordene Erweiterung der Schule vorgeschlagen: Einen Anbau an den denkmalgeschützten Lehmann-Bau mit voraussichtlichen Kosten von 3, 1 Millionen Euro, einen zweigeschossigen Solitärbau an der Grenze zum Schlossgarten für 3, 44 Millionen Euro und eine dreigeschossige Variante an gleicher Stelle für 3, 64 Millionen Euro. Eine Stimmenmehrheit aus CDU, BOB, FDP, Linken, Piraten und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert sprach sich letztendlich für den zweigeschossigen Solitärbau aus. Damit war die von SPD und Grünen bevorzugte Anbau-Variante endgültig vom Tisch.

Petra Knabenschuh eröffnete den Schlagabtausch. Die ganze Schulgemeinschaft hat sich mit guten Begründungen für einen Solitärbau ausgesprochen″, so die CDU-Politikerin, die vor allem die Entzerrung des Schullebens und den zu erwartenden Lärmpegel bei einem Anbau ins Feld führte. Im Schulausschuss hätten sich die hinzugewählten Mitglieder deutlich für einen Solitär ausgesprochen. Wir möchten uns dem Votum dieser Schulfachleute anschließen″, sagte Knabenschuh. Und weiter: Bei einem Eingriff in den Altbau bestünden unkalkulierbare Risiken, die die finanzielle Differenz zwischen Anbau und Solitär in kürzester Zeit aufbrauchen könnten. Zudem sei ein Anbau im laufenden Schulbetrieb eine erhebliche Belastung. Ihre Partei werde sich dem Änderungsantrag der Linken anschließen, weil so auch die Barrierefreiheit im Altbau gesichert werde.

Zuletzt hatten sich die Linke und die FDP für den Erweiterungsbau an der Grenze zum Schlossgarten ausgesprochen. In einem Änderungsantrag zur Verwaltungsvorlage forderte die Linke zusätzlich zum Solitärbau einen Hublift, der die alten Gebäudeteile behindertengerecht erschließen kann. Unsere Fraktion möchte mit dem Änderungsantrag einen Kompromiss vorschlagen, der die von der Schule favorisierte Solitärbau-Lösung mit einer erweiterten Barrierefreiheit im Altbau der Schule verbindet″, sagte Heidi Reichinnek zur Begründung.Scharfe Wortgefechte

Auch die FDP forderte zusätzlich zu einem Solitär einen Fahrstuhl für den Altbau. Der Neubau soll nach den Vorstellungen von Fraktionschef Thomas Thiele zudem statisch so ausgelegt sein, dass bei Bedarf die Aufstockung mit einem dritten Geschoss möglich ist. Das war für uns alle keine leichte Entscheidung. Es ist sehr schade, das diese Diskussion mit so viel Gift und Galle geführt worden ist″, betonte Reichinnek.

Für Schärfe hatte vor allem Thomas Klein gesorgt, als er die Entscheidung für den Solitär als große Ungerechtigkeit gegenüber anderen Schulen″ bezeichnete. Andere Schulen haben nicht diesen Lobbyismus betrieben, der hier vom Rats betrieben wurde.″ Spätestens jetzt war die Geduld von Schulleiter Wehleit offensichtlich erschöpft, der von seinem Platz aufstand und Klein demonstrativ den Rücken zuwendete. Klein setzte noch einmal nach und fragte: Ist die Staubbildung das Schreckenszenario, für das man jetzt 400 000 Euro mehr ausgeben will? Das ist lächerlich.″

SPD-Fraktionschef Frank Henning, der am Vormittag noch mit den Ratsschülern diskutiert hatte, lobte deren Engagement für die Schule und betonte, dass diese bei jeder Entscheidung der Gewinner sei, weil die Stadt eine hohe Summe in ihre Erweiterung investiere.

Letztendlich stand aber auch für Henning und die Sozialdemokraten fest: Wir können jeden Euro nur einmal ausgeben. Wir haben die Gesamtverantwortung in der Stadt auch für andere Schulen. Es kann nicht sein, dass wir andere Schulen vernachlässigen.″ Er erwarte ab jetzt eine Gleichbehandlung aller Schulen.

Bildtext:
KLARE ANSAGE: Das Ratsgymnasium warb vor der Ratssitzung mit einem Demonstrationszug vom Ledenhof bis zum Marktplatz lautstark für die von ihnen bevorzugte Solitärbau-Variante.
Foto:
Gert Westdörp
Autor:
Dietmar Kröger


Anfang der Liste Ende der Liste